gustav tschermak von seysenegg (1836-1927)

Geboren am 19. 4. 1836 in Littau bei Olmütz, als Sohn des Steuerbeamten Ignaz Czermak. Nach dem Schulabschluß in Olmütz begann Tschermak seine zunächst mathematisch-chemisch ausgerichteten Studien an der Universität Wien, die er mit der Lehramtsprüfung abschloß. Seine mineralogischen Studien beendete er an den Universitäten in Heidelberg und Tübingen mit dem Doktorat. Wieder in Wien, habilitierte er sich als Privatdozent für die Fächer Mineralogie und Chemie.

 

1862 wurde Tschermak zum 2. Kustosadjunkten am k.k. Mineralogischen Hof-Cabinet ernannt. 1867 wurde er zum 1. Kustosadjunkten bestellt. Nach dem Tod von Direktor Hoernes übernimmt Tschermak 1868 die Leitung des Cabinets. Kurz zuvor wurde er außerordentlicher Professor der Petrographie an der Universität Wien.

 

Tschermak war wesentlich für die genaue Inventaraufnahme im k.k. Mineralogischen Hof-Cabinet verantwortlich, die dann in vorbildlicher Weise von Rudolf Koechlin weitergeführt wurde und auch noch heute praktiziert wird. Eines seiner weiteren Verdienste um das Cabinet war die systematische Ausweitung der Meteoritensammlung.

1873 wird Tschermak zum ordentlichen Professor der Mineralogie und Petrographie an der Universität Wien ernannt (heute Institut für Petrologie). Im Jahr 1875 wird er zum ordentlichen Mitglied der kaiserlichen Akademie der Wissenschaften in Wien gewählt, der er schon seit 1866 als korrespondierendes Mitglied angehörte.

Aufgrund seiner intensiven Beschäftigung an der Universität scheidet Tschermak 1877 aus dem k.k. Mineralogischen Hof-Cabinet aus.

 

Tschermaks vielseitiges wissenschaftliches Werk umfaßt mineralogische Arbeiten, Untersuchungen an Gesteinen und eine Anzahl von Arbeiten an Meteoriten. Er war der erste Präsident der 1901 gegründeten Wiener Mineralogischen Gesellschaft (heute: Österreichische Mineralogische Gesellschaft). Er stirbt am 24. 5. 1927. Das Amphibol-Mineral Tschermakit wurde zu Ehren von Tschermak benannt.

 

Wir verweisen auf einen ausführlichen Nachruf.