KinoSaurier

Fantasie & Forschung

Mittwoch, 20. Oktober 2021, 09:00 Uhr | Sonderausstellung
Sonderausstellung in den vier Kabinetten und zwei Sonderausstellungssälen.
Dinosaurier sind seit 66 Millionen Jahren ausgestorben, und doch "wissen" wir alle, wie diese Urzeitriesen ausgesehen haben! Aber wie sind die Bilder in unseren Köpfen entstanden? Filme wie "Jurassic Park", "King Kong" und "In einem Land vor unserer Zeit" haben unsere Vorstellung von Dinosauriern geprägt. Entsprechen sie dem Stand der Forschung? Und wie haben sie sich im Laufe der Zeit verändert?

Die Ausstellung beantwortet diese Fragen in einer Reise durch die Filmgeschichte – von den ersten plumpen Modellen des 19. Jahrhunderts bis zu den agilen, computeranimierten Dinos des modernen Kinos. Zwischen Skeletten und lebensgroßen Modellen werden die großen Wendepunkte in der wissenschaftlichen Rekonstruktion der Dinos und die rasch fortschreitende Entwicklung der Tricktechnik durch zahlreiche Filmsequenzen, Plakate und Werke der Paläo-Art veranschaulicht.

Dabei wird deutlich, dass bei der Entstehung der "KinoSaurier" immer drei Faktoren zusammenspielen: die technischen Möglichkeiten bei Spezialeffekten, der jeweils aktuelle Stand der Forschung – und ein gewaltiger Schuss Fantasie.

Wie aber würden die Dinos heute aussehen, wenn sie nicht ausgestorben wären? Finden Sie die Antwort in der "KinoSaurier"-Ausstellung!



Fantasie & Forschung. Die Wiederweckung des nie Gesehenen.
 
In der Kunst oder besonders im Bewegtbild wird den Dinosauriern immer wieder „Leben eingehaucht“.
So haben viele Kindergenerationen durch den Film Reise in die Urzeit (1955) die prähistorische Erde und ihre urzeitlichen Bewohner*innen kennengelernt, die in dieser Geschichte dank der Kreativität des Filmemachers Karel Zeman ganz im Sinne der lateinischen Wortwurzel für Animation (lat. animare für beleben) „wiederbelebt“ wurden.
 
In der Wissenschaft wiederum helfen Paläo-Künstler (Paleo-Artists) den Wissenschaftler*innen bei der bildlichen „Wiederauferstehung“ der abstrakten Knochen, um die prähistorische Welt der Dinosaurier durch Rekonstruktionen greifbar zu machen. Filmemacher*innen versuchen immer wieder mit den zeitgenössischen Trick- und Animationsmöglichkeiten der Zeit Dinosaurier auf die Leinwand zu zaubern, um das kaum Vorstellbare sichtbar zu machen und auf möglichst spektakuläre Weise mit den Mitteln der Animationstechnik visuell darzustellen. Dadurch beeinflusst der Film unser Bild von Dinosauriern. Jedoch weichen Dinosaurier in ihrer gesamten Vielgestaltigkeit während des Erdmittelalters sehr von allem heutigen Lebewesen ab.
 
Dies und ihre gewaltige Größe führten dazu, dass sich unsere Vorstellung von diesen ausgestorbenen Tieren am jeweils aktuellen zeitgenössischen Wissensstand über die nächsten heute lebenden Verwandten – heutige Echsen – orientierte. Allerdings gestand sich die forschende Menschheit ein, dass Dinosaurier etwas Anderes gewesen waren, etwas, von dem es heute keine direkt vergleichbaren Lebewesen gibt. 64 Millionen Jahre trennen die Letzten der Dinos von den ersten Vertretern unserer eigenen Evolutionslinie.

Eine Weiterentwicklung der bildlichen Darstellung erfahren Dinosaurier vor allem durch die stetige Forschung. Vielfach durch Fährten, Eier, Hautabdrücke, Federn, Mageninhalte sowie neue Forschungstechnologien. Je mehr Daten vorliegen, desto detaillierter wird die bildliche Annäherung. Trotzdem können zum jetzigen Stand die Tiere nicht vollständig abgebildet werden. Ihr rekonstruiertes Aussehen wird somit ständig einer erneuten Überarbeitung und Anpassung unterworfen und hat bei einigen Raubdinosaurierlinien sogar zu vogelhaft aussehenden Rekonstruktionen geführt. Leider verleihen sie den bislang mit Reptilhaftigkeit assoziierten Lebewesen eine vor allem filmisch eher unerwünschte, vogelhafte „Weichheit“: Ein „hühnchenhafter“ T.rex erschreckt niemanden! Daher folgen Filmemacher*innen diesen Erkenntnissen nicht oder nur sehr begrenzt.
 
Die Funktion des Dinosauriers im Film ist zumeist darauf angelegt, diesen als Monster zu verstehen. In vielen Monsterfilmen geht es nämlich darum, dass enorm große Tiere aus ihrer natürlichen Umgebung, meist einem unerforschten Dschungel oder einer einsamen Insel, in die Zivilisation gebracht werden. Dies funktioniert in der Regel nicht, und so kommt es zum Kampf zwischen Urgewalt und Zivilisation – den das Monster am Ende meist verliert. 

Das Gegenteil davon sieht man in Dinofilmen für junges Publikum wie In einem Land vor unserer Zeit (1988), in welchem Dinosaurierkinder ein großes Abenteuer erleben. Aus den großen Monstern wurden süße Dinos gemacht. Diesen Prozess der Verniedlichung von Figuren, die ursprünglich erschreckend waren, kommt aus der Märchenforschung und nennt sich „Horror Light“. Dazu gehören auch Dinosaurier, die nun als freundliche Gefährten oder Haustiere wie der hundeartige „Dino“ in der bekannten Serie Familie Feuerstein (1960–1966) inszeniert werden.
 
All diese Geschichten sind atemberaubend und die Magie der Urzeitgiganten zieht den Menschen immer wieder in seinen Bann. Jedoch hat kein Mensch jemals einen lebenden Dinosaurier gesehen. Dennoch erwecken wir sie durch die Erkenntnisse der Forschung mit ein wenig Fantasie wieder zum Leben.



Der Plateosaurier im Naturhistorischen Museum Wien

Im Rahmen der Sonderausstellung "KinoSaurier. Fantasie & Forschung" wird erstmals das neu präparierte Skelett eines 210 Millionen Jahre alten Plateosauriers präsentiert. Das Skelett wurde in der Gemeinde Frick im Schweizer Kanton Aargau gefunden und dem Naturhistorischen Museum Wien als Dauerleihgabe überlassen.

Die Gesteinsblöcke samt Knochen kamen 2019 in Kisten an das Museum und wurden unter feinster Handarbeit – rund 15.000 Arbeitsstunden – freigelegt, präpariert und gehärtet. Das „Wiener“ Exemplar ist somit zu 61 Prozent komplett. Fehlende und beschädigte Knochen, wie der Schädel, wurden mit Strukturlichtscannern gescannt und per 3D-Druck ergänzt. Anschließend wurde für jeden einzelnen Knochen – 310 an der Zahl – eigene Halterungen geschmiedet.

Wie die Präparation, der Aufbau des Skeletts sowie der Ausstellung vonstattengingen, könnt ihr in unseren Videos sehen!
 


  
Online-Tickets