die zeit nach born

Joseph II. veranlaßt auch mehrere Expeditionen nach Nord- und Mittelamerika sowie nach Afrika, die hauptsächlich zoologische, botanische und ethnographische Objekte für die Wiener Sammlungen erbringen. Einer der Teilnehmer an diesen Fahrten, der Gärntnergehilfe Franz Boos, überbringt dem Kaiser aber auch zwei große Bergkristalle aus Madagaskar als Geschenk des königlichen französischen Ingenieurs Cossigni. Einer dieser Quarze, ein 115 Kilogramm schwerer, langprismatischer und schön transparenter Kristall, ist auch heute noch in der Kastenvitrine im Saal I der Mineraliensammlung zu sehen.

 

Nach dem Tode von Joseph II. 1790 folgt in der Regentschaft dessen Bruder, Kaiser Leopold II. (1747-1792). Obwohl nur zwei Jahre im Amt, kann auch er durch Ankauf der reichen Mineraliensammlung des Feldmarschalls Andreas Grafen von Hadik die Sammlungsbestände ausweiten. Ihm folgt Franz II.. (1768-1835) auf den Kaiserthron. Im Zuge der napoleonischen Kriege muß Franz II. auf die Deutsche Kaiserkrone 1806 verzichten und ist seit 1804 als Franz I. nur mehr Kaiser von Österreich.

Aber schon lange vorher, 1788, wird Andreas Xaverius Stütz, Professor der Naturgeschichte und Geographie an der k.k. Real-Akademie und ehemals Kanonikus der regulierten Chorherren des heiligen Augustin, an Stelle des als Bergrath und Professor der Mathematik und Mechanik an die Bergakademie in Schemnitz berufenen Karl Haidinger, Direktors-Adjunkt der Naturaliensammlung.

 

Stütz hatte sich schon lange mit den geognostischen Verhältnissen seiner Heimat Niederösterreich auseinandergesetzt und auch einige mineralogische Abhandlungen veröffentlicht. Er beginnt, unterstützt vom Kustos Johann Carl Megerle, der speziell die Mineralien sowie einen Teil der Molluskensammlung betreut, mit dem, was alle Mitarbeiter am Kabinett bisher vermieden hatten, nämlich mit der inventarmäßigen Aufnahme der erdwissenschaftlichen Objekte. So entsteht zwischen 1797 und 1806 der erste - von Stütz selbst (?) handgeschriebene - Katalog der Naturaliensammlung, der "Catalogus Stützianus". Ein "Einschreibebuch" existierte zwar bereits seit 1780, doch wurde es offenbar noch nicht konsequent geführt, und auch die - wesentlich später vergebenen - heute gültigen Inventarnummern sind darin nicht vermerkt. Gleiches gilt für eine Reihe loser Archivblätter und Abschriften von Minerallisten noch älterer Zeit. Die Zuordnung der alten, vor 1797 in die Sammlung gelangten mineralogischen Objekte ist daher heute sehr schwierig, zumindest spekulativ, wenn nicht überhaupt unmöglich - darauf wurde schon früher hingewiesen. Mit dem "Catalogus Stützianus" beginnt somit auch in der Wiener Mineraliensammlung eine neue Ära.

 

Literatur