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Der Bergbau in der Hallstattzeit

In der Älteren Eisenzeit, die nach diesem Ort auch „Hallstattzeit“ genannt wird, erlebte der Bergbau seine Blüte. Er lässt sich nicht unmittelbar im Anschluss an den bronzezeitlichen Bergbau nachweisen. Die Lücke von etwa 300 Jahren wird auf den Umstand zurückgeführt, dass noch immer weite Bereiche des Salzbergs unerforscht sind. Vom bronzezeitlichen Bergbau unterscheidet sich der hallstattzeitliche durch eine neue Abbaustrategie und Technologie. Er dürfte über ein halbes Jahrtausend kontinuierlich erfolgt sein und der Bergbaugemeinde beständigen Reichtum beschert haben. Vor allem im weltberühmten Gräberfeld wird dieser Reichtum für uns greifbar.

Blütezeit der Salzproduktion in der Hallstattzeit
Archäologische Zeugnisse des Bergbaus der Hallstattzeit
Neue Abbaustrategie und Technologie
Das Ende des hallstattzeitlichen Bergbaus
 

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Steigbaum

Im eisenzeitlichen Bergwerk wurden mehrere Steigbäume gefunden, mit denen die Bergleute Höhenunterschiede rasch überbrücken konnten. Es handelt sich dabei um entrindete Baumstämme, in die Kerben geschlagen wurden, welche als Auftritte dienen. Steigbäume sind handlicher und stabiler als Leitern. Anders als die Treppen, die mehreren Bergleuten gleichzeitig als zentrale Verbindungswege dienten, dürften die Steigbäume eher im näheren Umfeld einer Abbaustelle genutzt worden sein, um verschiedene Abbaustufen miteinander zu verbinden.

Kinder im Bergwerk

Abnutzungsspuren an Skeletten von Kindern aus dem Gräberfeld von Hallstatt beweisen, dass auch Kinder in der Hallstattzeit schwere körperliche Tätigkeiten ausübten. Da sich diese Merkmale an den Knochen von Verstorbenen ab dem achten Lebensjahr fassen lassen und es eine geraume Zeit braucht, bis sich solche Abnutzungen herausbilden, ist davon auszugehen, dass die Kinder schon in deutlich jüngerem Alter in die Arbeitsprozesse eingebunden wurden.

Kleinere Kinder könnten möglicherweise die Betreuung der Leuchtspäne im Bergwerk übernommen haben, die wahrscheinlich ständig manipuliert werden mussten, um ein gleichmäßiges Abbrennen zu gewährleisten. Ab einem Alter von fünf Jahren könnten sie dann mit den schweren Transportaufgaben betraut worden sein. Dass sich selbst Kinder im Säuglingsalter im Berg aufgehalten haben, ist durch den Fund einer intakten Säuglingskappe im hallstattzeitlichen Bergwerk wahrscheinlich.

Unklare Hackspuren

Fast die Hälfte aller Köpfe von gebrochenen Pickelstilen aus der Hallstattzeit weisen Hackspuren auf. Diese Tätigkeit muss sehr oft ausgeführt worden sein. Was aber genau auf den ausgedienten Schäftungsköpfen gehackt wurde, ist nicht bekannt. Das Zurichten von Hölzern wird als Ursache der Hackspuren ausgeschlossen, ebenso das Hacken von Fleisch und das Spalten von Leuchtspänen.

Essen im Bergwerk

Funde von Nahrungsresten und Kochutensilien zeigen, dass in der Grube auch gegessen wurde. Dazu wurden vermutlich die im Bergwerk gefundenen hölzernen Schalen verwendet. An der Innenseite sind hier häufig Kratzspuren festzustellen, weshalb man davon ausgeht, dass diese die Bergleute mit ihren Fingern im Holz hinterlassen haben.

Hauptnahrungsmittel Ritschert

Als Hauptnahrungsmittel der Hallstätter Bergleute konnte durch gefundene Exkremente und Nahrungsmittelreste ein Eintopf ermittelt werden. Dieser bestand aus Gerste, Hirse, Saubohnen und minderwertigen, schwartenreichen Fleischteilen. Noch heute ist er in ganz ähnlicher Zusammensetzung in der ostalpinen Regionalküche unter der Bezeichnung „Ritschert“ gut bekannt. Die Konsistenz des prähistorischen Ritscherts konnte bislang noch nicht eindeutig ermittelt werden. Kratzspuren in gefundenen Holzschalen deuten auf eine steifere Konsistenz. Gekocht wurde der Eintopf in der Grube vermutlich in Kegelhalsgefäßen über dem Grubenfeuer.

Grubenfeuer

Große angekohlte Holzstücke zeigen, dass im Bergwerk große Feuer unterhalten wurden. Diese dienten nicht nur als Lichtquelle, sondern auch als Kochfeuer. Außerdem erwärmten sie die Grubenluft und stimulierten so den Wetterzug, der für einen Zustrom von Frischluft ins Grubeninnere sorgte.

Nahrungsmittel

Funde von Exkrementen aus dem Bergwerk zeigen, dass die Bergleute der Hallstattzeit zum größten Teil pflanzliche Nahrung zu sich nahmen. Hirse, Emmer, Saubohnen, Einkorn, Gerste, Rispenhirse, Kolbenhirse, Ackerbohnen, und diverse Früchte lassen sich darin nachweisen. Außerdem fanden sich im Bergwerk Spanschachteln mit Resten von Kasein, dem Hauptbestandteil von Käse, und Haselnussschalen.

Textilfunde

Reste von Textilien der Hallstattzeit sind auf unterschiedlichem Wege in den Salzberg gelangt. Einige Teile mögen von Kleidung stammen, die die Bergleute während ihrer Tätigkeit unter Tage trugen. Andere Stücke dürften in Anbetracht des Aufwandes, der ursprünglich zu ihrer Herstellung erbracht worden war, wohl eher in Zweitverwendung als Fetzen ins Bergwerk gelangt sein. Hier könnten sie als Putztuch, zur Aufbewahrung, als Sieb oder vieles andere verwendet worden sein. Eine besondere Bedeutung haben die hallstattzeitlichen Textilfunde für die Forschung, weil es in dieser Zeit nur noch wenige Feuchtbodensiedlungen gibt und sich auch die Bestattungssitten in Europa verändern, weshalb es deutlich weniger organische Funde aus der Hallstattzeit gibt, als aus den vorausgehenden Epochen. Außerdem lassen die hervorragend erhaltenen Funde aus dem Salzberg wichtige Vergleiche mit den nur spärlich Erhaltenen aus dem Gräberfeld zu.

Leuchtspäne

Im hallstattzeitlichen Bergwerk sorgten neben den Grubenfeuern und Reflektorsteinen auch Leuchtspäne für die Beleuchtung. Von jenen Leuchtspänen der Bronzezeit unterscheiden sie sich in Material und Beschaffenheit. Dünne, aber bis zu 5 cm breite Späne aus Fichten- und Tannenholz dienten nun als Lichtgeber. Da sie in großer Zahl, aber immer abgebrannt gefunden wurden, ist ihre ursprüngliche Länge unbekannt. Haltevorrichtungen für die Leuchtspäne wurden bislang nicht entdeckt. Möglicherweise wurden sie von Kindern gehalten und überwacht.

Pickel

Auch in der Eisenzeit verwendeten die Hallstätter Bergleute, denen der neue Werkstoff Eisen selbstverständlich bekannt war, weiterhin ihre Lappenpickel aus Bronze. Das aus Buchenholz geschnittene Knieholz dieses Arbeitsgerätes hatte einen keulenförmigen Kopf und einen kurzen dicken Stiel mit einer deutlichen Schwächung im oberen Drittel. Dadurch wurde nicht nur die wertvolle Metallspitze geschont, sondern auch die Prellung der Handgelenke beim Arbeiten vermindert.

Für die Pickel aus dem Bergwerk verwendete man eine spezielle Legierung. Sie weist einen zum Teil höheren Zinnanteil als üblich auf, nämlich 10% und mehr. Der höhere Zinngehalt machte die Pickel wesentlich härter, aber auch spröder. Dies hatte zur Folge, dass die Spitzen der Pickel oft abbrachen und ständig erneuert werden mussten.

Salzherzen

In der Hallstattzeit wurde das Salz in Form von Platten aus dem Gestein gelöst. Dazu wurden herzförmige Rillen in den Fels geschlagen. Wie die Platten anschließend aus dem Fels gelöst wurden, konnte noch nicht geklärt werden. Neben den Herzen im Gestein sind bei den Ausgrabungen auch einige Salzplatten gefunden worden. Sowohl die Abbauspuren als auch die gefundenen Platten sind in ihrer jeweiligen Größe recht unterschiedlich.

Schuhe

Im Bergwerk wurden mehrere Schuhe gefunden. Vier der sechs bekannten Schuhe entsprechen den heutigen Größen 31/32 und 34/35. Sie dürften daher von Kindern oder zierlichen Frauen getragen worden sein. Abnutzungsspuren an den Schuhen sind besonders im Bereich des Fußgewölbes stark ausgeprägt. Dieses Muster lässt auf regelmäßiges Steigen auf Leitern und Treppen schließen.

Kleiderläuse

In den Textilfunden aus dem Hallstätter Bergwerk sind Kleiderläuse nachgewiesen worden. Erhalten geblieben sind die widerstandsfähigen Hüllen der Läuseeier, die Nissen. Da Kleiderläuse Überträger verschiedener Infektionskrankheiten sein können, stellte der Juckreiz wohl das geringste von ihnen verursachte Übel dar.

Tragen

Die Abnutzungsspuren an Frauenskeletten aus dem hallstattzeitlichen Gräberfeld legen nahe, dass Frauen üblicherweise auf einer Schulter eine schwere Last getragen haben. Die Spuren können durch zwei unterschiedliche Trageweisen verursacht worden sein. Entweder hat eine Frau die schwere Last mithilfe eines Riemens, der über die Schulter lief, getragen oder zwei Frauen haben das Salz mit einer Tragestange transportiert. Im Bergwerk wurden allerdings weder Tragestangen gefunden, noch ließ sich bislang eine größere Menge an Leder- oder Fellriemen feststellen, die dazu genutzt worden sein könnten.

Fäkalien

Exkremente wurden an beinahe allen Stellen des hallstattzeitlichen Betriebsabfalls entdeckt. Daher dürfte es in dieser Zeit keine speziellen Plätze gegeben haben, an denen die Bergleute ihre Notdurft verrichteten. Aus der vorangehenden Bronzezeit wurden bislang nur sehr wenige Exkremente gefunden. Da es sich mit den Nahrungsmittelresten ähnlich verhält, ist davon auszugehen, dass sich in der Hallstattzeit die Aktivitätszonen und Abfallentsorgungsstrategien im Bergwerk verändert haben. In den Fäkalien aus der Hallstattzeit konnten Darmparasiten nachgewiesen werden. Sie verursachten unangenehme Symptome wie Bauchschmerzen, Koliken, Durchfall, aber auch Verstopfung.

 
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Blütezeit der Salzproduktion in der Hallstattzeit

Die Ältere Eisenzeit – Hallstattzeit – ist die Blütezeit der Salzproduktion in Hallstatt. Das Salz bescherte Hallstatt sagenhaften Reichtum und machte diesen abgelegenen Ort zu einem bedeutenden Wirtschaftszentrum. Luxusgüter aus ganz Europa finden sich in den Gräbern des weltberühmten Gräberfeldes im Salzbergtal. Wie sie nach Hallstatt gelangten und ob dies im direkten Tausch gegen Salz geschah, ist unklar. Unzweifelhaft ist jedoch, dass diese Objekte in direktem Zusammenhang mit dem Salzbergbau stehen. Wenden wir uns also diesem Bergbau zu.
 

Archäologische Zeugnisse des Bergbaus der Hallstattzeit

Im 13. Jh. v. Chr. wurde laut aktuellem Forschungsstand der bronzezeitliche Bergbau verschüttet. Erst 300 Jahre später, und an vollkommen anderen Stellen, ist wieder Bergbauaktivität nachweisbar. Es handelt sich nun um den Bergbau der Älteren Eisenzeit. Die Fundpunkte dieses Bergbaus streuen über eine Fläche von 54.000 m². Bis in eine Tiefe von 200 m drangen die hallstattzeitlichen Bergleute vor. Dieser Abbaubereich wird heute nach Othmar Schauberger als „Ostgruppe“ bezeichnet. Doch was geschah in den Jahrhunderten zwischen dem Ende des bronzezeitlichen und dem Beginn des hallstattzeitlichen Abbaus? Hatte man unter dem Eindruck der großen Katastrophe im 13. Jh. v. Chr. den Abbau gänzlich aufgegeben? Wie erklärt sich in diesem Fall der voll entwickelte, perfekt organisierte Bergbau, der uns um 900 v. Chr. schlagartig vor Augen tritt? Möglicherweise endete die Bergbauaktivität in Hallstatt nicht mit dem 13. Jh. v. Chr. Sie könnte an eine andere Stelle verlegt worden sein. Eine Stelle, die bis heute noch nicht entdeckt bzw. erkannt wurde. Dort könnte sich über einen Zeitraum von 300 Jahren jene Form des Bergbaus entwickelt haben, die wir heute als hallstattzeitlichen Bergbau kennen. Dass dieser Bereich bislang nicht entdeckt wurde, ist weniger erstaunlich, als es zunächst scheint. Denn wir können nur über jene Stellen im Salzberg Auskunft erhalten, die vom modernen Bergbau berührt wurden. Doch existieren weite Areale im Berg, die in historischer Zeit nie aufgefahren wurden.
 

Neue Abbaustrategie und Technologie

Eine vollkommen neue Abbaustrategie und Technologie kennzeichnet den Bergbau der Älteren Eisenzeit. Zwischenformen oder Übergänge zur Bronzezeit sind kaum zu erkennen. Von der bronzezeitlichen Schachtbaustrategie wurde nichts übernommen. Im Gegensatz zur Bronzezeit ging man nun auf der Suche nach den reichen Kernsalzzügen nicht mehr vertikal in die Tiefe, sondern legte horizontale Abbauhallen an, die dem Kernstreichen des Salzes, d.h. dem Verlauf der Salzadern, folgten. Wie nach dem Lehrbuch organisiert wirkt der hallstattzeitliche Bergbau. Die Erschließung der Lagerstätte, das heißt das Zugänglichmachen und die Errichtung der Infrastruktur, erfolgte, wie es scheint, in wenigen Jahrzehnten. Parallel dazu begann der Abbau. Die Abbaue erreichten enorme Dimensionen.  Um die hohen Abbauhallen auszuhauen, gingen die Bergleute wahrscheinlich in einem stufigen Abbau nach oben. Funde von Bühnen, die eine andere Form des Abbaus ermöglichen würden, fehlen bislang weitgehend. Ob diese Abbaustufen in Längs- oder Querrichtung des Baues angeordnet waren, bleibt unklar.
 

Das Ende des hallstattzeitlichen Bergbaus

Um die Mitte des 4. Jh. v. Chr. kam es in Hallstatt zum plötzlichen Erliegen des bis dahin florierenden Salzbergbaus. Welches Ereignis beendete die Bergbauaktivität? An fast allen bekannten Fundstellen zeigt sich ein ähnliches Bild: die Abbauhallen sind meterdick mit feinkörnigem Tagmaterial, das Steine und Blöcke verschiedener Größenordnungen enthält, verfüllt. Auch ober Tage finden sich aussagekräftige Spuren. An einigen Stellen überdecken bis zu 8 m Schutt und Erde die ursprüngliche Oberfläche. Massenbewegungen, wie Murenabgänge und Schuttströme, ereignen sich auch heute noch in der Region, so z.B. im Jahr 1920 am Sandling bei Altaussee.  

(Reschreiter, H. – Kowarik, K. – Löw, C.)