hallstatt
 
 

Konservierung und Restaurierung der Bergwerks-Textilien

Die für die Forschung so bedeutenden Textilfunde aus dem Hallstätter Bergwerk sind bei ihrer Auffindung in der Regel fest mit dem Heidengebirge verbunden. Zum Herauslösen der Gewebe aus dem festen Material wurden in der Vergangenheit unterschiedliche Techniken angewandt. Auch hinsichtlich der Lagerung gab es in den über 160 Jahren Forschung an den Hallstatt-Textilien unterschiedliche Lösungen. Die heutigen Freilegungs-, Reinigungs-, Transport- und Lagerungsmaßnahmen beruhen auf Forschungsergebnissen, die zusammen mit dem Institut für Konservierungswissenschaften der Universität für angewandte Kunst, Wien, erzielt werden konnten.

Behandlung der Textilien in der Frühzeit der Hallstatt-Forschung
Konservierungstechniken 1960-1984
Behandlung nach Fundbergung seit 1985
Erforschung neuer Reinigungs- und Transportmaßnahmen
Aufbewahrung der Textilien von 1968-2003
Neues Lagerungskonzept
 

Behandlung der Textilien in der Frühzeit der Hallstatt-Forschung

Im 19. und zu Beginn des 20. Jahrhunderts wurden jene Gewebe, die im Bergwerk gefunden wurden, teils gewässert, teils im Auffindungszustand als Heidengebirgsklumpen belassen. Von einigen ausgewässerten Textilfragmenten wurden zu Beginn des 20. Jahrhunderts kolorierte Kartonabdrücke auf einer damals allgemein üblichen Kopierpresse angefertigt. Im Zuge restauratorischer Eingriffe in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts wurden einige Stücke offenbar auch mit Festigungsmitteln behandelt.
 

Konservierungstechniken 1960-1984

Ein Teil der Altfunde sowie die Stücke der Ausgrabungen von 1960 bis 1984 wurden von Hans-Jürgen Hundt im Römisch-Germanischen Zentralmuseum konserviert. Die Gewebe wurden ausgewässert. Hundt benützte zur Reinigung der von ihm publizierten Stücke auch handelsübliches Waschmittel sowie diverse Festigungsmittel. Als Textilpionier entwickelte Hundt neue Aufbewahrungsformen für die Stoffe. Die staubdichte Montage der Stücke zwischen zwei Glasscheiben und gehalten durch Plexiglaswürfel geht auf ihn zurück.
 

Behandlung nach Fundbergung seit 1985

Seit 1985 wurden die Textilien durch Waschen und Spülen vor Ort in Hallstatt mit Frischwasser aus den Heidengebirgsbrocken gelöst. Die meisten Stücke wurden anschließend nach der Überführung ins Naturhistorische Museum mit der von Hundt eingeführten Methode unter Wasser mit einem Wasserstrahl nachgereinigt.
 

Erforschung neuer Reinigungs- und Transportmaßnahmen

Während der Grabungsjahre 2003 und 2004 wurden im Zuge einer Diplomarbeit an der Universität für Angewandte Kunst, Institut für Konservierungswissenschaften, von Carine Gengler (2005) neue Reinigungs- und Transportvarianten erarbeitet. Die Nassreinigung - eingenäht in ein Stützgewebe - ist dringend notwendig, um das schädigende Salz und andere Auflagerungen zu entfernen. Daran anschließend werden die Textilien in nassem Zustand ausgelegt und dabei die Fäden in ihre wohl ursprüngliche Position zurückgebracht.
 

Aufbewahrung der Textilien von 1968-2003

Die Aufbewahrung der Textilien ist ebenfalls in ihrer langen Fundgeschichte (ab 1846) höchst unterschiedlich. Einige Stücke wurden ab 1968 für die Dauerausstellung im Naturhistorischen Museum (bis 2009) vertikal an eine papierbespannte Weichfaserplatte genadelt und waren sowohl instabilem Klima als auch wechselnder Beleuchtung ausgesetzt. Andere Gewebe sind etwa in Glasvitrinen in der Forschungs- und Versuchsanstalt der Salinen Austria in Hallstatt am Gang bei Tageslicht und Kunstlicht ausgestellt.

Der Großteil der nicht ausgestellten Gewebe ist im Depot des Naturhistorischen Museums Wien untergebracht. Bis in die 1980er Jahre wurden die Textilien im Schausaal unterhalb der Vitrinen in Holzschubladen gelagert. Nach der Bearbeitung von Hundt wurden sie im Vorraum der Restaurierwerkstatt in einem Metallschrank verwahrt. 1998 wurden sie mit dem Schrank in den klimatisierten Tiefspeicher des Naturhistorischen Museums übersiedelt.
 

Neues Lagerungskonzept

Ein neues, ab 2003 von Carine Gengler erarbeitetes Lagerungskonzept besteht darin, für jedes einzelne textile Fragment ein eigenes, mit Inventarnummern versehenes Tableau anzufertigen, auf dem es sowohl gelagert als auch ausgestellt und transportiert werden kann. Diese Tableaus bestehen aus säurefreiem, atmungsaktivem Museumskarton, der als weiche Zwischenlage mit Molton und schließlich mit Baumwollstoff überzogen wurde.
 
(Grömer, K. – Reschreiter, H. – Löw, C.)
 
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Universität für angewandte Kunst Wien

Die Universität für angewandte Kunst, kurz „die Angewandte“, in Wien ist eine Hochschule für Bildende und Mediale Kunst, Architektur und andere angewandte Künste wie Grafikdesign, Industriedesign oder Modedesign. > mehr