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Ausgraben unter Tage

Bei montanarchäologischen Untersuchungen steht den Forscherinnen und Forschern nur ein kleiner Teil jener Methoden zur Verfügung, die bei obertägigen Grabungen genutzt werden können. Zudem können sie nur sehr begrenzt selbst bestimmen, welche Bereiche sie untersuchen wollen.
 
 

Erschwernisse montanarchäologischer Untersuchungen

Archäologischen Untersuchungen sind in einem Bergwerk enge Grenzen gesetzt. Wichtige Methoden, die bei obertägigen Ausgrabungen standardmäßig angewandt werden, sind hier nicht einsetzbar. Dies gilt im Besonderen für die Methode der Prospektion, mit der unter normalen Umständen die Größe einer Fundstelle, ihr Umfeld, die Ausdehnung einer prähistorischen Siedlungsregion oder allgemein die Verteilung von Fundstellen in der Landschaft abgeklärt werden. Prospektion zielt auf die systematische großflächige Erfassung der räumlichen Verteilung von Fundobjekten innerhalb einer Fundstelle oder von Fundstellen in der Landschaft ab. Dies geschieht mittels verschiedener Techniken: Landschaftsbegehung durch Personen, Messungen der physikalischen Eigenschaften des Bodens (Georadar, Geomagnetik) und Luftbildarchäologie.

Im Salzberg jedoch ist man auf kleine, willkürliche Ausschnitte angewiesen, da nur über jene Stellen Aussagen getroffen werden können, an denen der Bergbau seit 1311 tätig war. Messungen mit Georadar oder Geomagnetik sind im Salzberg nicht sinnvoll. Das bedeutet, dass die Situation im Berg nur an den Stellen gut bekannt ist, an denen der moderne Bergbau großflächig tätig war. Dort, wo dies nicht der Fall ist, liegen keine Informationen über prähistorische Spuren vor. So ist es unmöglich, Aussagen über die äußeren 20-30 Meter des Salzlagers zu treffen. Diese wären jedoch von besonderem archäologischem Interesse, da hier in diesen oberflächennahen Schichten Spuren der ältesten Bergbauaktivitäten zu erwarten sind. Doch wurden diese Bereiche neuzeitlich nicht ausgebeutet, da die erforderliche Bergfeste für den Laugwerksbetrieb nicht gegeben war. Auch das Werkzeug für Ausgrabungen ist im Bergwerk ein anderes. Da die ehemaligen Hohlräume durch den Bergdruck wieder geschlossen wurden und in Folge das Heidengebirge wieder zu festem Gestein verpresst wurde, kann nur mit dem Presslufthammer „ausgegraben“ werden, und nicht mit Schaufel und Kelle. Bei der Dokumentation von Funden und Befunden müssen ebenfalls andere Wege gegangen werden.

(Reschreiter, H. – Kowarik, K. – Löw, C.)