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Museum » Wissenswertes |
Gibt’s Basilisken?Nicht nur gibt es die Leguane der Gattung Basiliscus in der herpetologischen Sammlung – die sind "nur" nach den berühmten Fabelwesen benannt, nein, es findet sich das Fabelwesen selbst, ein in Alkohol konserviertes, seltsam geformtes Präparat in der Fischsammlung: ein Basilisk! Beleg für die Existenz des sagenhaften Untiers? Dass der Kellerfund unseres Basilisken vor wenigen Jahren eigentlich eine Sensation darstellt, wurde vielen erst durch das Interesse des Auslandes bewusst: 2000 und 2001 stand er im Zentrum mehrerer Ausstellungen und die Fachliteratur sprach ihm ein Alter von über 400 Jahren zu!Tatsächlich entspricht seine Machart in verblüffender Weise dem von Ulisse Aldrovandi (1522 - 1605) in seinen posthum erschienenen Werken über Drachen und Fische beschriebenen und abgebildeten Basilisken. Denn noch in den Lehrbüchern des Humanismus und des neuen newtonschen Wissenschaftsverständnisses figurierten neben korrekten, detailgenauen Abbildungen und Beschreibungen aus der Natur die antiken und mittelalterlichen Fabelwesen – nicht weniger "naturgetreu" und detailliert. Solche "Basilisken" entpuppen sich als Rochen, die geschickte Dermoplastiker zu drachenartigen Ungetümen umpräparierten und damit die Wunderkammern der Fürsten belieferten. Bei unserem Exemplar wurden aus den Brustflossen (der "Scheibe" des Rochens) drei Flügelpaare ausgeschnitten, in die Nasenlöcher Glasaugen eingesetzt und die beiden Klasper (Geschlechtsorgane des Männchens) zu beinartigen Fortsätzen uminterpretiert. Die Ähnlichkeit mit dem Basilisken Aldrovandis ist trotz der Unterschiede unverkennbar. Aldrovandi präsentierte seinen Basilisken korrekt als "Fälschung", dennoch zweifelte kaum jemand an der Existenz der todbringenden Ungeheuer. Noch das ganze 17. Jahrhundert lang waren sie Gegenstand von Dissertationen. Und eine unwiderlegbare Erklärung, warum den keiner wirklich einen gesehen und von ihm berichtet hätte, wurde darin gesehen, dass eben alle dem Tod verfallen waren, die ihn zu Gesicht bekommen hatten.Eine genaue Altersbestimmung unseres kleinen Monsters – es ist nur etwa 15 cm groß - steht noch aus. Es ist aus Rochenhaut gefertigt (vermutlich Raja sp.) und entstand mit Sicherheit als Stopfpräparat, das später, nach aufgetretenem Insektenfraß, in Alkohol übergeführt wurde. Selbst wenn es nur aus dem 18. oder 19. Jahrhundert stammen sollte, handelt es sich um ein kulturhistorisch bedeutendes Zeugnis für ein vergangenes Naturverständnis. |
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