lepidoptera-sammlung

Die Schmetterlingssammlung des Naturhistorischen Museums in Wien beherbergt eine der größten Sammlungen von Tag- und Nachtfaltern der Welt. Ungefährt 3,5 Millionen präparierte und einige hunderttausend unpräparierte Exemplare befinden sich in ca. 11.000 Laden. In die Sammlung inkludiert sind an die 40.000 Typusexemplare, welche die wertvollsten Vertreter der Artenvielfalt sind. Besonders gut ausgebaut ist die Sammlung der mitteleuropäischen und mediterranen Fauna, der Fauna der Kanarischen Inseln und des Nahen und Mittleren Ostens. Der Großteil der reichen Vielfalt an tropischen Lepidoptera stammt aus der Neotropischen und Orientalischen Faunenregion

historischer hintergrund

Die Lepidopterologie in Österreich reicht zurück zur 2. Hälfte des 18. Jahrhunderts. Die älteste Sammlung von Tag- und Nachtfaltern, die wir kennen, ist die Sammlung von Michael Denis und Ignaz Schiffermüller, beide Lehrer am berühmten Theresianum in Wien. Die Sammlung kam an das Vereinigte k.k. Naturalien-Cabinet in der kaiserlichen Hofburg, wo sie 1848 in den Revolutionswirren abbrannte. Denis & Schiffermüller publizierten den ersten Index der Lepidoptera der Wiener Region.
Alois Rogenhofer (1831-1897) war der erste Kurator der Lepidoptera-Sammlung am Naturhistorischen Museum. An seiner Seite arbeitete Josef Mann (1804-1889) als Präparator und Sammler. Er beschrieb viele Schmetterlingsarten neu (Schwerpunkt: Mikrolepidoptera).
Der Nachfolger von Rogenhofer war Hans Rebel (1861-1940), der der Schmetterlingssammlung seinen Stempel für Dekaden aufdrückte. Er war verantwortlich für viele Neuzugänge und vergrößerte die Sammlung bis zum Ende seiner Funktionsperiode 1932. Ab 1925 war er auch Generaldirektor des Museums und publizierte mehr als 300 Artikel über Lepidopterologie. Sehr wichtig ist der „Staudinger-Rebel-Katalog“ der Paläarktischen Lepidopteren. Die wertvolle erste Auflage seines Werkes, mit vielen handschriftlichen Notizen Rebels versehen, ist Teil unserer Sammlung.
Hans Zerny (1887 - 1945) war Mitarbeiter Rebels und folgte ihm als Kurator der Sammlung nach Rebels Pensionierung nach. Seine Expeditionen nach Südamerika und Tanzania waren für das Museum sehr fruchtbar und sind bis heute die Basis für zahllose Beschreibungen von neuen Arten. Weiters arbeitete er über südostasiatische Noctuidae und neotropische Syntomidae.
Seit 1960 war Friedrich Kasy (1921-1990) Kurator der Lepidoptera-Sammlung. Er war Spezialist für Mikrolepidopteren und konzentrierte sich später auf faunistische Arbeiten über das östliche Grenzgebiet Österreichs. Er publizierte 110 wissenschaftliche Arbeiten.
Richard Imb (1932-1990) war viele Jahre der Präparator der Schmetterlingssammlung bis zu seinem plötzlichen Tod 1990. Er war bekannt für sein graphisches Talent und sein genaues Präparationshandwerk. Wegen seiner großen Kenntnis der inneren Struktur der Sammlung ? und persönlicher Bekanntschaft mit jedem einzelnen gespannten Exemplar - wurde er oft die „Seele der Sammlung“ genannt.
1986 folgte Martin Lödl als Kurator der Schmetterlingssammlung und bekleidet seitdem diesen Posten. Diese Zeitspanne wird durch eine signifikante Vergrößerung der Sammlung charakterisiert (von ca. 6.000 zu mehr als 10.000 Laden).

 

Ein Spezialschwerpunkt ist die Sammlung tropischer Noctuidae (Eulenfalter). Viele wichtige Sammlungen konnten für das Museum erworben werden, z.B.: die König-Sammlung südamerikanischer Tagfalter, die Vartian-Sammlung von Lepidopteren des Nahen und Mittleren Ostens, die Burgermeister-Sammlung alpiner Lepidopteren, genauso wie eine Anzahl kleinerer privater Sammlungen. Die Pinker-Sammlung (Lepidopteren der Kanarischen Inseln und der Türkei) wurde während der Zäsur zwischen der letzten und jetzigen Kuratorenschaft gekauft. Im Winter 1995/1996 war M. Lödl für die Übersiedelung der Lepidoptera-Sammlung vom 2. Stock des Museums in die neuen Räume im Dachgeschoß verantwortlich. Seit 1995 arbeitet Sabine Gaal-Haszler als wissenschaftliche Mitarbeiterin in der Lepidoptera-Sammlung. Ihr Hauptarbeitsgebiet sind ebenfalls quadrifine Noctuidae. Seit 2011 verstärkt Stefanie Jovanovic-Kruspel das Team. Ihr Schwerpunkt sind sammlungshistorische Themen.

die größe der sammlung

Es gibt nun 4 Sammlungsräume; einen mit Kompaktanlage (Hauptsammlung der Tagfalter, Bärenspinner und Spanner), einen Raum für die Paläarktischen Noctuidae, einen Saal für die übrigen Nachtfalter und die Mikrolepidoptera und einen Saal, der die Vartian- und die Pinker-Sammlung beherbergt. Weiters gibt es 3 Büroräume und ein Labor mit der Sammlung der Genitalpräparate (ca. 20.000 Stück). Zusätzlich ist Archivmaterial vieler Entomologen untergebracht (wird von Stefanie Jovanovic-Kruspel bearbeitet). Dieses beinhaltet Basisdaten von Teilen der Sammlung, wie wertvolle Informationen über die Fundorte vieler Exemplare. Die Lepidoptera-Sammlung hat das größte fotografische Noctuidae-Archiv: 20.000 Fotos mit Typusmaterial von verschiedenen Museen und Fotos von Genitalstrukturen, sowie eine Dia-Sammlung mit 2.000 Lebendaufnahmen von tropischen Nachtfaltern. Unter besonderer kuratorischer Bearbeitung sind die Noctuidae, speziell die Sammlung der quadrifinen Eulenfalter (M. Lödl, S. Gaal-Haszler), und die Pterophoridae (E. Arenberger).

 

Wichtige Zukäufe und viele private Sammlungen von faunistischem Wert sind in der oberen Kuppelhalle und im Tiefspeicher des Museums untergebracht.

 

 

Mitarbeiter

  • Mag. Dr. Martin Lödl - Kurator
  • Mag. Dr. Sabine Gaal-Haszler - Wissenschaftliche Mitarbeiterin, Kuratorin
  • Mag. Dr. Stefanie Jovanovic-Kruspel - Wissenschaftliche Mitarbeiterin, Kuratorin
  • Ernst Arenberger - Korrespondent

Zeitschrift

Quadrifina - Bulletin of Research on the Lepidoptera (Editor: M. Lödl, vice editor: S. Gaal-Haszler; since 1998).

 

Öffentlichkeitsarbeit

Die Hauptaktivitäten, die Öffentlichkeitsarbeit betreffend, sind in diesem Kapitel zu finden. 

 

ausgewählte derzeitige Glanzlichter der Sammlung

 

Die Lepidoptera-Sammlung des Naturhistorischen Museums Wien - eines der Dokumentationszentren für Biodiversität:

Die großen biologischen Sammlungen des Naturhistorischen Museums sind Zentren der Biodiversitätsforschung. Die Biodiversität zahlreicher Gruppen von Tieren und Pflanzen findet ihren Höhepunkt in den Regenwäldern und Nebelwäldern dieses Planeten. Das Verstehen dieser komplexen Systeme ist abhängig von der Kraft wissenschaftlicher Forschung. Das Verstehen dieser kybernetischen Strukturen ist ebenso der Schlüssel für den zukünftigen Schutz des reichsten und zerbrechlichsten biologischen Netzwerkes auf dieser Erde. Unsere Sammlungen - manchmal nicht genug beachtet von der Öffentlichkeit und den Behörden - helfen, den Schlüssel bereitzustellen. Besuchen Sie diese Seite für einen Schritt in die Biodiversität der tropischen Lepidopteren.