16. November 2018

Krieg in der Bronzezeit


Nach aktueller archäologischer Faktenlage ist das kulturelle Phänomen Krieg erstmals kurz nach Beginn der Jungsteinzeit fassbar – stets in Verbindung mit Sesshaftigkeit, Bevölkerungswachstum, Besitz, Ressourcenmangel, Grenzbildung und stärkerer Hierarchisierung.
 
Spätestens die bronzezeitlichen Herrscher verfügten wohl über professionelle Armeen. Die Entwicklung vom Kämpfer über die ersten Krieger am Ende der Jungsteinzeit zu den „Soldaten“ der Bronzezeit war damals abgeschlossen. Parallel dazu erfolgte eine Waffenspezialisierung. Am Ende der Bronzezeit waren damit in Mitteleuropa all jene Komponenten vorhanden, die die Kriegsführung späterer Zeiten bestimmten.
 
Das bislang älteste Schlachtfeld Europas liegt in Mecklenburg. Systematische Untersuchungen erbringen Indizien für einen gewaltsamen Konflikt, dessen Ausmaß zuvor für mitteleuropäische Verhältnisse kaum für möglich gehalten wurde. Mit Hunderten Toten und nach Schätzungen mehreren Tausend Beteiligten ging dieser Kampf weit über einen Streit regionaler Gruppen hinaus.
 
Isotopen- und Waffen-Analysen deuten auf eine unterschiedliche Herkunft der Kämpfer. Offenbar kämpften hier Ansässige mit Pfeilspitzen aus Feuerstein und Holzkeulen gegen Eindringlinge mit moderneren Waffen aus Bronze, wie sie weiter im Süden bereits verwendet wurden.
 
Die standardisierte Pfeilbewaffnung, der Einsatz von Pferden sowie verheilte Verletzungen bei den Kämpfern zeigen, dass an der Schlacht viele „erfahrene Krieger“ teilnahmen. Das Kommando führten möglicherweise ranghohe Persönlichkeiten, deren Goldschmuck auch auf dem Schlachtfeld blieb. Vor allem junge Männer kämpften hier mit Pfeil und Bogen, Lanze, Schwert, Messer, Keule und Beil, wobei die Distanzwaffe Pfeil offenkundig eine zentrale Rolle spielte.
 
Insgesamt 10.000 Menschenknochen von mindestens 130 Personen wurden bislang im Tollensetal geborgen, davon allein 77 Personen an der Hauptfundstelle. Meist lagen die Knochen nicht mehr im anatomischen Verband, gelegentlich nur einzelne Körperpartien. Vermutlich hat die Strömung die Leichenteile kleinräumig verlagert. Unter den Toten befanden sich wenige Frauen und Kinder, sondern vor allem 20- bis 40-jährige Männer mit zahlreichen unverheilten Verletzungen, die von einer Beteiligung an einem bewaffneten Kampf zeugen. Meist wurden Pfeilschuss- und Stichverletzungen diagnostiziert, aber auch verschiedenartige Hieb- und Schlagwunden.

:
06. November 2018

Die Gräber im Marchfeld


Die Erforschung des Phänomens „Krieg“ hat in den letzten 20 Jahren enorme Fortschritte gemacht: Schlachtfelder und Befestigungen wurden ausgegraben, Massengräber geborgen, unzählige Skelette mit Verletzungsspuren untersucht, Waffen sowie bildhafte Darstellungen und historische Texte analysiert. Archäologische und anthropologische Forschungen liefern wichtige Erkenntnisse über Kriegsführung in der Geschichte.
 
So lässt sich auch aus den Knochen jener Soldaten, die 1809 im napoleonischen Krieg auf den Schlachtfeldern von Aspern und Deutsch-Wagram getötet wurden, mit forensisch-anthropologischen Methoden viel über das Schicksal einzelner, an der Schlacht beteiligter Menschen ablesen.
 
Seit März 2017 werden großflächige Bereiche der S8 – Marchfeldschnellstraße im Auftrag der Asfinag archäologisch untersucht. Denn an der Stelle, wo zukünftig die S8 verlaufen wird, fand diese Schlacht 1809 – eine der größten Schlachten der napoleonischen Zeit – statt. Archäologische Zeugnisse sind heute noch im Boden verborgen und werden systematisch geborgen, dokumentiert und ausgewertet.
 
„Was als ‚Standard‘-Rettungsgrabung im Frühling 2017 begonnen hat, hat doch einige unerwartete Wendungen genommen. Zwar wussten wir, dass hier das Schlachtfeld von der Schlacht bei Wagram im Jahr 1809 war; jedoch die Fülle an Funden und Befunden ist außergewöhnlich. Insbesondere die zahlreichen Skelette, ob in Einzel- oder Mehrfachbestattungen, haben wir nicht in dieser Form erwartet.
Die Grabungen sind noch nicht abgeschlossen, aber dennoch liegen schon einige Ergebnisse vor. Vor allem die interdisziplinäre Zusammenarbeit mit HistorikernInnen und AnthropologInnen liefert einzigartige Erkenntnisse“, erzählt Alexander Stagl, Projektleiter der Grabung, Novetus Gmbh – Archäologie und Architektur.
 
Die vielen Ergebnisse der Grabung darzustellen, ist eine Herausforderung. Daher wurden für die Ausstellung Videos gedreht, die Einblicke in die Grabung geben. Mittels QR-Codes könnten die Videos vor Ort heruntergeladen und angesehen werden.
 
Außerdem kann auf einem Touchscreen die Grabung durch den Besucher selbst "durchgeführt" werden. Eine detailgenaue Visualisierung der Felder befindet sich in der Ausstellung und veranschaulicht auf intensive Weise die Dimensionen der Grabung.

[Visualisierung durchgeführt von der Agentur "P&R"]

Veranstaltungstipp:
 
Mittwoch, 7. November 2018, 18.30 Uhr:
"Das Schlachtfeld von Deutsch Wagram – Eine archäologische Untersuchung"
Alexander Stagl, Slawomir Konik (Novetus GmbH – Archäologie und Architektur)
 
Alexander Stagl ist Projektleiter und wird die Grabung im Überblick vorstellen.
Slawomir Konik ist Grabungs- und wissenschaftlicher Leiter bei diesem Projekt und wird die ersten Ergebnisse präsentieren.
02. November 2018

Vom Werkzeug zur Waffe


Die Ausstellung behandelt die kulturelle Evolution von Krieg, die Entwicklung kriegerischer Auseinandersetzungen seit der Frühgeschichte.
 
Beim Menschen greifen biologische und kulturelle Evolution stark ineinander. Ironischerweise bringt diese schöpferische Kraft auch tödliche Waffen hervor; die bio-kulturelle Evolution des Menschen beinhaltet daher auch eine Evolution des Krieges. Gezeigt wird die Entwicklung vom Werkzeug zur Waffe, vom Einzelfall zum Massenmord, vom mythischen „Helden“ zum namenlosen Soldaten als „Kanonenfutter“...
 
Bis in die Jungsteinzeit verwendete man bei Gewaltkonflikten Werkzeuge und auch Jagdwaffen: Beile, Steinkeulen oder Pfeil und Bogen zum Beispiel. Der Beginn der Entwicklung reiner Kriegswaffen lässt sich indes nur schwer ausmachen. Insbesondere bei den Schutzwaffen ist zu vermuten, dass solche Waffen aus Holz und Leder oft nicht erhalten blieben und daher viel älter sind, als es die bislang bekannten Originale vermuten lassen.
 
Zweischneidige Dolche aus Kupfer sind ab dem 4. Jahrtausend (Späte Jungsteinzeit) bekannt. Dolche waren gleichzeitig Waffe, Werkzeug und Statuszeichen.
 
Die Lanze aus Metall gehörte ab der frühen Bronzezeit zur Ausrüstung des Fußkriegers. Ab der späten Bronzezeit bekleideten Reiterkrieger in der bäuerlichen Gesellschaft eine hohe soziale Stellung. Sowohl Fußkrieger als auch Reiter kämpften mit Lanzen.
 
Ab der Mitte des 2. Jahrtausends v. Chr. (Bronzezeit) setzte sich das Bronzeschwert als Nahkampfwaffe und Statuszeichen des Kriegers durch. An der Form der Klinge lässt sich die Kampftechnik ablesen. Die frühen Langschwerter mit spitz zulaufenden Klingen wurden als Stichwaffen verwendet. Die Schwerter mit stumpfem Ende sind Hiebwaffen und dürften mit der berittenen Kampfweise ab der späten Bronzezeit zusammenhängen. Das kombinierte Stich- und Hiebschwert vereint die Funktionen von Dolch und Streitaxt. Ab dem 6. Jahrhundert v. Chr. (ältere Eisenzeit) wurden Schwerter aus Eisen geschmiedet.
 
Das Schwert ist das erste Instrument, das ausschließlich als Kampfwaffe zum Töten von Menschen entwickelt wurde. Davor kämpften die Menschen der Steinzeit mit Jagdwaffen, Werkzeugen und landwirtschaftlichen Geräten gegeneinander.
 
 
Veranstaltungstipp:
Barbara Hirsch führt am Sonntag, 4. November, um 15:30 Uhr zum Thema „Vom Überfall zum Schlachtfeld“ durch die Ausstellung.
Gesellschaftliche Veränderungen zeigen sich auch in der Art und Weise, wie Krieg geführt wird. Die Führung stellt Taktik, Waffen und soziale Zusammenhänge im Wandel der Zeit vor.
 
Im Video veranschaulicht Barbara Hirsch kurz die Entwicklung der Waffen vom Werkzeug zum Kriegsinstrument:


31. Oktober 2018

Individuum 13


Im Massengrab von der Schlacht bei Lützen (1632) befinden sich 47 Skelette. Die Geschichte eines der 47 Individuen wird hier rekonstruiert:

Individuum 13 stürzte beim Angriff der Infanterie vom Pferd und verblutete. Das wissen Forscher nach zahlreichen bioarchäologischen Untersuchungen, die am Skelett des Mannes vorgenommen wurden. Ein schwedischer Soldat hatte ihm mit einem stumpfen Gegenstand einen Schlag an die Stirn versetzt, sein rechter Mittelfußknochen barst, sterben musste er letzten Endes aufgrund eines Schwertstichs im Bauchraum. Als die Schlacht von Lützen am 16. November 1632 im Morgengrauen ihren Lauf nahm, war Individuum 13 mit seinen 25 bis 30 Jahren im besten Soldatenalter. 14 Kriegsjahre hatte der junge Mann unbeschadet überstanden; dass er vom Pferd fiel, war sein Todesurteil: Weil er in seiner Jugend einen Oberschenkelbruch erlitten hatte, war sein rechtes Bein um acht Zentimeter kürzer als das linke. Er humpelte stark und hatte keine Chance schnell genug vor den feindlichen Soldaten wegzulaufen. So starb er mit rund 6.000 anderen Soldaten in der blutreichsten Schlacht des Dreißigjährigen Krieges. Mit hoher Wahrscheinlichkeit, ohne aus ideeller Gesinnung oder religiösen Gründen gekämpft zu haben: Missernten und Hungersnöte hatten ihn in Hinblick auf sicheres Soldatensold in den Krieg getrieben. Sein Leichnam wurde – mit dem Gesicht nach oben, nackt und jeglichen Besitzes beraubt – als einer der letzten ins Lützener Massengrab gelegt, das eines der Hauptausstellungsstücke unserer Sonderschau „Krieg. Auf den Spuren einer Evolution“ ist. Mit den abgespreizten Armen erinnert Individuum 13 an die Darstellungen von Jesus Christus am Kreuz. Ob er von den Dorfbewohnern mit Absicht so drapiert wurde oder ob er schlicht nach dem Wurf in die Grube auf diese Art zum Liegen kam, ist bis heute Anlass für Spekulationen.

Am 1. November ist Allerheiligen. Individuum 13 erinnert uns an die vielen sinnlosen Opfer, die Kriege von Beginn an fordern.



:
:
:

:
:
:
29. Oktober 2018

#NHMLoveNotWar


"Make love, not war" – unter diesem Motto möchten wir die digitale Welt mit Frieden fluten und laden Sie zur Teilnahme am Fotowettbewerb ein!
Teilen Sie Ihre individuellen Bilder von Frieden und Liebe als Gegenpol zu Krieg – egal, ob in der Stadt, in der Natur oder in Ihrem persönlichen Umfeld!



Seit 24. Oktober 2018 zeigen wir die Ausstellung „Krieg. Auf den Spuren einer Evolution“ und Sie können mit Ihren Fotos Teil davon werden. Zeigen Sie uns Ihre Friedensbotschaft!

Einreichungen sind von 24. Oktober 2018 bis 31. März 2019 auf Instagram unter dem Hashtag #NHMLoveNotWar möglich. Partner der Challenge sind Instagramers Austria und Instagramers Vienna.

Die schönsten Bilder werden monatlich ausgewählt und ab 28. November 2018 laufend in der „Friedenswerkstatt“ in Saal 50 auf einem Screen gezeigt.
Die 20 besten Fotos davon werden darüber hinaus in einem Friedens-Buch gesammelt, das am Ende der Ausstellung dem Bundespräsidenten von Österreich überreicht wird.


Die Entscheidung wird von einer Jury getroffen, die aus folgenden Mitgliedern besteht:
@nhmwien
@igersaustria.at
@igersvienna
:

Hashtags:
#NHMLoveNotWar – bitte verwenden Sie diesen Hashtag, damit wir die Bilder gut finden können.
Weitere: #nhmwien #nhmwienkrieg #igersvienna #igersaustria
@nhmwien @igersvienna @igersaustria
 
Gewinne:
  1. Preis: ein Muschel- oder Spargeldinner im historischen Ambiente des NHM Wien (Deluxe-Gutschein, bereitgestellt von Food Affairs),
    ein Ausstellungspaket für „Krieg. Auf den Spuren einer Evolution“ (1x2 Eintrittskarten und Ausstellungskatalog),
    1x
    Staud’s Edition „Sisi & Franz“. Zusätzlich wird das Gewinnerbild in der Ausstellung in Saal 50 gezeigt und wird zum Cover des Buches für den Bundespräsidenten.
  2. Preis: ein NHM Wien-Museumspaket: 1x2 Eintrittskarten, ein Gutschein für eine Themenführung Ihrer Wahl, ein Buch über die Schausammlung des Museums,
    1x
    Staud’s Edition „Sisi & Franz“.
  3. Preis: 1x2 Eintrittskarten für das NHM Wien,
    1x
    Staud’s Edition „Sisi & Franz“.
     
50 von der Jury ausgewählte Bilder werden in der Ausstellung in Saal 50 auf einem Screen gezeigt und ergänzen so die „Friedenswerkstatt“ parallel zu „Krieg. Auf den Spuren einer Evolution“ im Hochparterre. Außerdem werden die davon 20 besten Bilder in einem Friedens-Buch für den Bundepräsidenten von Österreich abgedruckt, welches ihm am Ende der Ausstellung überreicht wird.


Die GewinnerInnen werden per Privatnachricht direkt auf Instagram kontaktiert.
Bei Verwendung des Hashtags #NHMLoveNotWar ist auch eine Teilnahme über Facebook möglich.

Alle Teilnahmebedingungen finden Sie hier.
26. Oktober 2018

Poetische Führung


Vermessenes Versprechen

Wie machtbewusst das klingt:
Wir retournieren unbekannten Toten
nach langen Jahren ihre Biographie.
Und ein gewisser Stolz
ist zweifellos berechtigt:
Wir haben jetzt,
nach intensiver Forschung,
ein deutlich besseres Bild
von Dutzenden Soldaten,
die in der Schlacht bei Lützen
ihr Leben lassen mussten.
 
So wissen wir,
woher sie kamen
und woran sie starben,
da Zähne über das Geburtsland
Auskunft geben
und Rippenknochen
über eine karge Kindheit;
und auch die Mühen
des Soldatenlebens
sind vielfach nachvollziehbar:
der langen Märsche Qual,
die ihre Spuren hinterließen
mit wunden Füßen
und gebrochenen Knochen,
mit Läusen, Flöhen, Pilzinfektionen,
mit abgenutzten
oder gar verlorenen Zähnen,
mit schmerzenden Gelenken,
schlecht verheilten Wunden,
ein mühevolles
und entbehrungsreiches Dasein,
beendet allzu oft
durch einen frühen,
zumeist auch furchtbar
würdelosen Tod.

Und doch:
Was ist das schon,
wenn dieser oder jener
der gefallenen Krieger
mit Daten ausgewertet wird
und Teil einer Tabelle,
die sich zusammensetzt
aus dürftig-dürren Fakten
ein zweifelhaftes Denkmal
ohne Namen
und ohne alle Attribute,
die einen Menschen
erst zum Menschen machen.
 
 




Wie war er?
Freundlich oder mürrisch,
zurückgezogen oder offen,
was tat er, wenn er nicht
marschierte oder kämpfte,
besaß er spezielle Fähigkeiten,
und welche Farbe
hatten seine Augen?
 
Wen oder was
hat er zurückgelassen,
bevor er in den Krieg zog,
wie viele Jahre hatte er
die Seinen nicht gesehn?
In welcher Sprache
unterhielt er sich
mit seinen Kameraden,
gab’s bei der Truppe
einen besten Freund
und warteten zu Hause
Frau und Kind?
 
Zog die Familie
vielleicht sogar mit ihm
und irrten seine Lieben
nach dem Schlachtenende
vergeblich suchend
über wüste Felder,
mit Bangen Ausschau haltend
und zugleich verzweifelt plündernd,
bestrebt, die Not
im kriegsbedingten Alltag
zumindest um ein Weniges
zu lindern?
 
In seiner Todesstunde schließlich
ward ihm bewusst,
dass er nur Spielball war,
bedenkenlos gebrachtes Opfer
in einer Schlacht,
die Tausende von Toten produzierte
und doch nach militärischen Begriffen
nicht einmal einen klaren Sieger kannte?
 
Von welchen Menschen nahm er
in Gedanken Abschied,
wenn ihm die Zeit dafür gewährt ward,
und welches Bild
trug er auf seiner Netzhaut,
als er starb?

©Brigitta Schmid

Veranstaltungstipp:

"Poetische Führung zum Thema Krieg" mit Brigitta Schmid
am 28. Oktober 2018 um 15:30 Uhr

Die Spirale der Gewalt, die durch wechselseitig Entwicklung von Angriffs- und Schutzwaffen in Gang gesetzt wurde, mündete in eine Kriegsführung mit zunehmend vernichtenderen Methoden. Diese Dynamik wird in poetischen Texten thematisiert und anhand ausgewählter Objekte in der Schausammlung und Sonderausstellung Krieg - auf den Spuren einer Evolution bespielhaft veranschaulicht.

Führungskarte: 4,00 Euro, zuzüglich Eintritt
Keine Anmeldung erforderlich.

:
25. Oktober 2018

Lehren ziehen



Wie haben sich kriegerische Auseinandersetzungen im Laufe der Menschheitsgeschichte entwickelt? Wie greifen biologische und kulturelle Evolution ineinander?
Und welche Lehren kann man aus der "Sinnlosigkeit des Krieges" ziehen?

Die Entwicklung vom Werkzeug zur Waffe, vom Einzelfall zum Massenmord, vom mythischen "Helden" zum namenlosen Soldaten als "Kanonenfutter" sehen Sie in der Ausstellung.
Zentrales Ausstellungsobjekt und Mahnmal gegen den Krieg ist das Massengrab aus dem Dreißigjährigen Krieg, das in einem Block geborgen und mit modernsten Techniken untersucht wurde. So gelang es, den namenlosen Toten zumindest eine persönliche Biografie wiederzugeben.

Um diese Inhalte adäquat zu vermitteln, wird ein umfassendes Schulprogramm und Führungen für LehrerInnen angeboten:

- Führungen für LehrerInnen:
Donnerstag, 25. Oktober, um 16:30 Uhr & Mittwoch, 28. November, um 16:30 Uhr

- Führungen für SchülerInnen:
Es sind jederzeit Schulführungen ab der 7. Schulstufe mit einer Dauer von 80 Minuten buchbar.

- Friedenswerkstatt - Workshop "Krieg & Frieden":
ab der 7. Schulstufe, Dauer: 3 Stunden

Modul 1: CSI Labor "Unbekannte Tote erhalten ihre Biografie"

Modul 2: Schreibwerkstatt "Peace - Eine unterschätzte Größe"


Weiterführende Informationen hier.

Auskunft und Anmeldung unter:
+43 1 52177 335
oder via Anmeldeformular

 

:

:
24. Oktober 2018

Medizin im Ersten Weltkrieg


Parallel zur Ausstellung "Krieg. Auf den Spuren einer Evolution" in den Sonderschauräumen des Naturhistorischen Museums Wien ist in der pathologisch-anatomischen Sammlung im Narrenturm die Ausstellung "Medizin im Ersten Weltkrieg" zu sehen!

Sie zeigt, wie nachhaltig und zerstörerisch sich Krieg auf viele Überlebende auswirkt. Das lässt sich unter anderem an „zivilen“ Objekten aus der Nachkriegszeit dokumentieren. Am Ende der Ausstellungsräume im NHM Wien erinnern Prothesen an das Ende der Ersten Weltkriegs 1918 und spannen so den Bogen zu den Objekten im Narrenturm. Sie sollten den verwundeten Soldaten das Leben erleichtern und sind heute Bestandteil der pathologisch-anatomischen Sammlung des NHM Wien.

In drei renovierten Räumen im Narrenturm dokumentieren Objekte der pathologisch-anatomischen Sammlung die typischen Verletzungen des Ersten Weltkriegs, das Können Lorenz Böhlers und den Beginn der modernen Unfallchirurgie sowie die rekonstruierenden Maßnahmen des frühen 20. Jahrhunderts.

Der Erste Weltkrieg war eine kriegerische Auseinandersetzung von bis dahin unbekanntem Ausmaß. Dies stellte Sanitäter und Ärzte vor neue Herausforderungen. Zur Ausbildung von künftigen Medizinern wurden verschiedene Verletzungen präpariert und in pathologisch-anatomischen Sammlungen aufbewahrt. Diese Präparate geben einen Einblick in die unterschiedlichsten Verwundungen, mit denen Ärzte im Ersten Weltkrieg konfrontiert waren.

Link:
Pathologisch-anatomische Sammlung im Narrenturm
 

:
:
:
:
:
:
24. Oktober 2018

Die Ausstellung ist eröffnet!


Seit heute, 24. Oktober 2018, ist die neue Sonderausstellung "Krieg. Auf den Spuren einer Evolution" eröffnet.

Ein kleiner Einblick in die Ausstellung und den Eröffnungsabend am 23. Oktober:

[Eröffnungsredner v.l.n.r.: Harald Meller (Landesarchäologe Sachsen-Anhalt), Christian Köberl (Generaldirektor NHM Wien), Gunnar Schellenberger (Staatssekretär von Sachsen-Anhalt), Johannes K. Haindl (Botschafter der Bundesrepublik Deutschland in Wien)]


Link zur Ausstellung
 

:
:
:
:
:
:
:
:
:
23. Oktober 2018

Mahnmal gegen den Krieg


6. November 1632.
Mitten im Dreißigjährigen Krieg findet auf einem schlammigen Feld bei Lützen (Deutschland) eine der blutrünstigsten Schlachten statt: das schwedische Heer unter Führung von König Gustav II. Adolf kämpft gegen die katholischen kaiserlichen Truppen unter Albrecht von Wallenstein. Mehr als 10.000 Kämpfer werden getötet, entkleidet und geplündert. Bauern nehmen sich der unzähligen Leichen an und bestatten sie am Feld.
 
Hier, im Naturhistorischen Museum Wien, sind nun 47 dieser Skelette zu sehen, als Block aus dem Massengrab gehoben, wissenschaftlich untersucht und präpariert. Einige Geschichten der 47 Individuen wurden rekonstruiert und werden im Museum nacherzählt. Die Kämpfer waren normale Menschen, arm und verzweifelt und sahen im Krieg oft ihre einzige Chance, um zu überleben.
 
Warum dieses Massengrab als Mahnmal gegen den Krieg zu betrachten ist, erzählt Univ.-Prof. Dr. Harald Meller, Landesarchäologe von Sachsen-Anhalt, im Video. Was war die Motivation der Kämpfer und was können wir nun, fast 400 Jahre später, aus den Überresten dieser Schlacht lernen?

 

Veranstaltungsankündigung:

Am 24. Oktober 2018 um 18:30 Uhr spricht Univ.-Prof. Dr. Harald Meller im NHM Wien über "Helden, Fürsten und Armeen. Wie in der Bronzezeit aus Kriegern Soldaten wurden".

Am Übergang von der Jungsteinzeit zur Bronzezeit vollzog sich der Wandel hin zu einer äußerst hierarchischen Gesellschaft. Die an der Spitze stehenden Herrscher waren in ein über Europa hinausreichendes Netzwerk eingebunden und sicherten ihre Macht durch militärähnliche Organisationsstrukturen.
 
Gültige Eintrittskarte erforderlich.
Der Besuch des Vortrags ist frei.
Keine Anmeldung erforderlich.

18. Oktober 2018

Tödliche Werkzeuge


Die Ausstellung „Krieg. Auf den Spuren einer Evolution“ füllt sich, und immer mehr historische Belege von kriegerischen Auseinandersetzungen in der Menschheitsgeschichte finden in den Sonderschausälen ihren Platz!
 
Bild 1 zeigt zum Beispiel Werkzeuge, die in der Jungsteinzeit bei Gewaltkonflikten auch zu Waffen umfunktioniert wurden (u.a. auch Jagdwaffen). Der Beginn der Entwicklung reiner Kriegswaffen lässt sich indes nur schwer ausmachen. Insbesondere bei den Schutzwaffen ist zu vermuten, dass solche Waffen aus Holz und Leder oft nicht erhalten blieben und daher viel älter sind, als es die bislang bekannten Originale vermuten lassen. Steinkeulen gelten als die ältesten Waffen der Menschheit, die eindeutig auch zur Tötung von Menschen entwickelt wurden. Hölzerne Exemplare blieben selten erhalten und wurden vielleicht auch als Werkzeug verwendet.   
In dieser Vitrine sind etwa Dechsel, Steinbeile und Äxte aus Österreich und Tschechien zu sehen, von 5.300-3.300 v. Chr.
 
Bild 2 zeigt den Schädel eines 20 - bis 30-jährigen Mannes, mit einer unverheilten Lochwunde im Stirnbein, die mit einer Holzkeule zugefügt worden sein könnte. Die Verletzung stammt aus einem Kampf „Aug in Aug“ aus dem bislang älteste Schlachtfeld Europas in Mecklenburg mit einer Datierung um 1200 v. Chr. Systematische Untersuchungen erbringen seither Indizien für einen gewaltsamen Konflikt, dessen Ausmaß zuvor für mitteleuropäische Verhältnisse kaum für möglich gehalten wurde. Mit Hunderten Toten und nach Schätzungen mehreren Tausend Beteiligten ging dieser Kampf weit über einen Streit regionaler Gruppen hinaus.
 
Im Video erklärt uns Dr. Karin Wiltschke-Schrotta, interimistische Leiterin der Anthropologischen Abteilung des NHM Wien, inmitten der Aufbauarbeiten etwas genauer, was es mit diesem Schädel auf sich hat!
 
 
Bild 3 zeigt das Aufbauteam bei der Positionierung von 2.700 Bleikugeln, die – abgefeuert aus Pistolen, Karabinern und Musketen – mit Metalldetektoren auf dem Schlachtfeld von Lützen gefunden wurden. Direkt dahinter befindet sich das Massengrab aus der Schlacht von 1632.
 
Besonders viele der Gefallenen haben Schuss- und Hiebverletzungen am Schädel - offenbar das bevorzugte Ziel der Angriffe. 15 Kugeln beispielsweise stammen aus Waffen der Reiterei. Die Getroffenen müssen somit der Infanterie angehört haben. Nur sechs Kugeln sind Musketen zuzuordnen. Vergleichsweise selten sind Verletzungen des Rumpfes nachweisbar. Die Verletzungsmuster deuten darauf hin, dass überwiegend Fußsoldaten im Grab liegen, deren Aufstellung von einer Reiter-Einheit überrannt wurde. Elf Karabinerkugeln fand man im Grab, sechs davon als Kopftreffer im Schädel der Soldaten.
Je eine unverschossene Kugel trugen die Individuen Nr. 14 und Nr. 22 im Mund, um während des Kampfes schneller nachladen zu können. Eine Karabinerkugel traf Individuum 5 links in den Kopf und durchschlug den Knochen am rechten Hinterkopf, trat aber nicht aus dem Schädel aus.

 

:
Bild 1: Werkzeuge
:
Bild 2: Schädel aus dem Tollense-Tal
:
Bild 3: Auflegen von 2.700 Bleikugeln
17. Oktober 2018

Im NHM Wien herrscht "Krieg"


Die Ausstellung rückt immer näher - nur noch 5 Tage und im Museum herrscht "Krieg"!


Am 23. Oktober laden wir um 10:30 Uhr zu einer Pressekonferenz mit:

Univ.-Prof. Dr. Christian Köberl, Generaldirektor des NHM Wien
Univ.-Prof. Dr. Harald Meller, Landesarchäologe von Sachsen-Anhalt
Dr. Reinhard Golebiowski, Leiter der Abteilung „Ausstellung und Bildung“ des NHM Wien
Dr. Karin Wiltschke-Schrotta, interimistische Leiterin der Anthropologischen Abteilung und der pathologisch-anatomischen Sammlung im Narrenturm des NHM Wien
Mag. Iris Ott, Abteilung „Ausstellung und Bildung“ des NHM Wien, zum Rahmenprogramm


Vorab hat Nikolaus Täuber von der Austria Presse Agentur einen Blick auf die Ausstellung geworfen:

Archäologische Zeugen kriegerischer Auseinandersetzungen stehen ab 24. Oktober im Mittelpunkt der neuen Sonderschau des Naturhistorischen Museums (NHM) Wien. Im Stammhaus am Ring, wo man etwa ein Massengrab aus dem Dreißigjährigen Krieg sehen kann, und im "Narrenturm" mit seiner pathologisch-anatomischen Sammlung geht man u.a. der Frage nach, ob der Mensch aus der Geschichte lernt.

Die bis 28. April 2019 laufende Ausstellung "Krieg. Auf den Spuren einer Evolution" ist eine Kooperation mit dem Landesmuseum für Vorgeschichte in Halle an der Saale (Deutschland) und wird anlässlich 100 Jahre Beendigung des Ersten Weltkrieges und 400 Jahre nach Beginn des Dreißigjährigen Krieges gezeigt. Die Schau nimmt ihren Ausgangspunkt rund 7.000 Jahre in der Vergangenheit: Zu jener Zeit hat es in Schletz bei Aspern an der Zaya (NÖ) ein Massaker gegeben. Davon zeugen dort gefundene alte Waffen und Schädel mit Spuren von Gewalteinwirkung. Der Fund gilt als erster Nachweis von Krieg in Mitteleuropa.

Massengrab 2011 ausgehoben

Aus dem Dreißigjährigen Krieg stammt "eines der Highlights der Ausstellung": Als 1632 zwischen Leipzig und Naumburg die Schlacht von Lützen tobte, gab es an nur einem Tag rund 6.000 Tote zu beklagen. 2011 wurde ein Grab von 47 dort getöteten Soldaten aufwendig gehoben. Der insgesamt 55 Tonnen schwere Erdblock mit sechs mal sieben Meter Grundfläche ist nun zweigeteilt im NHM zu sehen. Anhand dieses "Mahnmals des Krieges", das mit neuen wissenschaftlichen Methoden detailliert untersucht wurde, zeigt man auch, wie die Forschung heute frühere Ereignisse nachzeichnen kann.

In drei neu renovierten Räumen im Narrenturm am Gelände des Alten AKH in Wien-Alsergrund befindet sich der zweite Teil der Sonderschau. Beispielsweise anhand von Objekten aus der pathologisch-anatomischen Sammlung des NHM wird klar, was der Krieg mit seinen Protagonisten macht. Unter dem Titel "Medizin im Ersten Weltkrieg" erhalten Besucher Einblicke in die typischen Verletzungen, die dieser Vernichtungskrieg mit sich brachte.

Flankiert wird die Ausstellung von einem umfassenden Rahmenprogramm in dem Vortragende auch wissenschaftliche Hintergründe zu einzelnen Themen und Funden erörtern. Erstmals bietet das NHM unter www.nhm-wien.ac.at/krieg/blog einen eigenen Ausstellungsblog an. Mit einer Instagram-Fotochallenge unter dem Motto "#NHMlovenotwar" beschreitet das Museum einen weiteren neuen Kommunikationsweg mit den Besuchern. Den besten Beiträgen winken Preise, ein Platz in der Ausstellung und in einem Friedens-Buch.
 

Link zur Ausstellung und Rahmenprogramm: www.nhm-wien.ac.at/krieg
Infos zur Fotochallenge: www.nhm-wien.ac.at/makelovenotwar

 

:
12. Oktober 2018

Alles im Aufbau


Es geht voran! Noch 11 Tage, dann ist unsere große Sonderausstellung „Krieg. Auf den Spuren einer Evolution“ eröffnet.
Die Kollegen messen, hämmern und positionieren, damit alle Objekte ihren richtigen Platz bekommen. Anhand dieser zahlreichen historischen Belege soll das Phänomen „Krieg“ greifbar gemacht werden!

Die Forschung hat in den letzten 20 Jahren enorme Fortschritte gemacht: Schlachtfelder und Befestigungen wurden ausgegraben, Massengräber geborgen, unzählige Skelette mit Verletzungsspuren untersucht, Waffen sowie bildhafte Darstellungen und historische Texte analysiert. Archäologische und anthropologische Forschungen lieferten wichtige Erkenntnisse über Kriegsführung und die Folgen der Kriege von der Ur- und Frühgeschichte bis in die Neuzeit.
 
Die Ausstellung wird in den Sonderschauräumen des NHM Wien im Hochparterre zu sehen sein, die in den nächsten Tagen mit den unzähligen historischen Funden weiter bestückt werden...
 

:
:
:
03. Oktober 2018

Die erste Anlieferung


Ab. 24. Oktober zeigen wir die Sonderausstellung "Krieg. Auf den Spuren einer Evolution." Die Ausstellung findet in Kooperation mit dem Landesmuseum für Vorgeschichte Halle an der Saale statt und präsentiert eine archäologische Spurensuche, die über 7000 Jahre zurückreicht – bis zu den ältesten Nachweisen von kriegerischen Auseinandersetzungen!
Beim Menschen greifen biologische und kulturelle Evolution stark ineinander. Ironischerweise bringt die schöpferische Kraft, die aus dieser Verbindung entsteht, auch tödliche Waffen hervor. Die Entwicklung vom Werkzeug zur Waffe, vom Zweikampf zum Massenmord, vom mythischen „Helden“ zum namenlosen Soldaten, der als „Kanonenfutter“ dient, ist zentrales Thema der Ausstellung.

Ein "Highlight" der Ausstellung wurde bereits angeliefert und kam beim Fenster herein: das Massengrab aus dem Dreißigjährigen Krieg mit 47 Skeletten von Soldaten! Es stammt aus der Schlacht bei Lützen, 1632, und wurde in zwei großen Blöcken geborgen und akribisch präpariert, damit die ausgehobene Erde mit den Skeletten fixiert ist.
Nun wurden die beiden Blöcke von Halle an der Saale nach Wien transportiert und nach minutiöser Planung mit einem Kran durch die Fenster der Sonderschauräume ins Innere des NHM Wien gehoben. Die Holzverkleidung wurde vorsichtig entfernt und es kamen die Skelette der Soldaten zum Vorschein, die 1632 in einem der blutigsten Kriege ums Leben kamen.
Die zwei Blöcke werden senkrecht aufgestellt und den BesucherInnen präsentiert. Außerdem haben AnthropologInnen und ArchäologInnen Einzelschicksale der Soldaten rekonstruiert, die ebenfalls in der Ausstellung zu verfolgen sein werden.