Mineralogie & Petrographie

Wer durch die Ausstellungssäle 1 bis 5 wandert, spürt und erkennt hinter der überwältigenden Vielfalt der dargebotenen Mineralien, Erze, Edelsteine, Gesteine und Meteoriten die waltende Ordnung. Generationen von Kuratoren haben versucht, diese Systematik auf Grundlage der geltenden wissenschaftlichen Forschungsergebnisse aufzubauen. Den einzigartigen Ruf, den die Sammlung weltweit genießt, verdankt sie aber nicht nur den historischen Stücken aus der Zeit der österreichisch-ungarischen Monarchie, sondern vor allem, dass bis heute neue Mineral-, Gesteins- und Meteoritenfunde in diese Sammlung integriert werden.
 

Die Mineralogisch-Petrographische Abteilung ist darüber hinaus aber auch eine wissenschaftliche Forschungsstätte, die mit hochtechnischen Geräten zur Bestimmung und Klassifizierung des Mineralreiches beiträgt. Ausgestattet mit einer Elektronenstrahlmikrosonde, einem Rasterelektronenmikroskop, einer Röntgendiffraktionsanalytik und einem Spektrophotometer, können viele der Meteoriten, Gesteine, Mineralien und Edelsteine im Naturhistorischen Museum analysiert und wissenschaftlich dokumentiert werden.

 

Das Staatliche Edelsteininstitut ist Anlaufstelle für Edelstein- und Schmucksteinexpertisen. Der Tätigkeitsbereich des Instituts umfaßt weiters gemmologische Grundlagenforschung und Nachwuchsbildung auf dem Sektor Edelsteinkunde. Neueste Edel- und Schmucksteinmaterialien, sowie die heute sehr zahlreich gewordenen Synthesen und Imitationen werden gesammelt, bestimmt und beschrieben.

 

 

 

:
:

Saal 1 - Mineralsystematik der Elemente und Sulfide samt deren Verbindungen


Sondervitrine: "Die Evolution der Minerale"

Auf unserem Planeten gibt es viel mehr Minerale als auf anderen Körpern im Sonnensystem. Grund dafür ist das Leben, dem mehr als die Hälfte der Minerale ihre Existenz verdanken so wie stetige Änderungen der Umweltbedingungen auf der Erde, sagt der „Entdecker“ der Mineral-Evolution, Robert M. Hazen von der Carnegie Institution in Washington D.C.

Hazen zeigte 2008 erstmals die Zusammenhänge zwischen der Neubildung von Mineralen und der Entwicklungsgeschichte der Erde auf. Die Mineralvielfalt auf der Erde ist weit größer als auf allen bisher untersuchten Planeten und Monden unseres Sonnensystems. Auf unserem Mond gibt es nach aktuellsten Schätzungen nur ca. 300 Minerale, auf dem Mars etwa 420, obwohl bisher nicht alle nachgewiesen wurden. Grund für die Vielfalt ist neben der Plattentektonik vor allem das Leben auf der Erde. Ihm verdanken über 50 % der Minerale ihre Existenz.

Ihren Ursprung nahm die Evolution der Minerale nach dem Urknall vor 13,8 Milliarden Jahren, bei dem sich als erste Elemente Wasserstoff und Helium bildeten. Bei Kernfusionen in Sternen und bei Prozessen während Sternexplosionen entstanden alle anderen chemischen Elemente. Bei Sternexplosionen blieben von Sternen nur Gaswolken übrig, die sich rasch ausbreiteten und die Elemente im Weltraum verteilten. Beim Abkühlen bildeten sich daraus die allerersten Minerale als winzige Körnchen. So entstanden die 12 Urminerale.
Die Entwicklung lief weiter – vereinfacht gesehen wurde die Erde erst „schwarz“, Magma erkaltete zu Basalt (4,55 bis 3,8 Milliarden Jahre), dann wurde sie rot vom Rost (3,8 bis 1,0 Milliarden Jahre), dann wurde sie weiß vom Eis, auch einem Mineral (1,0 bis 0,54 Milliarden Jahre), dann färbten Pflanzen sie grün (0,54 Milliarden Jahre bis heute).

Seit 5. April 2017 ist im NHM Wien dieses spannende Konzept in die Dauerausstellung integriert: Objekte aus der Erdgeschichte und 56 Minerale zeichnen im Saal 1 die gemeinsame Entwicklungsgeschichte nach.

 



Sondervitrine: "Bau- und Dekorgesteine"

Das NHM besitzt eine der größten Sammlungen von Bau- und Dekorgesteinen in Europa. Die Sammlung wurde in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts von Felix Karrer begründet und besteht aus Gesteinsproben, die beim Bau berühmter Gebäude und Monumente in Wien und Österreich verwendet wurden. Die Sammlung enthält aber auch wichtige Bau- und Dekorgesteine verschiedener Länder Europas sowie Material bedeutender antiker Bauwerke und Monumente.

Neben Dekorgesteinen, die für die Innen- und Außendekoration von Gebäuden verwendet wurden, finden sich in diesem baugeschichtlichen Archiv auch Kunstprodukte wie Stuck oder Fliesen. Weiters sind wichtige Baumaterialien wie Ziegel oder Kiese dokumentiert.
 
Von den ca. 20.000 Objekten dieser Sammlung waren bisher rund 500 Gesteinsproben in neun großen Schaukästen ausgestellt. Da die während der letzten 125 Jahre kaum veränderte Präsentation hinsichtlich Wissensvermittlung und thematischer Aufbereitung den heutigen Ansprüchen nicht mehr genügte, wurde eine Neuaufstellung geplant.

Entsprechend dem neuen Ausstellungskonzept werden vor allem Proben jener Gesteine gezeigt, die für die Außen- und Innengestaltung von Wiener Gebäuden und Denkmälern Verwendung fanden – unter besonderer Berücksichtigung der Prachtbauten der Wiener Ringstraße.

Aber auch Gesteinsproben von anderen Bauwerken und Denkmälern aus Österreich und der ganzen Welt sind zu sehen. Für die Neuaufstellung der Sammlung wurden die historischen Ausstellungsvitrinen restauriert und mit moderner LED-Beleuchtung ausgestattet.

In der neuen Präsentation wird besonderes Augenmerk auf didaktisch aufbereitete Informationen wie Texte und Bilder von repräsentativen Bauwerken gelegt.

Die Neupräsentation der Sammlung seit 11. März 2015 ist somit ein weiteres Highlight zum 150. Jubiläum des Wiener Prachtboulevards.

 


Sondervitrine (in Arbeit)

Kuratorin: Vera M.F. Hammer


Hier im Saal I entsteht bis Ende 2022 in den linken Wandvitrinen eine neue Dauerausstellung zu den Themen "Was ist ein Mineral?", "Was ist ein Kristall?".
 



Die Gemälde an den Wänden zeigen das Salzbergwerk von Wieliczka (Hugo Charlemont), die Diamantengruben von Kimberley (Othmar Brioschi), den Calvarienberg in der Adelsberger Grotte (Carl Hasch), die Goldgewinnung in der Sierra Nevada in Kalifornien (Wilhelm Bernatzik) und den Bleibergbau von Raibl (Eduard v. Lichtenfels).

Die systematische Mineraliensammlung (Mineralien geordnet nach chemischer Zusammensetzung und Kristallstruktur; in den späten 1960er Jahren nach der international gültigen Systematik von Ramdohr-Strunz und Strunz neu aufgestellt) beginnt mit der ersten Pultvitrine.
 

Aus der Mineralsystematik (Elemente, Sulfide und verwandte Verbindungen) sind besonders hervorzuheben:

Stücke von gediegen Silber von Joachimsthal (I/2), gediegen Gold von Eule (I/5), Landsbergit von Moschellandsberg (I/8), Sylvanit von Offenbanya (I/17), Tetradymit vom Ankogel (I/18), Argentit von Joachimsthal (I/21 und 22), Hessit von Botes (I/24), Bornit von Froßnitz (I/24), Millerit von Breitenau (I/63), Sternbergit von Joachimsthal (I/63), Galenit von Gonderbach und Neudorf (I/66), Stephanit (I/77), Freieslebenit von Hiendelaencina (I/81), Lorandit von Allchar (I/84) und Hauerit von Kalinka und Raddusa (1/86).

An besonderen Großobjekten sind im Saal I die in der Mittelvitrine ausgestellten Halitstufen von Wieliczka zu erwähnen, die zu den schönsten bekannten Gruppen dieser Mineralart zählen. Ebenfalls in der Mittelvitrine zu sehen ist ein 115 Kilogramm schwerer Rauchquarz von dem berühmten Fund vom Tiefengletscher in der Schweiz aus 1868; er ist einer der schwersten Kristalle dieses Fundes.

 

Eine Eisenblüte vom Steirischen Erzberg zählt zu den besten Stücken dieses Vorkommens und dieser Mineralvarietät.
Ein Calcit von Island ("isländischer Doppelspat") ist vermutlich ebenfalls einer der größten, die sich von diesem Fundbereich in musealen Sammlungen erhalten haben.

Saal 2 - Mineralsystematik der Sulfide, Halogenide, Oxide, Hydroxide, Nitrate, Jodate und Karbonate


Der Saal 2 zeigt die weitere Mineralsystematik. An den Wänden finden Sie Gemälde des Goldbergbaues von Verespatak (Rosia Montana) in Siebenbürgen (Wilhelm Bernatzik), des Erzberges bei Eisenerz in der Steiermark (Robert Russ) und des Kohletagebaues bei Dux in Böhmen (Alois Schönn).
 

Aus der Mineralsystematik sind besonders hervorzuheben:

Sellait von Brumado (II/6), Fluorit von Striegau (II/10) und Gilgit (II/14), Atakamit von Wallaroo (II/16), Chrysoberyll von Takowaja (II/33), Korund von Sri Lanka (II/33), Hämatit vom Gotthard (II/34), Perowskit von Slatoust (II/38), Bergkristall (Japaner-Zwilling) von DauphinÖ (II/46), Rutil von Pfitsch (II/65), Kassiterit von Schlaggenwald und Zinnwald (II/80 und II/66) und Brookit von der Froßnitz (II/83).


In den Seitenvitrinen, welche die Mineralsystematik ergänzen, sind zu erwähnen:

Antimonit von Shikoku (II/102), Nagyagit von Nagyag (II/103), Amethyst von Porkura (II/105), Zepterquarz von North Carolina (II/106), Bergkristalle von Nepal (II/107), Achat von Idar-Oberstein (II/108), Manganit von Ilfeld (II/109), Halit (Haarsalz) von Inowroclaw (II/131), Sylvin von Staßfurt (II/131), Fluorit von Northumberland (II/133), Calcit ("kristallisierter Sandstein") von Fontainbleau (II/135) und Aragonit von Agrigento (II/137).

Eine große Amethyst-Stufe (ausgestellt vor einer der Seitentüren), mit tief dunkelviolett gefärbten Kristallen aus der Serra do Mar in Brasilien ist ein Geschenk von Isidor Weinberger aus dem Jahre 1904.

 

 


Dauerausstellung: "Minerale Österreichs"

Der komplexe geologische Aufbau Österreichs begünstigt die Bildung unterschiedlicher Gesteine und der darin gebildeten Minerale. Dies führt dazu, dass das kleine Österreich verhältnismäßig reich an verschiedenen Erzen und Mineralen ist. Die neu gestaltete Dauerausstellung zeigt und erklärt die bedeutendsten, schönsten und interessantesten Mineralschätze des Landes.

Historische Schätze, wie etwa vom Salzabbau oder der Goldsuche, werden neben modernen Rohstoffen wie Lithium, welches im Spodumen auf der Koralpe vorkommt, oder Wolfram, das aus Scheelit im Felbertal abgebaut und gewonnen wird, präsentiert. Die Ausstellung bringt den Museumsgästen aber auch die Themen „Geologie von Österreich“ oder die „typisch österreichischen“ Minerale, wie etwa Wulfenit, an Infostationen näher.

Die ausgewählten Mineralien repräsentieren die wichtigsten Mineralfundpunkte Österreichs, aber auch bedeutende, zum Teil ehemalige, Bergbaugebiete. Nach den neun Bundesländern gruppiert, sind rund 40 Fundregionen thematisch hervorgehoben und mit durchwegs großformatigen Mineralien bestückt.

Die Renovierung der Vitrinen und deren Inhalte erfolgte sowohl auf inhaltlicher, als auch auf technischer Ebene. Die Vitrinen wurden unter Planung von Architekt DI Rudolf Lamprecht umgebaut, neu montiert und beleuchtet. Die Konzeption fand gemeinsam mit der Ausstellungskuratorin und Leiterin der Mineraliensammlung HR Dr. Vera M. F. Hammer statt, die die Vitrinen inhaltlich – Objektauswahl und Texte – völlig neu gestaltete.
Großformatige Sammlungsobjekte zeigen den Museumsgästen die bedeutendsten Minerale und deren Vorkommen in Österreich.
Zusätzlich gibt es zwei multimediale Stationen, die weitere Informationen zu den einzelnen Mineralen sowie ihrer Herkunftsorte geben.

Die Station „Geologie von Österreich“ im Saal 2 informiert über den geologischen Aufbau Österreichs. Gemeinsam mit der Geologischen Bundesanstalt wurden die verschiedenen geologischen Einheiten grafisch dargestellt. Per Knopfdruck können sich die Besucher*innen mit den verschiedenen Gesteinen und Landschaften Österreichs vertraut machen.

In der zweiten Station „Typisch österreichische Minerale“ im Saal 3 gibt es zu den einzelnen Themen, die in der Ausstellung gezeigt werden, nochmals detailliertere Angaben. Interessierte können hierbei weiterführende Bilder und Informationen zu den Mineralfundorten in Österreich erkunden.
:
:
:
:
:

Saal 3 - Mineralsystematik der Karbonate, Borate, Sulfate, Chromate, Wolframate, Arsenate, Phosphate, Molybdate und Vanadate


Der Saal 3 führt die Mineralsystematik fort. An der Längswand die Gemälde vom Hohen Goldberg in der Rauris (Leopold Munsch), vom berühmten Smaragdvorkommen in der Leckbachrinne im Habachtal (Carl Hasch) und von den Opalgruben von Dubnik (ehemals Czerwenitza) in der Slowakei (Carl Hasch) zu nennen. An den beiden Seitenwänden des Saales ist je ein Gemälde des Springquells von Rank bei Kaschau (A. Obermüller) und des "Olga" genannten Erdöl-Springquells bei Baku im Kaukasus (Wilhelm v. Leopoldski) zu sehen.
 

Aus der Mineralsystematik sind hervorzuheben:

Magnesit von Oberdorf a.d. Laming/Steiermark (III/2), Dolomit von Werfen (III/7), Azurit von Chessy, Bisbee und Tsumeb (III/24), Bastnäsit von Trimouns (III/27), Leadhillit von Tsumeb (III/27), Phosgenit von Monte Poni (III/28), Jeremejewit vom Soktuj-Gebirge (III/32), Chalkanthit von der Planet Mine (III/53), Devillin von Herrengrund (III/65), Ettringit von der N’Chwaning Mine (III/65), Krokoit von Dundas (III/66), Scheelit vom Habachtal (III/67), Wulfenit von der Red Cloud Mine (III/72), Beryllonit von Paprok (III/72), Wagnerit von Werfen (III/74), Herderit von Virgem da Lapa (III/77), Pyromorphit von Bad Ems (III/88), Mimetesit von Johanngeorgenstadt und Cobar (III/90), Huréaulith von Tacquaral (III/92), Skorodit von Tsumeb (III/93), Erythrin von Schneeberg (III/94) und Euchroit von Libethen (III/96).
 

In den Seitenvitrinen sind besonders zu erwähnen:

Baryt von Frizington (III/102), Wulfenit von Mezica (III/103), Krokoit von Beresowsk (III/103), Apatit vom Zillertal (III/107), Mimetesit von Johanngeorgenstadt (III/108), Vivianit von Anoua (III/108), Variscit von Fairfield (III/109), Epidot von der Knappenwand (III/133), Axinit von Bourg d’Oisans (III/134), Adular von St.Gotthard (III/137), Pollucit von Paprok (III/137) und Analcim von Tura/Sibirien (III/138).

 

In einer großen Glasvitrine ist eine spektakuläre Halitstufe des Vorkommens von Wieliczka (Polen) von etwa 1.000 Kilogramm zu sehen, mit Kristallen von bis 30 cm Kantenlänge.

 

Saal 4 - Mineralsystematik der Phosphate, Arsenate und Silikate; Edelsteinsammlung; Gesteinssammlung


Der Saal 4 zeigt Mineralsystematik, Edelsteine und Gesteine. Die Gemälde dieses Saales zeigen größtenteils geologische Phänomene. Neben bzw. zwischen den Gemälden befinden sich Karyatiden, allegorische Figuren, deren Embleme die wichtigsten Metalle und Mineralien repräsentieren. Erwähnenswert ist in diesem Zusammenhang, daß die Vorlagen einiger der hier dargestellten Mineralien von dem Künstler Rudolf Weyer aus der Mineraliensammlung entnommen wurden (wie z.B. Kassiterit von Schlaggenwald, Gips von Eisleben und Galenit von Neudorf).
 

Vier Pultvitrinen auf der rechten Seite dieses Saales sind der Mineralsystematik gewidmet; daraus sind an besonderen Objekten zu erwähnen:

Lirokonit von Wheal (IV/2), Phenakit vom Habachtal (IV/5), Axinit von Bourg d’Oisans (IV/5), Epidot von der Knappenwand (IV/15), Astrophyllit von Mont St. Hilaire (IV/23), Serandit von Mont St. Hilaire (IV/27), Turmalin (Achroit) von Elba und Nepal (IV/30), Schörl von Groß Meseritsch (IV/32), Kainosit vom Obersulzbachtal (IV/33), Hiddenit aus dem Alexander County (IV/38), Beryll von Acworth (IV/40), Euklas aus der Rauris (IV/57), Phlogopit von Wakefield (IV/60) und Datolith vom Habachtal (IV/72).

 

Ein kürzlich erworbener, großer "Sternmuskovit" aus Brasilien.

 


In der Saalecke rechts vorne werden einige Gelenkquarzit-Platten (Itakolumite) gezeigt, darunter auch ein Stück aus dem 18. Jahrhundert.

 

In den Seitenvitrinen dieses Saales ist die Gesteinssammlung ausgestellt. In einer systematischen Zusammenstellung werden Tiefengesteine (Plutonite), Ergußgesteine (Vulkanite), Umwandlungsgesteine (Metamorphite) und Absatzgesteine (Sedimente) von verschiedenen Vorkommen gezeigt.
 




 

Im gleichen Saal befindet sich die Sammlung von Edel- und Schmucksteinen, die zu einer der vollständigsten und wertvollsten ihrer Art auf dem europäischen Kontinent zählt. In einer Pultvitrine werden die meisten der heute bekannten Schmuckmaterialien in repräsentativen Stücken gezeigt, wobei dem Rohmaterial das Halbfabrikat, der facettierte oder mit Rundschliff versehene Stein, sowie zum Teil auch originaler Schmuck gegenübergestellt werden. In zwei gegenüberliegenden Seitenvitrinen werden größere Formate der Edelsteinsammlung gezeigt.

In den Vitrinen der Edelsteinsammlung sind hervorzuheben:

gediegen Silber von Kongsberg (IV/101), Taaffeit von Sri Lanka (IV/102), Azurit von Tsumeb (IV/107), Brasilianit von der Galilea Mine (IV/107), Türkis von Persien (IV/107), eine Almandin-Schmuckdose von Lölling (IV/110), Smaragd (Trapiche) von Muzo (IV/113), Smaragd aus dem Habachtal (IV/113), Euklas von Miami (IV/124), Brasilianit von Espiritu Santo (IV/123), Kunzit von Urupuca (IV/123), Rhodochrosit von Alma (IV/124), gediegen Silber von Kongsberg (IV/144), Topas von Mursinsk (IV/144) und "Peru" (IV/146).
 

Die wertvollsten und auch historisch bedeutsamsten Objekte der Sammlung sind in Tresorvitrinen untergebracht. An Besonderheiten seien hier erwähnt:

ein Edelopal von Czerwenitza von hervorragendem Farbenspiel, mit 594 Gramm der größte bekannte Edelopal dieses Vorkommens;

 

Diamanten verschiedener südafrikanischer Fundorte in Matrix; ein weingelbes, 82,2 Karat schweres, makelloses Diamant-Oktaeder, ebenfalls aus Südafrika

 

sowie geschliffene Diamanten aus Indien, teils gefärbt, von allerbester Qualität; ein 6,2 Kilogramm schweres Platinnugget aus dem Ural; Gold aus Siebenbürgen und ein Goldnugget aus dem Ural; kolumbianische Smaragde, von zum Teil sehr guter bis bester Qualität; ein geschliffener Alexandrit aus dem Ural, im Gewicht von 12,8 Karat, fehlerfrei und mit ausgezeichnetem Farbwandel; eine der größten Turmalingruppen der King Tourmaline Mine, Kalifornien; in Ringe gefaßte Rubine und Saphire von bester Qualität und ein 1,6 Kilogramm schwerer Aquamarin-Kristallstock aus Nepal.

 

Ferner enthält eine Tresorvitrine den berühmten, aus 761 Farbsteinen und organischen Substanzen sowie ca. 2.102 Diamanten zusammengesetzten Edelsteinstrauß, den Kaiserin Maria Theresia, Mitregentin in den Habsburgischen Erblanden, ihrem Gemahl Kaiser Franz Stephan geschenkt hatte.

 

In einer Bodenvitrine vor den Tresorvitrinen kann ein riesiger, 117 Kilogramm schwerer Edeltopas-Kristall bestaunt werden, der im Jahr 1978 in die Sammlung gelangte. Er ist einer der größten Topase aus dem durch den Riesenwuchs seiner Kristalle berühmten Pegmatit der Fazenda do Funil bei Santa Maria do Itabira in Minas Gerais, Brasilien.

 

 




 

Sondervitrinen: "Natürliche Radioaktivität, kosmische Strahlung und Lumineszenz"


Natürliche Radioaktivität
Radioaktivität wird oft negativ bewertet. Viele Menschen glauben, dass diese Art Strahlung nur künstlich erzeugt wird. Aber Radioaktivität ist aber auch Teil der Natur, und tatsächlich macht die künstliche Strahlung, der wir Menschen ausgesetzt sind, nur ungefähr ein Drittel aus. Zwei Drittel stammen aus natürlichen Quellen – meist aus dem Zerfall natürlich vorkommender radioaktiver Substanzen und aus der kosmischen Strahlung. Die Entdeckung der Radioaktivität ist einem Zufall zu verdanken - Henri Becquerel hat sich 1896 mit der Frage der Fluoreszenz von natürlichen Mineralen befasst und fand bei Uranmineralen (durch ein Fehlexperiment) eine bisher unbekannte Art der Strahlung.
 
Radioaktivität umfasst verschiedene Strahlungsarten – etwa Helium-Kerne als alpha–Strahlung, Elektronen als beta–Strahlung und elektromagnetische Strahlung als gamma–Strahlung. Diese werden beim Zerfall natürlich vorkommender instabiler Isotope, die z.B. im Inneren von Sternen gebildet werden, frei. Energiereiche kosmische Strahlung stammt von der Sonne, aber auch von entfernten Galaxien, und kann durch Wechselwirkung mit der Erdatmosphäre weitere Partikel bilden, von denen wir dauernd durchdrungen werden.
Ein Spezialdetektor in der Ausstellung zeigt diese Strahlung „live“.
Metatyuyamunit: Metatyuyamunit (gelb) mit Malachit (grün) von der Mashamba West Mine, Katanga, Demokratische Republik Kongo. Größe: 7 x 6,5 x 2,5 cm, Inv.-Nr. M 4283.
Metatyuyamunit (gelb) mit Malachit (grün) von der Mashamba West Mine, Katanga, Demokratische Republik Kongo. Größe: 7 x 6,5 x 2,5 cm, Inv.-Nr. M 4283.
Ein natürlicher Kernreaktor
Vor etwas über 2 Milliarden Jahren waren in Uranerzen im heutigen Oklo in Gabun (Westafrika) die Umweltbedingungen ideal, um natürliche Kettenreaktionen zu ermöglichen. In bisher 19 bekannten „Reaktorkernen“ liefen dort viele Millionen Jahre lang natürliche, energieproduzierende Reaktionen aus der Uran-Kernspaltung ab. Heute ist deren Strahlung fast vollständig abgeklungen, daher kann eine (sehr seltene) Probe aus Oklo im Museum gezeigt werden.

Oklo-Probe: Oklo-Probe: Bohrkern aus einem natürlichen Kernreaktor
Oklo-Probe: Bohrkern aus einem natürlichen Kernreaktor
Minerale, die im Dunklen leuchten
Die neugestaltete Vitrine zeigt eine Auswahl an Mineralen, die unter kurz- und/oder langwelliger UV-Strahlung besonders kräftig leuchten. Bei genauem Betrachten lässt sich sogar Phosphoreszenz beobachten.
 
Fotolumineszenz eines Minerals wird ausgelöst, wenn es mit hochenergetischer UV-Strahlung beleuchtet wird. Tritt dieses Leuchten während der Bestrahlung mit der UV-Lampe auf, spricht man von Fluoreszenz, leuchtet das Mineral auch noch, wenn die UV-Lampe bereits abgeschaltet ist, spricht man von Phosphoreszenz. Fluoreszierende Minerale können die für das menschliche Auge nicht sichtbare UV-Strahlung in sichtbares Licht umwandeln.
 
Dieses Phänomen des Leuchtens wurde 1852 erstmals vom britischen Physiker George Stokes bei dem Mineral Fluorit beobachtet.
 
Die häufigsten Auslöser für Fotolumineszenz sind bestimmte Metallionen, wie etwa von Mangan, Chrom, Seltenerdelementen, Kupfer, Zinn, Wolfram, Blei und Uran. Die eindrucksvollsten Fluoreszenzminerale kommen aus der Zink-Lagerstätte Franklin in New Jersey, USA. Auch in Österreich kann man fluoreszierende Mineralien finden, wie etwa das Wolframerz Scheelit.

UV-Vitrine: UV-Vitrine mit fluoreszierenden Mineralen
UV-Vitrine mit fluoreszierenden Mineralen



 

Temporäre Sonderschau: "Jakob Friedrich van der Nüll"


Jakob Friedrich van der Nüll (1750 Köln - 1823 Wien) entstammte einer Kölner Kaufmannsfamilie, die sich um 1781 in Wien ansiedelte. Er wurde zunächst Oberbuchhalter im Bank- und Großhandelshaus Johann von Fries & Co. Später lernte er die Großhändler Philipp und Ignaz von Schwab kennen und wurde 1787 Gesellschafter dieses Familienbetriebes.

 

Das Sammeln von Mineralien war vom 19. bis zum Beginn des 20. Jahrhunderts im Bildungs- und Wirtschaftsbürgertum weit verbreitet. Jakob Friedrich van der Nüll war eine der berühmtesten privaten Sammlerpersönlichkeiten. Er machte sich durch seine phantastischen Kollektionen an literarischen Werken, zeitgenössischer Druckgrafik und Conchylien in der damaligen Wiener Bourgeoisie einen Namen.


Seine Mineraliensammlung wurde von Zeitgenossen als die schönste und die bedeutendste im deutschsprachigen Raum gerühmt. Grund dafür sind unter anderem die große Anzahl an Goldstufen, Silber- und Tellurmineralien, sowie eine stattliche Anzahl an Diamanten.

Im Jahr 1827 wurden aus der Verlassenschaft Van der Nüll's insgesamt 5.065 Mineralien vom k. k. Hof-Mineralienkabinett um 18.000 Gulden angekauft.

Eine Vielzahl dieser Mineralien ist auch heute noch in die ständige Schausammlung integriert.

 

Im Lauf der Zeit geriet Jakob Friedrich van der Nüll in Vergessenheit oder wurde oft mit seinem weitaus bekannteren, vermeintlichen Sohn, Eduard van der Nüll (1812-1868), dem Architekten der Wiener Staatsoper, verwechselt.

 

 





 

Ausgewählte Objekte

Hessit auf Quarz - Botes bei Zalathna, Siebenbürgen, Rumänien. Größe der Stufe etwa 8 x 3 cm, Inv.-Nr. D 15. 
Der stark gelängte und teils arrondierte größte Kristall der abgebildeten Stufe ist fast 4 cm lang. Er zählt damit sicher zu den größten Individuen                                                dieser Mineralart und ist somit auch eines der bedeutendsten Stücke dieser Sammlung. Die Hessit-Kristalle (Hessit ist eine                                                Silber-Tellur-Verbindung) sind auf einem Quarzkristallrasen aufgewachsen.
Hessit auf Quarz - Botes bei Zalathna, Siebenbürgen, Rumänien. Größe der Stufe etwa 8 x 3 cm, Inv.-Nr. D 15. Der stark gelängte und teils arrondierte größte Kristall der abgebildeten Stufe ist fast 4 cm lang. Er zählt damit sicher zu den größten Individuen dieser Mineralart und ist somit auch eines der bedeutendsten Stücke dieser Sammlung. Die Hessit-Kristalle (Hessit ist eine Silber-Tellur-Verbindung) sind auf einem Quarzkristallrasen aufgewachsen.
Antimonitkristall (31,5 cm lang) von der Ichinokawa Mine, Shikoku, Japan (II/102). Inv.-Nr. D 239. 
Die Antimonitkristalle von dieser Mine erreichen enorme Dimensionen - prismatische Kristalle bis zu mehreren Dezimeter Länge existieren.
Antimonitkristall (31,5 cm lang) von der Ichinokawa Mine, Shikoku, Japan (II/102). Inv.-Nr. D 239. Die Antimonitkristalle von dieser Mine erreichen enorme Dimensionen - prismatische Kristalle bis zu mehreren Dezimeter Länge existieren.
Aragonit ("Eisenblüte") - Erzberg bei Eisenerz, Steiermark. Größe der Stufe 40 x 32 cm, Inv.-Nr. A.a. 7339. 
Die bizarr verästelte Form des Aragonits zählt zu den attraktivsten Objekten in einer Sammlung. Das Stück stammt vom steirischen Erzberg bei Eisenerz aus Klüften des Spateisensteins (Siderit).
Aragonit ("Eisenblüte") - Erzberg bei Eisenerz, Steiermark. Größe der Stufe 40 x 32 cm, Inv.-Nr. A.a. 7339. Die bizarr verästelte Form des Aragonits zählt zu den attraktivsten Objekten in einer Sammlung. Das Stück stammt vom steirischen Erzberg bei Eisenerz aus Klüften des Spateisensteins (Siderit).
Wulfenit - Red Cloud Mine, La Paz County (ehemals Yuma Co.), Arizona, USA. Der Kristall mißt 2,7 x 2,2 cm, Inv.-Nr. D 4982.
Wulfenit - Red Cloud Mine, La Paz County (ehemals Yuma Co.), Arizona, USA. Der Kristall mißt 2,7 x 2,2 cm, Inv.-Nr. D 4982.
Hämatit - St. Gotthard, Schweiz. Größe der Stufe 9 x 6 cm, Inv.-Nr. A.h. 953. 
Die Hämatite in den Klüften der Alpen sind nicht selten zu ästhetischen Gruppen verwachsen. Als Besonderheit sind die rosettenförmig verwachsenen Hämatitblättchen bekannt, die auch unter dem Namen "Eisenrose" geläufig sind.
Hämatit - St. Gotthard, Schweiz. Größe der Stufe 9 x 6 cm, Inv.-Nr. A.h. 953. Die Hämatite in den Klüften der Alpen sind nicht selten zu ästhetischen Gruppen verwachsen. Als Besonderheit sind die rosettenförmig verwachsenen Hämatitblättchen bekannt, die auch unter dem Namen "Eisenrose" geläufig sind.
Mimetesit - Johanngeorgenstadt, Sachsen, Deutschland. Größe der Kristallgruppe: 2,3 x 2 cm, Inv.-Nr. A.c. 998.
Mimetesit - Johanngeorgenstadt, Sachsen, Deutschland. Größe der Kristallgruppe: 2,3 x 2 cm, Inv.-Nr. A.c. 998.
  
Online-Tickets