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Das prähistorische Salzbergwerk

Archäologische Reste des prähistorischen Bergbaubetriebs in Hallstatt haben sich im Inneren des Salzberges in Form des sogenannten Heidengebirges erhalten. Als Heidengebirge bezeichnet man jene Bereiche des Gesteins im Berg, in dem sich der fest vom Fels umschlossene Betriebsabfall der prähistorischen Bergwerke befindet. Dieser war in den Abbauhallen nach Ende der Salzgewinnung zurückgelassen worden und wurde vom Bergdruck, der im Hallstätter Salzberg Hohlräume üblicherweise rasch wieder verschließt, dicht verpresst. Im Heidengebirge überdauerten die zumeist organischen Materialien unter Luftabschluss und umgeben von Salz die Zeit ohne nennenswerten Zerfall. Das Fundspektrum aus dem Hallstätter Salzberg umfasst daher unter anderem gefärbte Textilien und Handleder, hölzerne Stile von Arbeitsgeräten und Transportbehältnisse, Leuchtspäne und Seile, Essensreste und Fäkalien und vieles mehr bis hin zu Gras.

Die Bedeutung der organischen Funde aus dem Salzberg für die Forschung
Das Heidengebirge
Unterschiede im Heidengebirge der Bronze- und Eisenzeit
Erhaltene Abbauräume im Salzberg
 

Die Bedeutung der organischen Funde aus dem Salzberg

Der materielle Besitzstand prähistorischer Kulturen setzte sich zum überwiegenden Teil aus organischen Gegenständen zusammen: allen voran wohl Holz, aber auch aus vielen anderen Materialien wie Gras, Bast, Fell, Leder, Haut, Wolle, Flachs usw. Doch organische Materialien erhalten sich nur unter ganz besonderen Bedingungen über lange Zeiträume: unter Wasser, in extremer Trockenheit, im Eis oder im Salz. Wesentlich ist, dass sie vor Groß- und Kleinstlebewesen geschützt gelagert sind, die organisches Material in kürzester Zeit abbauen. Normalerweise hat die Archäologie mit Objekten aus unvergänglichem Material wie Stein, Keramik, Metall, Knochen oder Geweih zu tun. Dementsprechend kann im Allgemeinen nur ein sehr bruchstückhaftes Bild vergangener Epochen gezeichnet werden. Im Hallstätter Salzberg ist die Situation eine vollkommen andere. Alles, was über die Jahrtausende zurückgelassen wurde, hat sich erhalten, bis hin zu menschlichen Exkrementen und Speiseresten. Durch diese Funde – Abertausende von niedergebrannten Leuchtspänen, gebrochene Pickelstiele, Kleidungsbestandteile (Fell- und Ledermützen, Textilien, Lederschuhe), Tragsäcke aus Haut und Leder, Schnüre und Seile aus Gras und Bast – lassen sich beinahe alle Arbeitsschritte im Bergwerk vom Brechen des Salzes mit Bronzepickeln bis zur Förderung mit dicken Seilen erschließen. Mit jedem neuen Fundstück gewinnen die Archäologen mehr Einblick in die Lebens- und Arbeitswelt des prähistorischen Bergbaus. Dennoch ist die Archäologie im Hallstätter Salzberg mit Fundlücken konfrontiert. Denn wir finden nur jene Dinge in den prähistorischen Abbaurevieren, die dort zurückgelassen oder verloren wurden. Nur ausnahmsweise werden komplette Kleidungsstücke oder Geräte gefunden. Es liegen auch eindeutige Hinweise vor, dass manches gebrochene Stück nicht einfach liegen gelassen, sondern verbrannt wurde.
 

Das Heidengebirge

Bei jenen prähistorischen Objekten, die gefunden werden und wurden, handelt es sich somit um den Betriebsabfall des prähistorischen Bergbaus. Er besteht aus abgebrannten Leuchtspänen, zerbrochenen Arbeitsmaterialien, Exkrementen und nicht förderwürdigem Gestein. Dieses Gemisch, das seit dem 18. Jahrhundert als „Heidengebirge“ bezeichnet wird, blieb am Boden der Abbauhallen liegen und ist heute wieder fest mit dem umgebenden Gebirge verwachsen. Denn der hohe Bergdruck und die gute Formbarkeit des Haselgebirges bewirken, dass jeder Hohlraum im Berg schnell wieder geschlossen wird. Dies gilt auch für die prähistorischen Stollen und Abbauhallen, die sich uns fast nie erhalten haben. Im Grunde wären also die alten Grubenbaue für die späteren Bergleute und die Wissenschaft nicht mehr zu erkennen gewesen. Doch dank des Betriebsabfalls, den die prähistorischen Bergleute liegen ließen, sind sie bis heute gut sichtbar. Eben dieses Heidengebirge ist seit vielen Jahrzehnten Gegenstand der archäologischen Ausgrabungen an verschiedenen Stellen im Hallstätter Salzberg.
 

Unterschiede im Heidengebirge der Bronze- und Eisenzeit

Im Zuge der archäologischen Untersuchungen wurde deutlich, dass sich der Betriebsabfall aus den bronzezeitlichen Abbaurevieren klar von jenem der eisenzeitlichen unterscheidet. Das Heidengebirge der Bronzezeit besteht aus heruntergebrannten Leuchtspänen und unbrauchbar gewordenen Geräten sowie Lehm und Gips aus dem abgebauten Gebirge. Salz wurde so gut wie nie zurückgelassen. Hingegen blieben im eisenzeitlichen Bergbau neben dem bereits beschriebenen Betriebsabfall auch große Mengen an Hauklein liegen. Bei diesem handelt es sich um kleinstückiges Salz, das beim Schrämen der Rillen zum Loslösen der großen Salzplatten anfällt. Da das Hauklein im Hallstätter Salzberg zu großen Teilen aus Kernsalz besteht, wird das eisenzeitliche Heidengebirge auch als „kerniges Heidengebirge“ bezeichnet. Während in der Bronzezeit das gesamte abgebaute Salz an die Oberfläche gefördert und wohl auch genutzt wurde, waren die Bergleute der Eisenzeit nur an den Salzplatten, nicht aber an dem kleinstückigen Salz interessiert. Auch die Technik des Salzbrechens unterscheidet sich in diesen beiden Epochen. Dies zeigen die unterschiedlichen Werkzeuge aus der Bronze- und der Eisenzeit.
 

Erhaltene Abbauräume im Salzberg

In Ausnahmefällen haben sich die Hohlräume über dem Betriebsabfall erhalten. Dies ist dann der Fall, wenn von der Oberfläche fremdes Material in die Hohlräume im Berg eindrang. Für ein derartiges Ereignis sind verschiedene Gründe denkbar: Entweder wurde der Bergbau zunächst aufgegeben und „soff“ dann langsam ab, wobei feines Material eingeschwemmt wurde, oder im Zuge von Katastrophen gelangten Erde, Lehm, Steine, Hangschutt und ganze Bäume in den Berg und füllten die Hohlräume aus. Wenn man nun dieses sogenannte „Tagmaterial“ wieder entfernt, erhält man den ursprünglichen Hohlraum. Nur einmal wurde bisher eine prähistorische Abbaukammer entdeckt, die nicht mit Material von der Oberfläche ausgefüllt war. In diesem Fall dürfte das eindringende Material eine Luftblase im Berg eingeschlossen und komprimiert haben. Die zusammengepresste Luft „stützte“ dann über einen Zeitraum von mehr als 2000 Jahren diese Halle – die sogenannte „Herzerlkammer“ im Stügerwerk. Hier haben sich die einzigen völlig unveränderten Abbauspuren der Eisenzeit erhalten. Bei den berühmten „Herzen“ handelt es sich um die Negative der abgebauten Salzplatten.

(Reschreiter, H. – Kowarik, K. – Löw, C.)