hallstatt

Friedrich Morton
(1890 bis 1969)

Friedrich Morton zählt zu den eindrucksvollsten Persönlichkeiten der Hallstätter Forschungsgeschichte. Der vielseitig gebildete Wissenschaftler und leidenschaftliche Höhlenforscher pendelte viele Jahre zwischen Wien und Hallstatt und berichtete in zahlreichen Büchern von seinen Reisen in alle Welt. In Hallstatt hat er nicht nur zur archäologischen Forschung einen wichtigen Beitrag geleistet, sondern den Ort auch durch seinen Kampf gegen die Seeuferstraße vor einem Teilabriss bewahrt.

Kindheit und Ausbildung
Pendler zwischen Wien und Hallstatt
Reisen und Interessen
Ausgrabungen in Hallstatt
Schriftsteller und Umweltaktivist
 

Kindheit und Ausbildung

Als Sohn eines k. k. Offiziers 1890 in Görz, dem heutigen Gorizia in Friaul geboren, kam Friedrich Morton in seiner Jugend, bedingt durch den Beruf seines Vaters, sehr weit in der Monarchie herum. Nach seinem Studium an der Universität Wien zwischen 1909 und 1914 unterrichtete er an verschiedenen Mittelschulen in Wien und besuchte 1915 erstmals Hallstatt.
 

Pendler zwischen Wien und Hallstatt

Im Jahr 1922 nahm er die Stellung eines Verwalters an dem staatlichen Dachsteinhöhlenbetrieb in Hallstatt an. Jahrzehntelang reiste Friedrich Morton fast jedes Wochenende mit dem Zug von Wien nach Hallstatt, um seinen Zweitberuf auszuüben und seiner Leidenschaft, der „biologischen Höhlenforschung“, zu frönen. 1923 gründete er seine Botanische und Meteorologische Station in Hallstatt, der Musealverein des Hallstätter Museums ernannte ihn 1925 zum Kustos.
 

Reisen und Interessen

Doch Morton blieb nicht nur im Salzkammergut wissenschaftlich aktiv. Er unternahm bis 1934 zahlreiche Auslandsreisen, darunter in ferne Länder wie Venezuela, Guatemala und Panama in Mittelamerika. Andere Exkursionen führten ihn nach Afrika in die Länder Ägypten und Abessinien (heute Äthiopien) sowie nach Aden (Hauptstadt des Jemens), das damals noch unter britischer Verwaltung stand. Die Fachrichtungen Botanik, Meteorologie, Hydrobiologie, Mineralogie und Geologie stehen nur für einen kleinen Teil der vielfältigen Interessen dieses Wissenschaftlers; in den späten 20er Jahren studierte Morton nebenbei auch Ur- und Frühgeschichte.
 

Ausgrabungen in Hallstatt

Gemeinsam mit Adolf Mahr unternahm er 1927 im sogenannten „Grünerwerk“ Grabungen im prähistorischen Bergwerk. 1936 und 1937 fanden unter seiner Leitung archäologische Untersuchungen auf der Dammwiese am Fuß des Plassen statt. Die dort zutage tretenden Fundobjekte stammen ausschließlich aus der jüngsten eisenzeitlichen Periode, dem ersten vorchristlichen Jahrhundert, und gelangten in das Museum Hallstatt. Zwischen 1937 und 1939 untersuchte er den nordwestlichen Teil des prähistorischen Gräberfeldes; die dabei freigelegten 61 Bestattungen sind hauptsächlich der jüngeren Belegungsphase des Friedhofes zwischen 600 und 400 v. Chr. zuzuordnen.
 

Schriftsteller und Umweltaktivist

Zwei Jahre nach dem Ende des 2. Weltkrieges ging Morton in den Ruhestand und zog sich von Tätigkeiten im Gelände immer mehr zurück, war aber bis zu seinem Tode im Jahr 1969 ein unermüdlicher Schreiber und Verfasser von insgesamt mehr als zweitausend Publikationen: Bücher und Artikel. Als einem der ersten österreichischen „Umweltaktivisten“ ist es u. a. Friedrich Morton zu verdanken, dass die heutige Hauptstraße in Hallstatt durch einen Tunnel geführt wird und nicht auf einer ausgebauten Trasse direkt am See.

(Kern, A. – Löw, C.)
: Friedrich Morton (1890 -1969) (Foto: Museum Hallstatt)