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Die Anfänge der Salzgewinnung

Es ist davon auszugehen, dass die Menschen das Salz, das in Hallstatt in Form von Solequellen zu Tage trat seit ihrer Anwesenheit dort nutzten. Wann man von der Nutzung der Sole auf die bergmännische Gewinnung des Salzes überging und begann, Stollen zu graben, ist zur Zeit nicht zu beantworten. Ein Hirschgeweihpickel, der um 5000 v. Chr. oben im Salzbergtal benutzt wurde, könnte ein Hinweis auf bergmännische Tätigkeit sein. Im benachbarten Bayern sind um diese Zeit schon ausgedehnte Feuersteinbergwerke in Betrieb.

Nutzung der Solequellen
Die Briquetage-Technik
Ethnoarchäologische Überlegungen
Indizien zu den Anfängen des Bergbaus in Hallstatt
 

Nutzung der Solequellen

Die Anfänge der Hallstätter Salzgewinnung liegen im Dunkeln. Es stellt sich nicht nur die Frage nach dem „wann“, sondern auch nach dem „wie“. Mit welcher Technik wurde am Salzberg erstmals Salz gewonnen? Begann man tatsächlich direkt mit dem untertägigen Salzabbau? Es ist die einzige nachgewiesene prähistorische Gewinnungstechnik in Hallstatt. Dennoch geht die Archäologie davon aus, dass das Salz zunächst aus natürlicher Sole gewonnen wurde. Denn das Steinsalz, das ab der Bronzezeit im untertägigen Verfahren abgebaut wurde, ist von einer über 30 m mächtigen nicht salzhaltigen Schicht bedeckt und daher nur schwer zugänglich. Hingegen tritt am Berg salzhaltiges Wasser an die Oberfläche – Solequellen. Mit verschiedenen Techniken kann aus Sole Salz gewonnen werden.
 

Die Briquetage-Technik

Besonders bekannt und in Europa großflächig und häufig nachgewiesen ist die sogenannte
„Briquetage-Technik“. Hierbei wird die Sole in eigens gefertigten und nur einmal verwendeten Gefäßen – der Briquetage – auf riesigen Öfen verdampft. Wenn alles Wasser verdampft ist, werden die Tongefäße zerschlagen und die Salzziegel entnommen. Dem Archäologen bleiben charakteristische Spuren in Form von Tonscherben und verziegelter Erde. Die ältesten bekannten Salzproduktionsstätten Europas sind bereits für das 6. Jahrtausend v. Chr. nachgewiesen. Hier wurde das Salz aus Solequellen gewonnen. Salz kann jedoch auch ohne Zuhilfenahme von Gefäßen aus Sole gewonnen werden.
 

Ethnoarchäologische Überlegungen

So ist aus Papua Neuguinea ein Verfahren bekannt, bei dem Pflanzen die Tongefäße ersetzen. Bestimmte Pflanzen werden über Nacht in Solebassins eingelegt. Ihre großen Poren nehmen das Salzwasser auf. Danach werden sie verbrannt. Dabei verdampft das Wasser aus der Sole, und das Salz kristallisiert in Form der Poren der Pflanze. Diese Salzkristalle werden dann aus der Asche des Feuers gesammelt, befeuchtet und zu Salzziegeln gepresst. Archäologisch ist diese Form der Salzgewinnung nur sehr schwer nachzuweisen, da von diesem Prozess lediglich Asche zurückbleibt.
 

Indizien zu den Anfängen des Bergbaus in Hallstatt

Wann man in Hallstatt von der vermuteten Salzproduktion aus Sole zur bergmännischen Gewinnung überging, ist unklar. Bereits der 7000 Jahre alte Hirschgeweihpickel könnte als Hinweis auf untertägigen Abbau aufgefasst werden. Möglich ist allerdings auch, dass er zur Erweiterung einer Quellfassung eingesetzt wurde. Bleibt noch festzustellen, dass man bereits in der Jungsteinzeit über bergmännisches „Know-how“ verfügte, wie die ausgedehnten Feuersteinabbaureviere in Bayern und anderen Regionen eindrücklich vor Augen führen.

(Reschreiter, H. – Kowarik, K.)