öffnungszeiten der sammlung

 

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der narrenturm

 

Auf dem Gelände des heutigen Uni-Campus steht ein Rundbau in „Guglhupf“ Form. Der Narrenturm - ein bedeutendes Denkmal zur Geschichte der Krankenversorgung und der Medizin im ausgehenden 18. Jahrhundert.
Joseph II., Kaiser des Heiligen Römischen Reichs Deutscher Nation von 1765 bis 1790, besichtigte in Frankreich verschiedene soziale Einrichtungen. Daraufhin gestaltete er das Wiener Sanitätswesen von Grund auf neu. Das Invalidenhaus am Alsergrund wurde zum größten und modernsten Krankenhaus Europas umgebaut. Es gab drei öffentliche Anstalten, die eigentliche Krankenanstalt, ein Gebärhaus und eine Irrenanstalt. Den Narrenturm machte der Kaiser aber bald zu seinem Privatprojekt, das er aus eigenen Mitteln finanzierte.
Planender Architekt war Josef Gerl, doch kamen auch die Vorstellungen des Spitalsdirektors Dr. Joseph von Quarin zur Geltung. Als der Narrenturm 1784 fertig gestellt wurde, handelte es sich um die erste Anstalt Europas, die ausschließlich zur Behandlung Geisteskranker errichtet wurde. Damals unterschied man zwischen verschiedenen Krankheitsformen wie Melancholie, Tollheit oder Unsinnigkeit. Heilungsversuche unternahmen die Ärzte mittels Aderlass, Brechmitteln oder ähnlichem um die „Säfte“ des Körpers ins Gleichgewicht zu bringen.
Warum Joseph II. sich persönlich um die Versorgung von Geisteskranken angenommen hat, glauben Historiker eine Antwort gefunden zu haben. Man geht davon aus, das der Kaiser Mitglied der Freimaurer oder Rosenkreuzer war, deren alchemistische Zahlenmystik im Narrenturm überraschend oft an zutreffen ist. Der Rundbau ist 5 Stockwerke hoch und hat einen Umfang von 66 Wiener Klaftern. Pro Stockwerk gibt es 28 Zimmer und auf dem Dach befand sich ein Oktogon. Eine achteckige Holzkonstruktion die der Kaiser angeblich öfters die Woche besucht haben soll.
In der arabischen Tradition ist 66 die Zahl Gottes, während in der Kabbala 28 die Bedeutung „Gott, der du die Kranken heilst“ trägt und außerdem die Zahl des Mondsmonats ist.
Anfangs gab es in den Zellen keine Türen, friedliche Patientin konnten sich im Turm frei bewegen. Tobende und Unreine wurden angekettet. In späterer Zeit wurden auch Bettgurte und Zwangsjacken verwendet.
Nach dem Tod Joseph II. wurde eine Mauer um die Anstalt errichtet um die Insassen vor der schaulustigen Bevölkerung zu schützen. Es gab Diagnosen wie Exaltion (Paranoia), Depression und Mania, die häufigsten waren aber Delirium tremens (Alkoholdelirium).
1852 wurde eine neue Anstalt am Bründlfeld in Betrieb genommen, im Narrenturm landeten nur mehr die unheilbarsten Fälle. 1869 wurde das Gebäude als Anstalt geschlossen. Danach stand der Narrenturm lange Zeit leer, bis er 1920 als Wohnheim für Krankenschwestern adaptiert wurde. Er diente auch als Depot für Universitätskliniken, als Werkstätte und für Arztedienstwohnungen. Der Narrenturm ist denkmalgeschützt und heute im Besitz der Universität Wien. Seit 1971 ist das Pathologisch-anatomische Bundesmuseum dort untergebracht, das mit 1.1.2012 als Pathologisch-anatomische Sammlung im Narrenturm in das Naturhistorische Museum Wien eingegliedert wurde.

 

ein kurzer abriss zur geschichte der pathologisch-anatomischen sammlung

 

Die pathologisch-anatomische Sammlung wurde im Jahre 1796 gegründet.
Die Idee einer Präparate Sammlung geht bereits auf Josef Pasqual Ferro (1753-1809) dem damaligen Stadtphysikus zurück.
Aber es blieb bei einer Idee. Erst Johann Peter Frank (1745-1821) gelang es tatsächlich ein Museum und ein Institut für Pathologie einzurichten. In seiner Position als Direktor des allgemeinen Krankenhauses vertrat er die Ansicht, dass Medizin nur am Krankenbett oder im Seziersaal gelehrt werden kann. Frank setzte Aloys Rudolf Vetter (1765-1806) als unbesoldeten Institutsleiter und Direktor des „Präparate Cabinets“ ein. 1803 veröffentlichte Vetter „ Aphorismen aus der pathologischen Anatomie“ und bezog sich in diesem Buch auf verschiedene Präparate des Museums, allein einen Musealkatalog legte er nicht an.
Als Vetter 1803 Wien verlassen musste, verwahrloste das Institut samt Sammlung.
1812 wurde Lorenz Biermayer zum Vorstand von Institut und Museum ernannt, dies ging auf den damaligen Direktor des Allgemeinen Krankenhauses Valentin von Hildebrand (1763-1818) zurück. Denn im Oktober 1811 war es zu einer Verordnung gekommen ( verabschiedet unter Seiner KK Majestät Franz dem ersten für die Österreichischen böhmischen und galizischen Erbländer), wonach nicht nur alle Professoren von Amtswegen verpflichtet wurden instruktive Präparate zu verfertigen, sondern alle Merkwürdigkeiten, die sich an den Leichnamen darbieten zu sammeln und in die Cabinette abzuliefern. Im folgenden Paragraf erweitert sich die Pflicht zu sammeln auf alle Spitäler und  Gebärhäuser. Hierbei sollten auf die merkwürdigen ..stücke der Natur geachtet werden und diese gesammelt.
Biermayer war ein passionierter Sammler, er legte sofort nach Amtsantritt einen Musealkatalog an bei dem er auf den ersten Seiten die bereits vorgefundenen Präparate auflistete.
1821 machte man ihn zum ersten ausserordentlichen Professor des Faches pathologische Anatomie. Auch kaufte er 1823 die erste Sammlung für das Museum an, die Sammlung Wirtensohn.
Nach enthusiastischen Jahren für die Pathologie wurde Lorenz Biermayer nach zunehmender Vernachlässigung seiner Pflichten 1829 des Amtes enthoben.
Für die Wichtigkeit des Museums spricht, dass ein eigenes Übernahmeprotokoll angelegt wurde, indem jedes Präparat des Museums aufgelistet und mit Biermayers, Wagners und Rokitanskys Signaturen unterfertigt wurde.
Johann Wagner (1800-1832) wurde der Nachfolger Biermayers . 1827 war ein jungen Mediziner in die Pathologie eingetreten Carl von Rokitansky, dieser sollte in den nächsten Jahren Medizingeschichte schreiben.
1832 starb Johann Wagner unerwartet. Rokitansky übernahm das Institut und das Museum und wurde 1843 Professor für Pathologie, Kustos des Museums und Prosektor des allgemeinen Krankenhauses in Wien.
Als Mitbegründer der zweiten medizinischen Schule erlangte Rokitansky Weltruhm.
Die Prosektur des allgemeinen Krankenhaus wurde quasi Zentrale des medizinischen Fortschrittes. Aus tausenden Einzelbeobachtungen an der Leiche entstand ein objektives Bild der Krankheit, die es galt einzuteilen und zu Klassifizieren. Dabei ging die klinische Auswertung des in der Pathologie entdeckten Hand in Hand.
Rokitansky bildete mit Joseph Skoda ( 1805-1881) und Ferdinand von Hebra ein medizinisches Triumphirat, das Studenten aus aller Welt nach Wien zog.
Nach der Pensionierung Rokitanskys wurde Richard Heschl (1824-1881) Vorstand von Institut und Museum. Er war zunächst Assistent unter Rokitansky und ab 1863 in Graz tätig bis er nach Wien gerufen wurde.
Heschls Name wurde durch die Beschreibung der Heschlschen Gehirnwindung bekannt.
Es handelt sich dabei um die vorderste Querwindung des Gyrus temporalis superior und Endpunkt der Hörbahn.
Nach Heschls frühem Tod folgte ein weiterer Rokitansky Schüler Hanns Kundrat (1845-1893) an die Lehrkanzel. Auch Kundrat wirkte vorerst ab 1877 in Graz und wurde dann 1881 nach Wien berufen. Er nahm mehrere Präparate aus Graz nach Wien mit. Es handelt sich hierbei mehrheitlich um Fehlbildungen. Als Morphologe beschrieb er die Arrhinencephalie. Aus der Originalarbeit sind einige der Präparate bis heute im Museum erhalten. Berühmt ist seine Arbeit über die Lymphosarkomatose, wobei er auch die Äthiologie der Krankheit einbezieht.
Nach Hanns Kundrat wurde Anton Weichselbaum ( 1845-1920) Vorstand von Institut und Museum. Er führte die Bakteriologie in Wien ein. Seine Forschungen über die Meningitis (Hirnhautentzündung) und über den Infektionswege der Tuberkulose waren bedeutend.
Sein Nachfolger, Alexander Kolisko (1857-1918) war nur 2 Jahre Vorstand des pathologisch anatomischen Instituts und Museums in Wien. Mit dem Gynäkologen Breuss veröffentlichte er eine Publikation über pathologische Beckenformen, die Präparate dazu sind im Museum bis heute erhalten.
1920 übernahm Heinrich Albrecht die Leitung, dessen Hauptaufgabengebiet die Bakteriologie war. 1897 hatte er mit Anton Ghon und Hermann Müller Bombay bereist während der Pestepidemie, woher beide reichliches Forschungsmaterial nach Wien zurückbrachten. Dieses ging in die Geschichte der Medizin als Laborzwischenfall und Pesttod von einem Laborgehilfen Barisch, der Pflegerin Pecha und des Arztes Hermann Müller ein (1897).
Albrecht forschte über Tuberkulose vor allem bei Kindern, aber auch den Geschwülsten widmete er einige Arbeiten. Er starb an einer Tuberkuloseinfektion 1922.
Sein Nachfolger wurde Rudolf Maresch. Er zeichnete sich dadurch aus, dass er „das Schöne im Krankhaften“ sah. Dies war der Titel zum Eröffnungsvortrag des neuen Hörsaals der Pathologie im allgemeinen Krankenhaus.
1936 trat Hermann Chiari die Leitung des Instituts und des Museums an. Seine Tätigkeit als Wehrmachtspathologe und seine Rolle im Nationalsozialistischen Regime erregt heute Diskussionen.
1946 setzte Chiari seinen Assistenten Karl Portele als Kustos des Museums ein.
Unter Karl Portele wurde das Museum in den Narrenturm (1971) übersiedelt und es gelang ihm 1974 das Museum des Instituts in ein Bundesmuseum zu überführen.
Ab diesem Zeitpunkt trennten sich die Wege zwischen pathologisch anatomischen Institut und Pathologisch anatomischen Bundesmuseums.
Von Beginn der Sammlungstätigkeit wurden vorwiegend Feucht- und Trockenpräparate gesammelt. Ab 1974 übernahm Karl Portele Sammlungen aus ganz Österreich und auch Deutschland, darunter befanden sich auch mehrere Moulagensammlungen ( unter Moulagen versteht man form- und farbgetreue Abbildungen kranker Körperstellen aus Wachs oder Paraffin ). Erst 1977 wurde eine Gerätesammlung angelegt. Mit etwa 45 000 Objekten gilt die Pathologisch anatomische Sammlung heute als weltweit größte Sammlung pathologischer Präparate.