hallstatt
 

Die Entdeckung des prähistorischen Bergwerks

Die prähistorischen Bergwerke waren für den späteren Bergbaubetrieb, der mindestens seit 1311 im nassen Abbauverfahren Salz gewann, ein Störfaktor. Das Heidengebirge konnte den Laugbetrieb mitunter sogar zum Erliegen bringen, daher wurde über die betroffenen Bereiche präzise Buch geführt. Weil der Salzberg Hohlräume rasch wieder schließt, sind heute zwar die meisten der entdeckten Fundpunkte nicht mehr zugänglich, aber viele von ihnen lassen sich noch aus Schriftquellen erschließen.

Schriftquellen zum prähistorischen Abbau
Der nasse Abbau
Die Entdeckung des Christian von Tuschwerk
 

Schriftquellen zum prähistorischen Abbau

Spuren des prähistorischen Bergbaus sind in Chroniken, Werkerfaszikeln, Reiseberichten, Visitationsprotokollen usw. erhalten. Denn seit jeher werden im Bergbau Aufzeichnungen zu den Produktionsstätten gemacht. Diese erwähnen im Fall von Hallstatt immer wieder Funde, die man sich nur durch die Anwesenheit von älterem Bergbau an derselben Stelle erklären kann. Die Funde werden anfänglich weniger aus historischem Interesse angeführt, sondern weil diese Einschlüsse den Laugbetrieb in den jeweils betroffenen Laugwerken stören oder sogar zum Erliegen bringen. Eine exakte Dokumentation ist daher eine bergbauliche Grundbedingung.
 

Der nasse Abbau

Das effektivste Abbauverfahren in den alpinen Salzlagerstätten ist der „nasse Abbau“. Hierbei wird das Salz aus den salzhaltigen Schichten der Lagerstätte herausgelaugt. Dabei arbeitete man sich systematisch von oben nach unten durch die Lagerstätte. Diese wurde in horizontale Stollensysteme, in sogenannte Abbauhorizonte, gegliedert. Der Höhenunterschied zwischen den Abbauhorizonten beträgt mindestens 30 Meter. Zwischen diesen wurden Hohlräume angelegt, sogenannte Laugwerke, die vom oberen Horizont aus mit Süßwasser gefüllt werden. Es wird nur das Salz aus dem Berg gelöst, die anderen Bestandteile sind wasserunlöslich und sinken als Bodensatz ab. Hundert Liter Süßwasser können etwa 33 kg Salz aufnehmen. Ist dieser Sättigungsgrad erreicht, wird das Wasser als „Sole” über den jeweils unteren Horizont abgeleitet und fließt zur Sudhütte, wo das Salz durch Verdampfen der Flüssigkeit zurückgewonnen wird.

Im Zuge des Abbaus wurden die prähistorischen Bereiche zwangsläufig angeschnitten, beim Anlegen der Stollen und Laugwerke sowie beim Laugen selbst. Seit 1311 ist nasser Abbau für Hallstatt urkundlich belegt, somit wird der Hallstätter Salzberg seit knapp 700 Jahren sozusagen systematisch „durchleuchtet“. Überall dort also, wo Salzabbau stattfand, sind wir somit über eventuelle prähistorische Spuren informiert. Doch überall dort, wo aus unterschiedlichen Gründen kein Salz abgebaut wurde, bleibt uns der Berg verschlossen. Wir wissen nicht, ob an diesen Stellen in prähistorischer Zeit Bergbau betrieben wurde oder nicht. Das älteste Dokument, das über die Spuren eines älteren Bergbaus berichtet, stammt aus dem Jahr 1713. Es handelt sich dabei um die Chronik von Hans Riezinger. Aus dem mittelalterlichen Bergbau haben sich keine Unterlagen erhalten. Doch auch die Bergleute des Mittelalters müssen immer wieder auf die Spuren des prähistorischen Abbaus gestoßen sein.
 

Die Entdeckung des Christian von Tuschwerk

Die meisten Bereiche, in denen im Hallstätter Salzberg ab dem Mittelalter prähistorische Bergbauspuren entdeckt wurden, sind heute nicht mehr zugänglich. Daher geschieht auch ein wesentlicher Teil der archäologischen Forschungsarbeit nicht im Bergwerk, sondern zunächst in den Archiven. So hob Margarita Pertlwieser vom oberösterreichischen Landesarchiv im Zuge systematischer Untersuchungen einen echten Schatz. Sie entdeckte ein Visitationsprotokoll aus dem Jahr 1748, aus dem hervorgeht, dass man im Salzberg auf ein sehr altes „Gebäu“, Leuchtspäne und andere Reste gestoßen war. Dies lieferte den ausschlaggebenden Hinweis auf eine der reichsten und faszinierendsten Fundstellen im Salzberg – das bronzezeitliche Abbaurevier im Christian von Tuschwerk. Dieses wird seit 1992 systematisch erforscht.

(Kowarik, K. - Reschreiter, H. - Löw, C.)