sammlung ältere eisenzeit

Ab ca. 800 v. Chr. beginnt eine neue große Kulturepoche in Mitteleuropa: die Eisenzeit. Eisen wird nun zum wichtigsten Metall für die Herstellung von Werkzeugen, Geräten und Waffen. Der Ackerbau wird intensiviert und der Handel wird über den ganzen Kontinent, sogar bis nach Afrika und Asien  erweitert. Es entstehen Orte, die zu gesellschaftlichen, kulturellen und religiösen Zentren in ihren Regionen aufsteigen. Benannt nach dem oberösterreichischen Fundort Hallstatt, den die Prähistorische Abteilung in über hundertjähriger Tradition noch heute wissenschaftlich erforscht, ist dieser Abschnitt der Geschichte Mitteleuropas auch als Hallstattkultur bekannt.

 

Ansprechperson: HR Dr. Anton Kern


Die Sammlung Ältere Eisenzeit des Naturhistorischen Museums umfasst Zeugnisse aus allen hallstattzeitlichen Kulturgruppen Zentraleuropas. Eines der bekanntesten Objekte der Sammlung ist der Stier von Býčí skála, einer Höhle im Mährischen Karst in Tschechien nahe Brno. Nach derzeitiger Interpretation ist diese Höhle zwischen dem 7. und dem 5. Jahrhundert v. Chr. als Opferplatz genutzt worden. Unter den geopferten Gegenständen fanden sich neben etwa 40 menschlichen Skelettteilen ganze Wagen, Schmuck aus Bronze, zahlreiche Perlen und Bronzegefäße. Die berühmte Stierstatuette von Býčí skála wurde im 5. Jahrhundert v. Chr. gefertigt. Sie besteht aus Bronze und hatte auf Stirn, Schulter und entlang der Rückenlinie Einlagen aus Eisen.
Herausragende Zeugnisse der Keramikherstellung dieser Zeit sind die figural verzierten Kegelhalsgefäße von Sopron. Sie  wurden zerbrochen in einem Grab gefunden und konnten fast vollständig wieder zusammengesetzt werden. Auf einem Kegelhalsgefäß sind menschliche Figuren dargestellt, wie sie uns auf Keramik der Hallstattkultur immer wieder begegnen. Die Frauenfiguren mit den dreieckförmigen Körpern und nach oben gestreckten Armen werden als Darstellungen weiblicher Schicksalsgöttinnen gedeutet. Eine der drei Göttinnen hält eine Spindel in der Hand, sie spinnt den Lebensfaden. Eine zweite steht vor einem Webstuhl und webt das Leben. Das Bruchstück, auf dem das Werkzeug der Dritten dargestellt war, ist leider verloren. Vermutlich hielt sie eine Schere oder ein Messer in der Hand, womit sie den Lebensfaden durchtrennte.
Der größte Teil der Funde aus dem berühmten Gräberfeld von Hallstatt befindet sich in dieser Sammlung, darunter auch ein Dolch mit einem Griff aus Gold und vergoldeter Dolchscheide, sowie ein Schwert mit Elfenbeinknauf, verziert mit Bernsteileinlagen. Die jüngsten Grabungen der Abteilung ergänzen die Sammlung um weitere Kunstwerke, aber auch um Arbeitsmaterialien und Werkzeuge der Hallstätter Salzbergleute. Ein besonders schönes Zeugnis der Bronzekunst wurde im Jahr 2010 im Gräberfeld von Hallstatt gefunden: Ein Schöpfgefäß aus dem 6. bis 5. Jahrhundert v. Chr., das mit feinen Ornamenten und einem Griff in Form zweier unterschiedlich großer Rinder versehen ist. Die Kuhfigur zeigt auf beiden Körperseiten die klassischen Ritualsymbole wie Swastiken, Kreise und doppelte Vogelbarken, ausgeführt als Eisenintarsien im Bronzekorpus.