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Das reiche Gräberfeld von Hallstatt

Das hallstattzeitliche Gräberfeld von Hallstatt gehört zu den wichtigsten archäologischen Hinterlassenschaften der Welt. In den Gräbern aus der Zeit von 800 bis etwa 350 v. Chr. finden sich Luxusgüter aus ganz Europa, die weitreichende Kontakte mit nahezu der gesamten damals bekannten Welt bezeugen. Das Gräberfeld mit seinen überaus reichen Beigaben aus der Älteren Eisenzeit hat die Forschung im 19. Jahrhundert derart beeindruckt, dass der Name des Ortes nicht nur für diese in weiten Teilen Mitteleuropas verbreitete Kultur verwendet wurde, sondern darüber hinaus seither als Synonym für den Begriff Ältere Eisenzeit genutzt wird.

Archäologische Ausgrabung
Bestattungsformen
Grabbeigaben
Geschichte der Funde
 

Archäologische Ausgrabung

Ein großer Teil der Gräber wurde bereits im 19. Jahrhundert ausgegraben. Für das Hallstätter Gräberfeld ist mit den Aufzeichnungen von Johann Georg Ramsauer eine der besten Dokumentationen aus der Frühzeit der Archäologie erhalten. Da die archäologische Forschung ihre Techniken und Methoden in dieser Frühzeit jedoch erst entwickelte, sind die vorliegenden Informationen über jene Grabungen nach heutigen Maßstäben nicht vollständig. Wissenslücken gibt es zum Beispiel, weil die Skelette nicht erhalten sind und zerbrochene Gefäße aus Ton nicht geborgen wurden. Manche Fragen können daher nur beantwortet werden, wenn man Beobachtungen, die während der neueren Untersuchungen in einem kleineren Gebiet gemacht wurden, auf das gesamte Gräberfeld überträgt. So zeigen zum Beispiel die neuen Ausgrabungen, dass das Gräberfeld sehr dicht belegt war. Die Belegungsdichte für die Bereiche der Altgrabungen lässt sich weder aus Aufzeichnungen noch aus den Funden ermitteln. Überträgt man die Zahl der Gräber in den modernen Grabungsbereichen auf das gesamte Gräberfeld ergibt sich eine theoretische Gesamtzahl von ehemals etwa 5000 bis 6000 hier begrabenen Toten.
 

Bestattungsformen

Als Bestattungsformen lassen sich  im Hallstätter Gräberfeld Körper- und Brandbestattungen nachweisen. Die meisten Bestattungen sind Körperbestattungen in gestreckter Rückenlage mit seitlich am Körper ausgestreckten Armen. Brandbestattungen kommen im Hallstätter Gräberfeld sowohl als Urnenbestattungen vor als auch als eindeutige Brandschüttungsgräber. In beiden Fällen wurden die Toten auf einem Scheiterhaufen verbrannt. Die Überreste – neben der Asche meist auch einige kalzinierte Knochen, die mitunter noch zerkleinert werden mussten – wurden anschließend aufgesammelt. Bei Urnenbestattungen wurden sie anschließend in ein Gefäß, die Urne, gefüllt und darin bestattet. Bei den Brandschüttungsgräbern wurden Asche und Knochenklein ebenfalls in ein Behältnis gefüllt, welches ins Grab entleert wurde. Bei einigen der Brandschüttungsgräber kann durch die Anordnung der Asche- und Knochenpartikel tatsächlich davon ausgegangen werden, dass beides aus einem Behältnis in das Grab geschüttet wurde. Andere Gräber des Hallstätter Gräberfeldes hingegen zeigen eine sehr kompakte Anordnung dieser Partikel, weshalb man annimmt, dass in diesen Fällen die Überreste vielleicht in einem Behältnis aus organischem Material ins Grab gegeben wurden, von dem sich keine Spuren erhalten haben.

Eine von Ramsauer beobachtete dritte Bestattungsform, die der Teilverbrennung, ließ sich durch die neuen Ausgrabungen nicht bestätigen. Bei den dokumentierten Gräbern, die Teile von Skeletten und Brandschüttungen beinhalteten, handelte es sich nach heutigem Kenntnisstand jeweils um verschiedene Körper- und Brandbestattungen. Die Pioniere der archäologischen Forschung im 19. Jahrhundert dürften diese aufgrund der schwierigen Befundsituation im Hallstätter Salzbergtal fehlinterpretiert haben.
 

Grabbeigaben

Grabbeigaben von so außergewöhnlichem Wert und so hoher Qualität wie sie in den Gräbern der Hallstätter Bergarbeiter gefunden wurden, kennt man sonst nur aus den Prunkgräbern dieser Zeit. Neben zahlreichen Gefäßen aus unterschiedlichen Materialien wurden aus den Gräbern kunstvolle Waffen und aufwendig gestalteter Schmuck geborgen, die einen regen Austausch von Waren und Gütern der Hallstätter mit verschiedenen Völkern in ganz Europa belegen.

Insgesamt 20 Schwerter aus Bronze oder Eisen wurden bislang im Gräberfeld gefunden. Die prunkvollsten unter ihnen haben kunstvolle Elfenbeingriffe. Der ehemalige Umfang der keramischen Beigaben, wie Schalen und Töpfe, kann heute nur geschätzt werden, da die oft in viele Teile zerbrochenen Gefäße bei den Altgrabungen meistens nicht geborgen wurden. Aus den über 100 Gräbern der jüngsten Untersuchungen stammen mehr als 350 Gefäße, aus den beinahe 1000 untersuchten Gräbern der Ramsauer Grabung sind hingegen nur rund 50 Gefäße erhalten.
 

Geschichte der Funde

Der Großteil der Funde aus den Ramsauer Grabungen bilden heute den Grundstock der Hallstatt-Sammlung des Naturhistorischen Museums in Wien. Weitere Funde aus Hallstatt befinden sich im Welterbe Museum in Hallstatt und im Oberösterreichischen Landesmuseum in Linz. Funde, die im Zuge der Ausgrabung der Herzogin von Mecklenburg geborgen wurden, gelangten in den 1930er Jahren fast vollständig in den Besitz des Peabody Museums der Harvard Universität in Cambrige, Massachusetts.

Seit der Zeit um 1600 n. Chr. sind archäologische Funde aus Hallstatt bekannt. Aufgrund der fehlenden Grabungsdokumentationen der Frühzeit ist jedoch nicht immer nachvollziehbar, welche Funde bei den einzelnen Grabungen überhaupt geborgen wurden. Da es außerdem im 19. Jahrhundert durchaus üblich war, Funde aus den Grabungen an bekannte Persönlichkeiten zu verschenken, ist es heute nicht mehr möglich, den Verbleib aller jemals in Hallstatt gefundenen Objekte nachzuvollziehen.

(Löw, C. - Kern, A.)