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Arbeitsalltag in der Hallstattzeit

In der Hallstattzeit lässt sich im Bergwerk ein gezieltes Ressourcenmanagement nachweisen. Zahlreiche Funde von menschlichen Exkrementen gewähren außerdem einen recht detaillierten Einblick in die Ernährungsgewohnheiten der hallstattzeitlichen Bergleute.

Ressourcenmanagement
Essen und Trinken unter Tage
Das hallstattzeitliche Ritschert
Andere Nahrungsreste
 

Ressourcenmanagement

In vielen Bereichen dürfte sich der Arbeitsalltag der hallstattzeitlichen Bergleute nicht sehr von jenem der bronzezeitlichen Menschen unterschieden haben. Denn an den Grundbedingungen änderte sich wenig. Doch zeigen sich auch Unterschiede. Diese sind zum Teil auf die veränderte Abbautechnologie zurückzuführen, dürften aber auch veränderte gesellschaftliche Bedingungen widerspiegeln. So lässt sich im Fundmaterial des hallstattzeitlichen Bergwerks ein sehr gezieltes Ressourcenmanagement ablesen. Ein Teil der eisenzeitlichen Funde weist zahlreiche Reparaturstellen auf, und vieles wird nach dem Zubruchgehen einer weiteren Verwendung zugeführt. Auch der bronzezeitliche Bergbau agiert ökonomisch und durchdacht, doch nimmt er sich im Vergleich zur Eisenzeit fast verschwenderisch aus. Eine Erklärung für diesen veränderten Umgang mit den Ressourcen liegt vorerst nicht vor. Ist es möglich, dass sich der mächtige Salzproduzent in Nöten befand? Oder drückt die „eisenzeitliche Sparsamkeit“ einen gesellschaftlichen Wert aus?
 

Essen und Trinken unter Tage

Andere Fragen sind leichter zu beantworten. Was aß man im eisenzeitlichen Bergwerk? Ein Kochlöffel mit Speiseresten, Spanschachteln mit Käsekruste, Haselnussschalen, Scherben von Tontöpfen, menschliche Exkremente – diese Funde geben Aufschluss über den wichtigsten und alltäglichsten Bereich des menschlichen Lebens. So veranlassen die Funde von Kochlöffeln und Scherben von großen Tontöpfen zu der Annahme, dass direkt vor Ort in der Grube gekocht wurde. Große angekohlte Holzstücke zeigen, dass man große Feuer unterhielt, die nicht nur als Lichtquelle und wohl auch als Kochfeuer dienen konnten, sondern auch die Grubenluft erwärmten und dadurch den Wetterzug stimulierten. Was wurde nun an den großen Kochfeuern zubereitet?
 

Das hallstattzeitliche Ritschert

Über die Art der Speisen informieren vor allem zahlreiche Funde menschlicher Exkremente. Aus den eisenzeitlichen Abbaurevieren liegen wesentlich mehr Exkrementfunde vor als aus jenen der Bronzezeit. Ihre botanische Untersuchung ergab eine nahezu stereotype Zusammensetzung aus Gerste, Hirse und Saubohne. Funde von abgenagten Tierknochen ergänzen diesen Speisezettel: Fußknochen von Schwein und Schaf oder Ziege sowie Schwanzknochen und Rippen. Genau diese Zutaten – „minderwertige“, schwartenreiche Fleischteile, Gerste, Hülsenfrüchte und früher auch Hirse – werden heute noch zu einem deftigen Eintopf verkocht, der zu den typischen Gerichten ostalpiner Regionalküchen gehört: das sogenannte Ritschert. Einen vergleichbaren Eintopf dürften auch die Hallstätter Bergleute in der Grube zubereitet und verspeist haben. Das „hallstattzeitliche Ritschert“ bietet eindeutige ernährungsphysiologische Vorteile: Gerste und Hirse liefern die notwendigen Kohlehydrate und Ballaststoffe, die Saubohnen das Eiweiß und das knorpelreiche Fleisch Fett und Gelatine, die sich äußerst vorteilhaft auf die Gelenke auswirken und viel Energie geben. Die Abnutzungsspuren in und an den hölzernen Schalen aus dem Bergwerk lassen vermuten, dass das Ritschert daraus gegessen wurde. Essbesteck wurde bislang nicht nachgewiesen. Wahrscheinlich aß man das Ritschert mit den Fingern oder schlürfte es, falls es sehr flüssig zubereitet war.
 

Andere Nahrungsreste

Doch die Bergleute nahmen nicht nur Ritschert zu sich. Haselnussschalen, Obstkerne und Spanschachteln, in denen chemischen Analysen zufolge wahrscheinlich Käse aufbewahrt wurde, bezeugen einen abwechslungsreichen Speisezettel. Die Größe der bisher entdeckten über 20 Spanschachteln variiert stark von nur wenigen Zentimetern Länge bis hin zu Stücken mit einer Länge von über 20 cm. Die Form kann rund oder oval sein. Die Wand der Spanschachteln ist immer aufwendig verziert.

(Reschreiter, H. - Kowarik, K. - Löw, C.)