hallstatt

Grabausstattungen im Hallstätter Gräberfeld

Das Hallstätter Gräberfeld zählt nicht nur wegen seiner Größe, sondern auch angesichts der „reichen“ und besonderen Grabausstattungen zu den bedeutendsten prähistorischen Friedhöfen Europas. Die Beigaben sind sehr variabel und vielfältig. Meist bekommen die Verstorbenen besondere Schmuckgegenstände, Machtsymbole sowie Essen und Trinken mit in die Gräber; die vielen Schalen, Schüsseln und Töpfe aus Bronzeblech und Ton sind daher nur Behälter für die Speisebeigaben.

Gefäßbeigaben
Belassungen
Beigaben aus organischem Material
 

Gefäßbeigaben

Unter den Grabbeigaben der Bestattungen im Hallstätter Gräberfeld finden sich zahlreiche, prachtvoll gestaltete Keramikgefäße. Die Bergung dieser Stücke ist äußerst schwierig, da sie durch die lange Lagerung im Boden zum einen in viele Scherben zerdrückt wurden und ihr Ton zum anderen durchnässt und sehr weich ist. Im Laufe der Jahre wurde am Naturhistorischen Museum Wien eine Methode entwickelt, die es ermöglicht, diese besonderen Gefäße gefahrlos zu bergen, zu reinigen und wieder zusammenzusetzen. Zunächst wird die Lage der zu einem Gefäß gehörigen Scherben fotografisch dokumentiert. Dann werden die Scherben einzeln aus dem Grab entnommen und auf einem Transporttableau, ihrer ursprünglichen Lage im Grab entsprechend, aufgelegt und fixiert. Auf dem Transporttableau werden die Scherben nach Wien in die Restaurierungswerkstätten der Prähistorischen Abteilung des Naturhistorischen Museums gebracht. Nach der langsamen Trocknung der Scherben erfolgt die Trockenreinigung der Oberflächen und der Bruchkanten mit dem Sandstrahlgerät. Auf die Reinigung folgt das schrittweise Zusammensetzen des Gefäßes.
 

Belassungen

Neben den bewusst zusätzlich beigestellten Gaben haben fast alle der Bestatteten irgendwelche Trachtgegenstände entweder am Körper selbst oder im Grab beigelegt. Dazu zählen Haarnadeln und Fibeln bei Frauen, Gewandnadeln bei den Männern sowie kleine Eisenmesser bei beiden Geschlechtern. Die Eisenmesser sind fast immer mit den Fleischspeisen vergesellschaftet, von denen aber nur die Tierknochen erhalten geblieben sind; in manchen Gräbern könnten fehlende Knochen auf Verwendung ausgesuchter Fleischstücke hinweisen.
 

Beigaben aus organischen Materialien

Trotz der vorliegenden Vielfalt und Fülle der Funde kennen wir nur einen Bruchteil der ursprünglichen Beigaben in den Gräbern. Durch die Verrottung aller organischen Materialien bleiben lediglich bescheidene Reste der originalen Ausgestaltung übrig. Vorstellbar sind prunkvolle Gewänder, Bänder, Lederriemen, farbenprächtige Tücher und Stoffe, Gegenstände und Gefäße aus Holz, ausgesuchte Fleischteile und diverse Getränke. Diese vergänglichen Produkte zerfallen jedoch im Boden schon im Laufe von Jahrzehnten. Nur selten bekommen die Archäologen auch Einblick in diese verlorene „organische Welt“. Spezielle Erhaltungsbedingungen, wie sauerstoffarme Moore (Moorleichen), sehr trockene, kalte („Ötzi“) oder besonders nasse (römische Boote) Umgebungen und auch Salzbergwerke bieten mehr Erkenntnisse zum Alltagsleben als Fundplätze mit den üblichen anorganischen Funden.

(Kern, A.)