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Der Bergbau in der Bronzezeit

Die Dimensionen und die technische Raffinesse, die sich für die älteste Phase der untertägigen Salzgewinnung um 3500 v. Chr. nachweisen lassen, legen nahe, dass der Bergbau in dieser Zeit im Hallstätter Salzberg bereits auf eine lange Tradition zurückblicken kann. Der Salzbergbau der Bronzezeit endet um 1245 v. Chr. durch einen Schuttstrom. Der detaillierte Einblick, den die bestens erhaltenen Funde aus über 2000 Jahren in die Arbeitsprozesse unter Tage für die Bronzezeit gestatten, führt neben vielen einzigartigen Erkenntnissen auch zu zahlreichen weiteren Fragen, auf die die Wissenschaftler Antworten suchen.  

Die ältesten Zeugnisse
Wirtschaftszentrum Hallstatt
Offene Fragen
Das Ende des bronzezeitlichen Bergbaus
 

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Seil

Das gängige Bindematerial im Berg war Baumbast, aber auch Grasschnüre zählen zu den typischen Funden. Fell und Lederriemen wurden  hingegen nur selten verwendet. Die Reißfestigkeit von Bastseilen ist so hoch, dass Bast noch bis vor hundert Jahren zu den üblichen Ausgangsmaterialien für Seile zählte.
Schnüre und Seile aus Bast wurden ähnlich wie Hanfseile geschlagen, jedoch nicht versponnen; vielmehr wurde jede Faser einzeln verlängert. In der Bronzezeit wurde das Salz aus den Tragsäcken an einem sogenannten Füllort in einen Wollsack umgefüllt und über Seile an die Oberfläche transportiert.

Stiegen

In der Bronzezeit wurden Holztreppen benutzt, über die man im Inneren der Grube größere Höhenunterschiede überbrücken konnte. Eine dieser Holztreppen hat sich im Christian von Tuschwerk komplett erhalten. Die Stiegenkonstruktion besteht aus drei Elementen: den beiden seitlichen Holmen, den Auftrittsbrettern und den Distanzbrettern, die über und unter jedem Auftrittsbrett in die seitlichen Holme eingelassen sind.

Die beiden seitlichen Holme bilden die Wangen der Treppe. Sie bestehen aus Baumstämmen von 20 bis 35 cm Durchmesser. In diese ist je eine 6 cm breite und 8 cm tiefe Längsnut eingearbeitet. Die Auftrittsbretter sind lediglich mit einem viereckigen Zapfen in den Wangen zu beiden Seiten in die Nut geschoben und bleiben damit in ihrem Winkel zu den Holmen verstellbar. Die Auftrittsbreite von über 1 m erlaubte ein gleichzeitiges Benutzen in beiden Richtungen.

Grubenhölzer

Grubenhölzer dienten sehr unterschiedlichen Zwecken im Bergwerk. Sie wurden zum Beispiel genutzt, um die Stollen auszuhausen und so gegen den Bergdruck offen zu halten. Aus ihnen konnten außerdem Brücken und Plattformen gefertigt werden. Die Grubenhölzer der Bronzezeit weisen einen Durchmesser von knapp 5 cm bis zu 25 cm auf und bestehen häufig aus der schnellwachsenden Tanne. Das Ausmaß des Bedarfes an Holz war so groß, dass bereits für die Bronzezeit eine nachhaltige Waldbewirtschaftung angenommen werden kann.

Fülltrog

Fülltröge, auch Schwingen genannt, waren aus besonders belastbarem Holz gefertigt. Sie wurden wahrscheinlich dazu genutzt, das kleinstückige Salz vom Boden aufzusammeln und in die Tragsäcke zu füllen.

Tragsack

Aufgrund seiner speziellen Konstruktionsweise kann dieser Tragsack mit einer Handbewegung ohne Anstrengung entleert werden. Das ist sowohl kraft- als auch zeitsparend. Versuche mit nachgebauten Tragsäcken haben gezeigt, dass die Riemenlänge genau auf die Körpergröße der tragenden Person abgestimmt sein muss. Andernfalls ruht entweder die ganze Last auf dem Holzknüppel, oder der Sack hängt schief, und die Last ist dadurch ungleichmäßig verteilt.

Trinkbehältnis

Im bronzezeitlichen Bergwerk wurden einige Fragmente von Tierblasen und kleine hölzerne Stöpsel entdeckt. Wahrscheinlich handelt es sich dabei um Reste von Flüssigkeitsbehältnissen.

Arbeitskleidung

Fragmente von Flachs-, Hanf-, vor allem aber Wollstoffen und auch von Fell- und Lederbekleidung wurden in den bronzezeitlichen Gruben entdeckt. Nicht alle Funde dieser Art dürften Reste von Kleidung sein, die auch unter Tage getragen wurde. Manche stammen vermutlich von ausgedienten Prunkgewändern und gelangten als Fetzen ins Bergwerk. Die Arbeitskleidung dürfte aus gröberen und stabileren Stoffen bestanden haben. Nur ein einziges Stück unter den Funden ist vollständig erhalten. Es handelt sich um eine kegelförmige Leder- oder Hautmütze, von deren Scheitel Lederstreifen herabhängen. Getragen wurde sie mit der Haarseite nach innen. 

Leuchtspäne

Diese in ihrer vollen Länge erhaltenen Leuchtspäne werden von einem sogenannten Fackelring zusammengehalten. Unverbrannt sind die Leuchtspäne beinahe einen Meter lang. Sorgfältig aus Baststreifen gefertigte Fackelringe zählen zu den häufigen Funden im Bergwerk.
Die bronzezeitlichen Leuchtspäne wurden fast immer aus Tannenholz gefertigt, das im Gegensatz zu Fichte und Föhre harzfrei ist. Die chemischen Analysen haben bisher keine Hinweise auf eine Tränkung mit brennbaren Substanzen erbracht. Damit stehen die Leuchtspäne im Gegensatz zu den Kienspänen aus historischer Zeit, die meist aus sehr harzreichen (Harz = Kien) Hölzern hergestellt wurden.

Kratze

Mit den Kratzen wurde das kleinstückige Salz auf dem Boden zusammengekratzt und in Fülltröge befördert, mit deren Hilfe es anschließend in die Tragsäcke befördert wurde.

Pickel

Über das Aussehen des bronzezeitlichen Abbaugeräts sind wir gut informiert. Es handelt sich um einen Bronzepickel, der auf ein Knieholz geschäftet war. Die Schäftung ist ein aus Eichen- oder Buchenholz geschnittenes abgewinkeltes Stück - ein Knieholz - mit langem, dünnem Stiel und zweizinkigem Kopf. Gebrochene Schäftungen wurden direkt im Berg liegen gelassen und kommen heute in großer Zahl bei den archäologischen Ausgrabungen zutage. Der Griff der Schäftung ist, gemessen an heutigen Verhältnissen, mit ca. einem Meter auffällig lang und sehr dünn.
Mit diesen Bronzepickeln schlug man tiefe parallele Rillen in den Berg, um so die dazwischen liegenden Teile ausbrechen zu können. Derartige Abbauspuren haben sich im Grünerwerk über 3500 Jahre bis heute erhalten. Diese Technik erlaubte hauptsächlich die Gewinnung von kleinstückigem Salz.

Speck

Im Salzbergtal wurden große bronzezeitliche Einrichtungen zum Pökeln von Fleisch gefunden, in denen zumeist Schweinefleisch verarbeitet wurde. In Experimenten konnte nachgewiesen werden, dass gepökeltes Fleisch nach einer sechsmonatigen Lagerung in der Grubenluft durch das Ton-Anhydrit-Salzgemisch im Inneren des Salzberges auch ohne weitere Gewürze einen angenehm kräftigen Geschmack erhält.

Kappe

In der Bronzezeit trugen die Bergleute aufwendig gefertigte Kopfbedeckungen aus Häuten und Fellen wie diese hier. Der Rand der Mütze wurde mit einem umlaufenden Riemen versteift. Den oberen Abschluss bilden zwei halbkreisförmige Hautstücke, an denen auch die Verzierung angebracht ist. Die Riemen, die nicht mehr zur Gänze erhalten geblieben sind, hängen an den Seiten der Mütze herab.

Heidengebirge

Der Betriebsabfall des bronzezeitlichen Salzabbaus besteht fast nur aus abgebrannten Leuchtspänen und gebrochenem Werkzeug. Salz wurde im bronzezeitlichen Bergwerk nicht zurückgelassen. Nachdem die Stollen aufgegeben wurden, verschloss der Bergdruck die Hohlräume wieder und die Abfallschichten am Boden wurden dicht zusammengepresst. Den stark verdichteten Abfall bezeichnen die Hallstätter Bergleute der Neuzeit spätestens seit dem 19. Jahrhundert als „Heidengebirge“.

 
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Die ältesten Zeugnisse

Seit über 3500 Jahren wird am Hallstätter Salzberg Salz abgebaut. Die ältesten Nachweise für Salzbergbau datieren zumindest in das 15. Jh. v. Chr. – in die mittlere Bronzezeit. Doch fassen wir hier wohl nicht den Beginn der Abbautätigkeit. Vielmehr tritt uns ein bereits voll entwickelter untertägiger Bergbau von beachtlichen Ausmaßen entgegen. Bereits zu dieser Zeit befinden sich gleichzeitig drei riesige Schachtanlagen, die Teufen von weit über 100 m erreichen, in Betrieb. Die Grundfläche jedes dieser Schächte entspricht der eines Einfamilienhauses.
 

Wirtschaftszentrum Hallstatt

Der Absatzmarkt dieses Salzproduzenten ist riesig. Die nächsten großen Anbieter liegen mehrere hundert Kilometer entfernt in Mittel- und Süddeutschland. Es ist also anzunehmen, dass Hallstätter Salz bereits in der Bronzezeit über weite Entfernungen verhandelt wurde und Hallstatt selbst ein bedeutendes Wirtschaftszentrum darstellte.
 

Offene Fragen

Wo liegen die Wurzeln eines solchen Bergbaus? Wie lange hatte man gebraucht, um diese Tiefen zu erreichen? Wie lange, um die technischen Probleme zu lösen? Jahrzehnte? Jahrhunderte? Jahrtausende? Wann begann der Salzabbau in Hallstatt tatsächlich? Diese Fragen sind bislang ungeklärt. Auch die enormen Dimensionen des Bergbaubetriebes werfen etliche weitere Fragen auf. Denn die technischen, organisatorischen und sozialen Herausforderungen eines solchen Unternehmens sind beträchtlich. Wendet man sich zunächst nur dem technischen Bereich zu, so stellt sich zuerst die Frage, wie man in diese Tiefen gelangte, mit welcher Technik und mit welchem Werkzeug. Doch beschränken sich die technischen Probleme nicht auf das Vordringen in den Berg. Denn mit zunehmender Tiefe mehren sich die technischen Herausforderungen: Bewetterung, Wasserhaltung, Menschen- und Materialtransport.

Wie begegnete man den infrastrukturellen und logistischen Problemen: Arbeitseinteilung und -ablauf, Versorgung des Bergbaus mit unverzichtbaren Betriebsmitteln (z.B. Holz und Bronze), Versorgung der Belegschaft (z.B. Nahrungsmittel und Kleidung)? Die archäologischen Untersuchungen im Bereich des bronzezeitlichen Bergbaus, die bedeutenden Funde aus dem Appoldwerk, die Ergebnisse des langjährigen Forschungsprojektes im Grünerwerk und die laufenden Ausgrabungen im Christian von Tuschwerk liefern viele Antworten und geben noch viel mehr Anlass zu neuen Fragen. Vor allem über die gesellschaftlichen und sozialen Verhältnisse innerhalb der bronzezeitlichen Bergbaugemeinschaft ist bislang wenig bekannt.
 

Das Ende des bronzezeitlichen Bergbaus

Bislang datiert kein Holzobjekt aus den Gruben der Bronzezeit in die Zeit nach 1245 v. Chr. Erst in der Älteren Eisenzeit, im 9. Jh. v. Chr., fassen wir wieder eine Abbautätigkeit, doch in einem anderen Bereich als in der Bronzezeit. Dazwischen klafft eine Lücke von nahezu 400 Jahren.

(Reschreiter, H. – Kowarik, K. – Löw, C.)