vogelsammlung

Die Vogelsammlung am Naturhistorischen Museum Wien ist die einzige öffentliche Forschungsinstitution in Österreich, die ausschließlich dieser Tiergruppe gewidmet ist. Ihre Sammlungsbestände sind international anerkannt und zählen zu den bedeutendsten der Welt. Den wissenschaftlichen Sammlungen angeschlossen sind vier Schausäle, in denen der Besucher ein Viertel aller beschriebenen Vogelarten der Erde sehen kann.

Die historisch gewachsene Sammlung umfasst ein unschätzbar wertvolles und unersetzliches Erbe an Naturdokumenten, deren Erhaltung und Erweiterung, Dokumentation und Erschließung ein übernationales Anliegen ist. Daraus ergibt sich ein hohes Maß an Verantwortlichkeit für die Erhaltung und sachkundige Verwaltung der Sammlung.

 

Das Material, zusammen mit seinen zugehörigen Sammlungsdaten, bildet den Ausgangspunkt für eine Vielzahl von wissenschaftlichen Auswertungen, die von der Grundlagenforschung bis hin zu angewandten Bereichen und Fragen des Naturschutzes führen. Neben dem naturwissenschaftlichen Kernbereich ergeben sich als weitere wesentliche Aufgaben auch Aspekte der Wissenschaftsgeschichte, der biographischen und soziokulturellen Forschung.

 

Im Bereich der Schausammlung sollen Ziele der Wissensverbreitung unter Berücksichtigung didaktischer und ästhetischer Gesichtspunkte umgesetzt werden, wobei der Schwerpunkt auf der Darstellung des Artenreichtums (Biodiversität) und seiner systematischen Ordnung liegt. Dieser für den gesamten Schaubereich des Hauses einheitliche Ansatz ermöglicht einen universellen Zugang unter ganzheitlicher oder spezialisierter Betrachtungsweise.

Der Erfüllung des Bildungsauftrages wird unter anderem auch durch die Gestaltung von Sonderausstellungen, populärwissenschaftliche Publikationen und Vorträge Rechnung getragen.
 

die wissenschaftliche sammlung

Die wissenschaftliche Vogelsammlung gliedert sich in mehrere mehr oder weniger vernetzte Bereiche und umfaßt >130.000 Objekte.

Die Balgsammlung

Schon seit dem frühen 19. Jahrhundert (etwa SWAINSON 1836) wurde empfohlen, anstelle der naturgetreuen Aufstellung in Form von Stopfpräparaten die platzsparende, wissenschaftliche Untersuchungen und Messungen erlaubende, Präparationsform des Vogelbalges für Museumssammlungen anzuwenden.
Der Bestand umfasst derzeit rund 95.000 Bälge, die nach dem Gesichtspunkt der natürlichen Verwandtschaft systematisch geordnet in Laden aufbewahrt werden. Ordnungseinheit ist die geographische Unterart (Subspecies). Sie dient als Arbeits- und Vergleichssammlung für alle laufenden Arbeiten an der Sammlung und steht Gästen aus dem In- und Ausland für deren wissenschaftliche Arbeiten nach Maßgabe der Arbeitsplätze zur Verfügung.

 

Grundsätzlich ist die Sammlung weltweit ausgerichtet, bestehende geographische Sammlungsschwerpunkte verstehen sich aus der historischen Entwicklung und umfassen die gesamte Paläarktis, Zentral- und Südafrika,  den Nahen Osten, Südostasien und Neuseeland, sowie Mittel- und Südamerika mit Schwerpunkt Brasilien.
Ihr besonderer Wert liegt auch in der hohen Anzahl von Typen (> 1.000), dem beträchtlichen Anteil mittlerweile ausgestorbener Formen, historischen Aufsammlungen inzwischen erloschener Vorkommen und der Existenz aussagekräftiger und umfassender Serien gut datierten Materials. Von vielen berühmten Sammlern liegen bedeutende Belege vor, wie von J. NATTERER, C. v. HÜGEL, Th. HEUGLIN, A. REISCHEK, V.R. v. TSCHUSI, R. GRAUER, A.B. MEYER, O. FINSCH, G. SCHIEBEL u.v.a. Der jährliche Zuwachs durch Neueingänge liegt bei bis zu etwa 500 Stück.

Die Sammlung der Stopfpräparate

Sie umfasst >10.000 Stopfpräparate, die großteils im Tiefspeicher untergebracht sind. Ihre besondere Bedeutung liegt sowohl in der Vielzahl historisch wertvoller Präparate als auch in dem Bestand ästhetischer und didaktisch wesentlicher Exponate, die (soweit kuratorisch vertretbar) für Sonderausstellungen herangezogen werden. Rund 25% davon sind in der Schausammlung öffentlich zugänglich. Die jährlichen Neuzugänge sind vergleichsweise gering und werden fast ausschließlich zum Ersatz weniger geeigneter Stücke der Schausammlung verwendet.

Die Skelettsammlung

Der Bestand umfasst >11.000 vorwiegend westpaläarktische Objekte. Der jährliche Zuwachs durch Neueingänge liegt bei rund 300 Skeletten. Die Sammlung ist eine der größten Europas und ihr besonderer Vorzug liegt in ihrer großen Bandbreite systematischer Gruppen, ihrer durchgängig guten Dokumentation und den ausgedehnten Serien einzelner Taxa.

Die Eiersammlung

Die Sammlung mit westpaläarktischem Schwerpunkt umfasst etwa 10.000 Gelege. Bedeutend ist sie vor allem als Vergleichssammlung für faunistische- und Naturschutzfragen. Die Anzahl der Neuzugänge ist vergleichsweise gering.

Die Gewebeproben-Sammlung

Ziel ist, von allen Neueingängen Gewebeproben zu archivieren. Derzeit umfasst die Sammlung etwa 2500 Proben.

Die Nestersammlung

Über 1.000 Nester geben einen Überblick über dieses noch wenig erforschte Gebiet.

Die Rupfungssammlung

Diese Spezialsammlung umfasst ca. 4.500 sogenannte "Rupfungsblätter" für 350 vorwiegend paläarktische Taxa. Der Bestand setzt sich im Wesentlichen aus den Donationen H. LAUERMANN, M. GANSO und I. HÜNI-LUFT zusammen. Rupfungsblätter sind große Papierbögen auf denen  Einzelfedern in standardisierter und sehr arbeitsaufwendiger Form angeordnet und aufgeklebt sind. Die Rupfungssammlung ist von internationaler Bedeutung und hat sich in vieler Hinsicht als unverzichtbar erwiesen.

Die Varia-Sammlung

Sie umfasst verschiedene Bereiche wie Teilpräparate (Zungenbeine, Gehörknöchelchen), Eischalen, Schliffe, Magenkiesel und ähnliches.

Bestandsnachweis

Etwa 30% der Sammlungen ist digitalisiert und einer Revision unterzogen.

Die weitere datentechnische Erfassung ist eine vordringliche Aufgabe, sowohl um die wissenschaftliche Arbeit zu unterstützen, als auch um die zahlreichen Anfragen ökonomisch beantworten zu können. 

Die Anzahl der wissenschaftlichen Publikationen (eigene und gemeinschaftliche) steigt ebenso stetig, wie die allgemeinen Anfragen, die zeitnah und qualifiziert beantwortet werden.
Darüber hinaus betreut die Vogelsammlung bis zu 500 Gäste jährlich, wickelt den wissenschaftlichen Leihverkehr ab, führt die Fachbibliothek, unterstützt Ausstellungen und hält Führungen und Vorträge.