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geologie: Massenbewegungen und ihre Folgen

Felsstürze, Rutschungen, Schuttströme und Muren sowie ähnliche natürliche Prozesse werden als Massenbewegungen bezeichnet. Hierbei werden Gesteins- oder Erdmassen unter dem Einfluss der Schwerkraft von einer höheren Position in eine niedrigere umgelagert. Transportmittel wie Wasser, Eis oder Luft sind dazu nicht erforderlich. In Hallstatt, aber auch in vielen anderen alpinen Gegenden, kommen Massenbewegungen sehr häufig, beinahe regelmäßig vor. Ausgelöst werden sie oft durch starke Niederschläge oder Tauwetter, aber auch durch Erdbeben oder menschliche Aktivitäten. Sowohl die bekannten Bergwerke der Bronzezeit als auch jene der Eisenzeit wurden durch Massenbewegungen massiv geschädigt.

Arten von Massenbewegungen
Einflussfaktoren
Eingedrungenes Material im bronzezeitlichen Bergwerk
Eingedrungenes Material im Christian von Tuschwerk
Rekonstruiertes Szenario im Christian von Tuschwerk
Eingedrungenes Material im eisenzeitlichen Bergwerk
Felsstürze und Schuttströme
Folgen des Schuttstroms
 

Arten von Massenbewegungen

Unterschiede bestehen sowohl in der Bewegungsart (Fallen, Strömen, Gleiten oder Kriechen) als auch in der Geschwindigkeit und Dauer dieser Prozesse. Felsstürze und Muren laufen sehr schnell ab und stellen deshalb für den Menschen eine unmittelbare Gefahr dar. Dies trifft jedoch auf andere Massenbewegungen, wie langsame Schuttströme oder fast unmerkliche Kriechbewegungen eines Hanges, nicht zu. Nicht selten dauern diese langsamen Bewegungen jedoch über Monate, Jahre oder gar Jahrzehnte an, sodass auch sie zu bedeutenden irreparablen Schäden an Gebäuden, Wegen und Versorgungsleitungen führen können.
 

Einflussfaktoren

Großen Einfluss auf die Entstehung von Massenbewegungen haben die Beschaffenheit des Untergrunds (Geologie) und auch die Vegetation. Besonders gefährdet sind Bereiche mit instabilem Untergrund, z. B. Ton oder Mergel. Meist begrenzen eine oder mehrere deutliche Abrisskanten den oberen Bereich, wo nach Ende der Massenbewegung Gestein und Boden fehlen. Diese Abrisskanten sind meist auch noch nach langer Zeit erkennbar. Im unteren Bereich kommt es zur Ablagerung der Gesteins- und Bodenmassen und zur Verschüttung der ehemaligen Geländeoberfläche. Dieser untere Teil lässt sich nach einiger Zeit nicht mehr so deutlich erkennen.
 

Eingedrungenes Material im bronzezeitlichen Bergwerk

Alle bekannten bronzezeitlichen Schächte sind mit Tagmaterial, das heißt Material, das von der Oberfläche eingedrungen ist, ausgefüllt. Teilweise wurden sogar die Schachteinbauten durch das eingedrungene Material in die Tiefe gedrückt. Der Schacht an der Fundstelle Grünerwerk ist komplett mit feinkörnigem Material verfüllt. In diesem Material eingeschlossene Wurzelstöcke mit Humusresten belegen, dass es sich um Tagmaterial handelt. Alle archäologischen Holzfunde wurden an Unterschneidungen der ehemaligen Stollendecke (Firste) vorgefunden. Diese Beobachtung deutet darauf hin, dass der Schacht bei der Verfüllung zumindest teilweise mit Wasser gefüllt war.
 

Eingedrungenes Material im Christian von Tuschwerk

An der Fundstelle Christian von Tuschwerk zeigt sich ein anderes Bild. Das Tagmaterial besteht hier aus einem ungeschichteten Gemisch aus Ton und Kalksteinen, die vom westlich gelegenen Plassen, dem Hallstätter Hausberg, stammen. Direkt an der Basis des Tagmaterials befand sich feinkörniges Sediment. Es wurde vom eindringenden Tagmaterial erodiert und ist nur noch an einigen geschützten Stellen unterhalb von verstürzten Schachteinbauten erhalten geblieben. Auch direkt über dem eingedrungenen Tagmaterial befindet sich geschichtetes Feinmaterial.
 

Rekonstruiertes Szenario im Christian von Tuschwerk

Dies deutet auf folgendes Szenario hin: Ausgelöst durch starke Niederschläge drang Wasser in den Schacht ein und lagerte zuerst feinkörnige Sedimente ab. Auf der Ostseite des Plassen bildete sich gleichzeitig eine große Massenbewegung, deren bis zu 30 m hohe Abrisskanten im Gelände an der Oberfläche noch heute, z. B. beim Hohen Wasserstollen, erkennbar sind. Begünstigt durch die zusätzliche Auflast, führte die Massenbewegung zum Deckeneinbruch. Tagmaterial drang in den Schacht ein, woraufhin der Schachteinbau in sich zusammenbrach. Darüber liegen die von der Oberfläche eingedrungenen Erdmassen, die den Schacht fast vollständig ausfüllen. Die verbliebenen Hohlräume wurden zuletzt durch eindringendes Wasser mit feinkörnigem Sediment verfüllt.
 

Eingedrungenes Material im eisenzeitlichen Bergwerk

Für die Hallstattzeit stellt sich ebenso wie für die Bronzezeit die Frage, welcher Prozess zur Verfüllung der prähistorischen Bergbaue führte und welche Konsequenzen dies für die damaligen Bergleute hatte. Um Antworten auf diese Fragen zu erhalten, wurde das Tagmaterial an mehreren Fundpunkten geologisch-sedimentologisch untersucht. Meist sind die Ablagerungen ungeschichtet. Steine und Blöcke sind regellos darin verteilt. Die Art der Steine (kantige Kalk- und Mergelsteine) deutet jedoch darauf hin, dass sie nicht vom Plassen, sondern vom nahe gelegenen Steinbergkogel stammen.
 

Felsstürze und Schuttströme

Geotechnische Kartierungen zeigen, dass es am Steinbergkogel immer wieder zu großen Felsstürzen kam, die wiederum große Schuttströme im Hallstätter Salzbergtal auslösten. Ähnliche Ereignisse lassen sich im Salzkammergut immer wieder beobachten, zuletzt z. B. im Winter 2007/08 im Gschliefgraben bei Gmunden, aber auch 1982 an der Zwerchwand bei Bad Goisern oder 1920 am Sandling bei Altaussee. Dort wurde durch den Kollaps eines etwa 200.000 m3 großen Felsturms ein Schuttstrom ausgelöst, der vier Wochen aktiv war, sich insgesamt über 3,7 km erstreckte und einige Almhütten zerstörte.
 

Folgen des Schuttstroms

Ein vergleichbarer Schuttstrom erfasste und verschüttete um die Mitte des 4. Jhs. v. Chr. weite Teile des Salzbergtals. Vermutlich erkannten die meisten Bergleute die gefährliche Situation und hatten noch Zeit, sich rechtzeitig in Sicherheit zu bringen. Dem Schuttstrom, der auch in die Bergwerksanlagen eindrang und diese komplett zerstörte, konnten die Hallstätter Bergleute nichts entgegensetzen. Er vernichtete ihre gesamte Lebensgrundlage und machte das Tal für Jahre und Jahrzehnte unbesiedelbar. Jedoch führte diese Katastrophe, der wohl auch der „Mann im Salz“ zum Opfer fiel, nicht zum Ende des prähistorischen Salzabbaus. Wahrscheinlich verließen die Hallstätter Bergleute die reiche Lagerstätte nicht, sondern verlegten lediglich den Abbau an eine geschütztere Stelle. Denn das Salzabbaurevier und die Bergwerkssiedlung der Jüngeren Eisenzeit befinden sich auf der höher gelegenen und somit sicheren Dammwiese.

(Ehret, D.)