04. November 2019

Mond und Leben

Die Auswirkungen des Mondes auf irdisches Leben sind relativ gering. Lässt man wissenschaftlich weitgehend Unbewiesenes wie etwa den Einfluss auf Haarschnitt, Mondholz, Geburten o.Ä. beiseite, so bleiben Lichtwirkung und Massenanziehung (Gravitation).

Die stärkste, tagtäglich spürbare Auswirkung der Gravitation sind die Gezeiten, also Hoch- und Niedrigwasser in verschiedenen Gebieten der Weltmeere. Neben dem Mond ist auch die Sonne für Ebbe und Flut verantwortlich, ihre Gezeitenkraft ist aber nur knapp halb so groß wie jene des Mondes. Springtiden und Nipptiden, also besonders hohe bzw. niedrige Wasserstände ergeben sich aus der Stellung der beiden Himmelskörper zur Erde. Ebbe und Flut treten in einem etwa halbtägigen Rhythmus auf, verschieben sich aber nach zwei Tiden um etwa 50 Minuten nach hinten. Die Höhe der Gezeiten hängt auch noch vom Wind, der morphologischen Beschaffenheit der Küste und vielen anderen Faktoren ab.
Das Phänomen der Gezeiten ist kompliziert und facettenreich. Dass die durch Ebbe und Flut „geborene“ Landschaften des Wattenmeeres eindrucksvolle und kostbare Lebensräume sind, wissen alle, die bereits an einer (nördlichen) Küste gestanden sind und das verschwundene bzw. zurückgekehrte Meer bestaunt haben.
Marschen, Kooge, Deiche, Halligen und Priele haben das Land und den Menschen geprägt, das eigentliche Naturwunder sind aber die ausgedehnten sandig-schlickigen Wattflächen und ihre Bewohner. Unter der scheinbar leblosen Oberfläche regt sich millionenfaches Leben. Tiere, die sich entweder tief eingraben oder mit Schalen vor der periodischen Trockenheit schützen müssen, haben sich perfekt an diesen spröden Lebensraum angepasst. Wenn in der abendlichen Stille das geheimnisvolle Wattknistern oder die Schreie vorbeiziehender Gänse ertönen, ist die Stimmung perfekt
Der stete Wechsel von Ebbe und Flut und der extrem flache Küstenverlauf haben das Watt hervorgebracht. Regelmäßig geht es unter, lässt sich aber auf Dauer nicht unterkriegen!

Veranstaltungstipp:
"Mond und Leben"
Themenführung durch die Ausstellung mit Andreas Hantschk und Peter Sziemer
Sonntag, 10. November 2019, 15:30 Uhr
Sonntag, 29. Dezember 2019, 15:30 Uhr
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04. November 2019

Mondgedichte


Mir träumte: traurig schaute der Mond

Mir träumte: traurig schaute der Mond,
Und traurig schienen die Sterne;
Es trug mich zur Stadt, wo Liebchen wohnt,
Viel hundert Meilen ferne.
Es hat mich zu ihrem Hause geführt,
Ich küßte die Steine der Treppe,
Die oft ihr kleiner Fuß berührt,
Und ihres Kleides Schleppe.
Die Nacht war lang, die Nacht war kalt,
Es waren so kalt die Steine;
Es lugt‘ aus dem Fenster die blasse Gestalt,
Beleuchtet vom Mondenscheine.

Heinrich Heine (1797–1856)

 
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Das Mondschaf

Das Mondschaf steht auf weiter Flur.
Es harrt und harrt der großen Schur.
Das Mondschaf.
Das Mondschaf rupft sich einen Halm
und geht dann heim auf seine Alm.
Das Mondschaf.
Das Mondschaf spricht zu sich im Traum:
»Ich bin des Weltalls dunkler Raum.«
Das Mondschaf.
Das Mondschaf liegt am Morgen tot.
Sein Leib ist weiß, die Sonn ist rot.
Das Mondschaf.

Christian Morgenstern (1871–1914)

 


Seit Jahrhunderten inspirierte der Mond Literaten zu künstlerischem Schaffen. Die deutschsprachigen Zitate in der Ausstellung bilden den Ausgangspunkt für eine bunte Auswahl an Mondgedichten aus mehreren Jahrhunderten und für Textpassagen aus den Mondromanen Jules Vernes. Der Mond wird als Symbol für romantische oder sehnsuchtsvolle Stimmungen, aber auch als wissenschaftliche und raumfahrtbezogene Herausforderung des 19. Jahrhunderts thematisiert.

Veranstaltungstipp:

Mondsüchtig. Die Ausstellung „Der Mond. Sehnsucht, Kunst und Wissenschaft“ im Spiegel der Literatur
Eine Führung durch die Ausstellung mit Brigitta Schmid
Mittwoch, 6. November 2019, 17:00 Uhr.

30. Oktober 2019

Eröffnet!


Seit heute ist die neue Sonderausstellung "Der Mond. Sehnsucht, Kunst und Wissenschaft" mit spektakulären Bildern und wissenschaftlichen Einblicken zu sehen!
Die Eröffnung am Abend des 29. Oktober war feierlich, mit vielen Ehrengästen und bewegenden Ansprachen.
Auch Apollo-9-Astronaut Rusty Schweickart hat zur gelungenen Ausstellung gratuliert: "I really want to emphasize that the exhibit itself is really exceptional... the best I've seen the entire year. Primarily due to the multi-dimensional presentation of art, science, culture."
Vielen Dank!

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NHM Wien-Generaldirektor Christian Köberl
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Apollo-9-Legende Rusty Schweickart
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ORF-Sprecher & Zeitzeugen Peter Nidetzky und Hugo Portisch
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US-Embassador Trevor Traina

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Bundesminister Alexander Schallenberg
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Physiker Werner Gruber
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Weltraumarchitektin Barbara Imhof
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Ausstellungsansicht

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Ausstellungsansicht
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Ausstellungsansicht
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Ausstellungsansicht
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Ausstellungsansicht
25. Oktober 2019

Apollo-9-Legende


Kommende Woche ist Russell „Rusty“ L. Schweickart im NHM Wien zu Gast!
Schweickart ist ein US-amerikanischer Luft- und Raumfahrttechniker, Wissenschafter, Pilot und ehemaliger NASA-Astronaut. 1969 war er im Team der Apollo-9-Mission und damit maßgeb-lich am Erfolg der ersten bemannten Mondlandung beteiligt. 1963 wurde 1963 mit 13 weiteren Astronauten von der NASA ausgewählt und flog am 3. März 1969 als Mondlanderpilot mit Apollo 9 in das All. Zusammen mit James McDivitt (Commander) und David Scott (Command Module Pilot) testete er den Mondlander (LM) zum ersten Mal in einer Erdumlaufbahn. Ziel der Raumfahrtmission Apollo 9 war ein Testflug der Mondlandefähre unter realen Bedingungen in der Erdumlaufbahn. Die Mission war ein voller Erfolg. Mit der Mondfähre und dem Apollo-Raumanzug waren nun auch die letzten Ausrüstungsgegenstände im All getestet, die für eine Mondlandung notwendig waren. Auch sämtliche Rendezvous- und Kopplungsmanöver wurden erprobt. Die Raumkrankheit, unter der Schweickart gelitten hatte, hatte zwar zur Verkürzung der Außenbordarbeiten geführt, dieses Risiko wurde jedoch als beherrschbar eingeschätzt. Rusty Schweickarts Außenboardeinsatz dauerte 46 Minuten. Am 13. März 1969 erfolgte nach erfolgreicher Mission die sichere Wasserung des Raumschiffes. Rusty Schweickart verbrachte bei seinem einzigen Weltraumflug 241 Stunden im All. Er diente noch als Kommandant der Ersatzmannschaft der ersten Skylab-Mission, bevor er am 1. Mai 1974 in das NASA-Hauptquartier in Washington, D.C. wechselte. 1983 gehörte Rusty Schweickart zu den Gründern der Association of Space Explorers (ASE). Er ist Vorsitzender des „Committee on Near Earth Objects“ dieses Astronautenverbandes und beschäftigt sich bis heute unter anderem mit der Ablenkung von Asteroiden, die die Erde bedrohen könnten.
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Credit: NASA


Veranstaltungstipp:

"From the Earth to the Moon"

Mittwoch, 30. Oktober 2019, 18:30 Uhr | NHM Vortrag
Ein spannender Abend mit Russell „Rusty“ L. Schweickart und Christian Köberl: Stories und Informationen zum Apollo-Programm und zu neuen Entwicklungen der Weltraumforschung aus erster Hand!
(Vortrag mit Q & A in englischer Sprache)
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Credit: NASA
24. Oktober 2019

Ein Stück Mond


Der Aufbau zur Sonderausstellung läuft auf Hochtouren!
Heute wurde ein ganz besonderes Highlight hinzugefügt: ein echtes Mondgestein!
Mit größter Vorsicht legte Ludovic Ferrière, Kurator der Meteoritensammlung am NHM Wien, das Gestein in seine Vitrine, in der es ab 30. Oktober in Saal 17 zu sehen sein wird!


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23. Oktober 2019

Der Mond geht im Museum auf!

Am 30. Oktober 2019 startet unsere Sonderausstellung "Der Mond. Sehnsucht, Kunst und Wissenschaft", anlässlich des 50. Jubiläumsjahres der ersten bemannten Mondlandung!

Der Mond, nächster Nachbar und steter Begleiter der Erde, ist nicht nur ein hochinteressanter kosmischer Körper mit bewegter Vergangenheit, sondern hat auch eine enorme Anziehungskraft auf Romantiker, Schriftsteller und Künstler.
Ein historischer Überblick über die Erforschung und Kartierung des Mondes wird durch astronomische Grundlagen zu Mondphasen, Sonnen- und Mondfinsternissen etc. ergänzt. Die Wechselwirkung des Mondes mit der Erde und sein Einfluss auf das irdische Leben – sei es durch die Gezeiten und die dadurch bedingte biologische Vielfalt, oder durch den Einfluss des Mondlichtes auf die Reproduktion mancher Tierarten – werden ausführlich thematisiert. Der Mond als geologisches Objekt, seine Zusammensetzung und der Prozess seiner Entstehung kommen ebenso wenig zu kurz wie die Geschichte seiner Erforschung mit Hilfe der Raumfahrt und der Mondlandung. Ungewöhnliche interaktive Stationen bieten Gelegenheit, den Mond zu riechen, selbst zum Mond-Rover-Fahrer zu werden oder ein echtes Stück Mond anzufassen. Zu den Highlights zählt ein neu erworbener Mondmeteorit, der erstmals präsentiert wird.


Unterschiedliche künstlerische Ausdrucksmittel vom späten 18. bis in das 20. Jahrhundert sowie zeitgenössische Positionen ergänzen die Schau. Zu sehen sind Zeichnungen, Gemälde, Installationen, Fotografien, Filme und ein Virtual Reality-Projekt. Vertreten sind Klemens Brosch (1894-1926), Oskar Laske (1874-1951), Georges Méliès (1861-1938), Robert Rauschenberg (1952-2008), Joseph Rebell (1787-1828), Leander Russ (1809-1864) und Michael Wutky (1739-1829).
Zeitgenössische Arbeiten von Laurie Anderson (USA) & Hsin-Chien Huang (Taiwan), Martin Beck (Österreich), James Benning (USA), Michael Benson (USA), Sabine Groschup (Österreich), Barbara Imhof (Österreich), Dona Jalufka (USA/Österreich), Luke Jerram (UK), Robert Longo (USA), Paula Metallo (Italien), Florian Raditsch (USA/Österreich) und Christian Stangl (Österreich). sind zum Teil speziell für diese Ausstellung entstanden.

[Teaser Trailer: NHM Wien, Christina Rittmannsperger]


Blog-Hintergrundbild: Dona Jalufka, "Gibbous Moon Hare" , Öl auf Leinwand, 60 x 80 cm