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Rettungsgrabung in Mannersdorf an der March, NÖ


Schon in den 1990er Jahren wurde beim Neubau von Häusern zwischen Mannersdorf und Angern ein Siedlungsplatz entdeckt, der von der Jungsteinzeit bis in die Frühgeschichte genutzt wurde. Die Rettungsgrabungen wurden schon damals von der Prähistorischen Abteilung des Naturhistorischen Museums unter der Leitung von Dr. Anton Kern durchgeführt.
Durch die Aufschließung des Gebietes auf der Seite westlich der B49 wurden weitere Untersuchungen zum Verlauf dieses Siedlungsgebietes möglich. Bei den seit 2017 in Zusammenarbeit mit der Firma ARDIG (Grabungsleiter HR Dr. Anton Kern und Dr. Walpurga Antl; Koordination ARDIG Mag. Susanne Baumgart) laufenden Ausgrabungen wurden neben den Siedlungsresten auch eine Reihe von Gräbern und eine Mehrfachbestattung aus der frühen Bronzezeit freigelegt. Weitere Arbeiten 2020 tragen zur Klärung der Situation bei.
 
Die bisherigen Grabungen wurden von der Gemeinde Angern, dem Bundesdenkmalamt und dem Land Niederösterreich finanziert.
Das Gebiet liegt für eine Siedlung recht günstig, da es zwar nahe bei der March, aber gerade hoch genug liegt, um vom Hochwasser nicht mehr erreicht zu werden. Hausgrundrisse aus der Jungsteinzeit, der späten Bronzezeit und Hallstattkultur sowie der Latènekultur und der Frühgeschichte lagen dicht beieinander. Besonders hervorzuheben ist eine spätbronzezeitliche Grube mit großen Teilen von Tierkadavern (Schwein/Wildschwein bzw. Hund/Wolf). Unter den Tierresten lagen zahlreiche Bruchstücke von Vorratsgefäßen. In einer weiteren Grube dieser Zeit lag eine größere Menge verkohlten Getreides. Auch ein Töpferofen der Latènekultur befand sich auf diesem Areal.

Herausragend waren aber die Inventare zweier Gruben der Hallstattkultur. Unter den besonders zahlreichen Gefäßbruchstücken befanden sich mehrere fast vollständige Gefäße mit Graphitbemalung und andere qualitativ hochwertige Keramik. Erwähnenswert ist auch ein Mondidolbruchstück mit plastischen Tieraufsätzen, Spinnwirtel und ein Webgewichtsbruchstück. Einen Einblick in die Ernährung geben neben den wenigen Tierknochen dieser Gruben auch verkohlte Eichelreste und der verkohlte Kern von Kirsche oder Schlehe sowie zahlreiche Fischschuppen und einige Muscheln. Im Westen der Grabungsfläche durchzieht ein doppelter Graben von Nord nach Süd das Gelände. Die Datierung des Grabens ist aufgrund der wenigen Funde daraus aber noch nicht sicher.
  
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