Berichte des BMUKK

Aus dem Newsletter 2/13 des BMUKK zur Provenienzforschung im NHM:

http://bmukk-kunst-kultur.at/index.php?year=2013&nl=02&bt=105

 

Provenienzforschung im NHM

Die bei der Kommission für Provenienzforschung beschäftigten Forscherinnen und Forscher haben die Aufgabe, die Herkunft der Sammlungsobjekte der Bundesmuseen unter den Aspekten des Kunstrückgabegesetzes auf VoreigentümerInnen und mögliche NS-Entziehungen zu untersuchen.

Die Historikerin Dr. Claudia Spring ist seit November 2008 im Auftrag der Kommission für Provenienzforschung im Naturhistorischen Museum Wien (NHM) tätig, die Kunsthistorikerin Mag. Lisa Frank seit Jänner 2014.

 

Im NHM werden etwa 25 Mio. Objekte zur wissenschaftlichen Nutzung aufbewahrt. Bisher beschloss der Kunstrückgabebeirat in sechs Fällen die Rückgabe von Objekten aus der zoologischen, mineralogischen, geologischen und prähistorischen Abteilung sowie der Vogel- und der Fischsammlung. Derzeit ist die Rückgabe von Objekten aus der Abteilung Archiv für Wissenschaftsgeschichte an die RechtsnachfolgerInnen von Dr. Ernst Moriz Kronfeld in Vorbereitung. (vgl. http://www.nhm-wien.ac.at/forschung/provenienzforschung)

 

Gegenwärtiger Arbeitsschwerpunkt ist die Provenienzforschung in den neun Abteilungs- und 17 Sammlungsbibliotheken des NHM, in denen sich insgesamt mehr als 500.000 Titel befinden. Die systematische Sichtung der Bestände der Anthropologischen Bibliothek (17.000 Titel) konnte bereits abgeschlossen werden, Dossiers für den Kunstrückgabebeirat sind in Vorbereitung. Die Bestände der Zoologischen Hauptbibliothek (5.500 Titel) werden derzeit untersucht. Danach werden die Arbeiten in den anderen Bibliotheken weitergeführt werden.

 

Künftige Aufgaben für die Provenienzforschung im NHM sind die Ergänzung der bis 2001 erstellten Provenienzberichte und der Erwerbungen von 1938 bis 1945 mittels Recherchen in zusätzlichen Quellenbeständen, die systematische Provenienzforschung in allen Abteilungen und Sammlungen zu den Erwerbungen von 1933 bis 1938 und seit 1945 sowie die Schaffung von Voraussetzungen in den Inventarsystemen des NHM in allen Abteilungen, Sammlungen und Bibliotheken zur Dokumentation der Ergebnisse der Provenienzforschung. Notwendig sind auch grundlegende Forschungen zum NHM und seinen AkteurInnen in der NS-Zeit und danach, da diesbezüglich sehr große Forschungslücken bestehen.

 

 

Aus dem Kulturbericht des Bundesministeriums für Unterricht, Kunst und Kultur 2012

http://www.bmukk.gv.at/medienpool/25050/bmukk_kulturbericht_2012_web.pdf

Die Ende 2011 begonnene Recherche in der Anthropologischen Bibliothek des NHM konnte Ende 2012 abgeschlossen werden. Zu diesem Zeitpunkt umfasste die Bibliothek 17.000 Signaturen. (Zur Sammlungspolitik der Bibliothek wird im Jahr 2013 ein Beitrag in den Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs erscheinen.) Sämtliche seit dem Jahr 1933 in die Bibliothek aufgenommenen, vor 1946 erschienenen, Monografien und Separata wurden ‚autopsiert’ und die für die Provenienzforschung relevanten Informationen in einer internen Datenbank vermerkt. Weiters ergaben sich 2012 zahlreiche Möglichkeiten zum Informationsaustausch mit anderen Provenienzforscherinnen und Provenienzforschern, sowohl durch fachspezifische Tagungen in Salzburg und Graz als auch durch die Mitarbeit an einem Personenlexikon der Provenienzforschung
 

Aus dem Kulturbericht des Bundesministeriums für Unterricht, Kunst und Kultur 2011

http://www.bmukk.gv.at/kultur/bm/kulturbericht_2011.xml

Die Provenienzforschung des NHM verfertigte fünf Dossiers zu Objekten aus dem ehemaligen Besitz von Dr. Ernst Moriz Kronfeld (1865-1942) ab. Drei davon betrafen das NHM, jeweils eines die Bundesgärten Schönbrunn bzw. die Schloss Schönbrunn Kultur- u. Betriebs-GesmbH. Darüber hinaus wurde mit einer Provenienzforschung der neun Abteilungs- und 17 Sammlungsbibliotheken des NHM begonnen. Die systematische Erhebung der Quellen zu den einzelnen Bibliotheken konnte im Herbst beendet werden. (Vgl. dazu: Bruno Bauer et al. (HgIn), NS-Provenienzforschung an österreichischen Bibliotheken. Anspruch und Wirklichkeit, Graz 2011, S. 425-440.) Aufgrund der guten Quellenlage wurde mit den Recherchen in der Anthropologischen Bibliothek begonnen, die 2012 fortgeführt werden.

 

Aus dem Kulturbericht des Bundesministeriums für Unterricht, Kunst und Kultur 2010

http://www.bmukk.gv.at/kulturbericht2010

Das Dossier zur Causa Friess wurde dem Kunstrückgabebeirat zur Kenntnisnahme vorgelegt. Die im Zuge nationalsozialistischer Verfolgung geraubten Möbel und Kunstgegenstände von Eugenie Friess und ihrem Sohn Dr. Jan (Hans) Friess waren 1944 zur Aufbewahrung im NHM vorgesehen. Die Recherchen ergaben, dass ihnen diese Objekte im Zuge eines 1947 abgeschlossenen Rückstellungsverfahrens von der Finanzlandesdirektion für Wien - bis auf ein Bild - zurückgegeben worden waren. Dieses Bild (lt. Bergungsgutachten löchrig und in schlechtem konservatorischem Zustand) ist zwar im Rückgabebescheid, nicht aber in der Übernahmebestätigung aufgelistet, sein weiterer Verbleib kann nicht mehr geklärt werden.

Die umfangreichen Recherchen zu Objekten des bedeutenden Botanikers und Kulturjournalisten Dr. Ernst Moriz Kronfeld (1865-1942) wurden abgeschlossen, folgende fünf Dossiers können 2011 fertig gestellt werden: Dossier zu 1988 vom NHM aus dem Kunsthandel erworbenen Pflanzendarstellungen; Dossier zur so genannten Sammlung Kronfeld, bestehend aus alphabetisch geordneten Konvoluten mit biographischen Informationen (u.a. über BotanikerInnen); Dossier zu Herbarbelegen Dr. Kronfelds; Objekte in den Bundesgärten Schönbrunn und der Schloss Schönbrunn Kultur- und Betriebsgesellschaft.
Im Zuge der Neugestaltung der Website des NHM nahm Dr.in Spring an einer EDV-Schulung teil und wird, wie bisher, die Informationen zur Provenienzforschung unter www.nhm-wien.ac.at/forschung/provenienzforschung warten.

 

Aus dem Kulturbericht des Bundesministeriums für Unterricht, Kunst und Kultur 2009

http://www.bmukk.gv.at/kultur/bm/kulturbericht_2009.xml

Entsprechend der Empfehlung des Kunstrückgabebeirats wurde den RechtsnachfolgerInnen von Moritz Rothberger am 15. Juni 2009 das Antennenschwert (antenna-sword, Inv. Nr.70.132) übergeben.

In der Sitzung vom 11. September 2009 behandelte der Beirat die Dossiers zu Walter Hersch und Gertrude/Max Zarfl. Da deren geologische Objekte nicht gesondert inventarisiert, sondern lediglich den damals vorhandenen Sammlungen vergleichbarer Objekte beigelegt worden waren und daher heute nicht mehr identifizierbar sind, hielt es der Kunstrückgabebeirat für angezeigt, deren Nachkommen zu kontaktieren und ihnen die Übereignung von einzelnen Stücken aus den nach ihrer Art gleichwertigen Tranchen anzubieten.

Das Dossier zu Kunstgegenständen von Eugenie und Dr. Jan (Hans) Friess, die zur kriegsbedingten Bergung im NHM vorgesehen waren, ist fertig gestellt.

Die umfangreichen Recherchen zu 1988 vom NHM aus dem Kunsthandel erworbenen Pflanzendarstellungen aus dem Besitz von Dr. Ernst Moriz Kronfeld wurden weitgehend abgeschlossen. Sie erfolgten in enger Kooperation mit den ProvenienzforscherInnen der Österreichischen Nationalbibliothek und des Wien Museums, wo der Kunstrückgabebeirat bereits die Rückgabe von Objekten von Dr. Ernst Moriz Kronfeld empfohlen hat, sowie den Provenienzforscherinnen des österreichischen Theatermuseums, wo weitere Teile seiner Sammlungen aufgefunden wurden.

 

Weitere Informationen finden sich in den Berichten der Kommission für Provenienzforschung aus den Jahren 1998-2008:

http://www.provenienzforschung.gv.at/index.aspx?ID=26&LID=1