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Die Behandlung der Funde

Die organischen Funde aus dem Hallstätter Salzberg sind im Wesentlichen durch ihre Lagerung in salzhaltiger und feuchter Umgebung erhalten geblieben. Nach ihrer Auffindung und Bergungn beginnen sie zu trocknen. Durch die Trocknung bildet das Salz scharfkantige Kristalle aus, die die Erhaltung der Objekte gefährden. Daher ist in der Regel die Entsalzung die erste und wichtigste der konservatorischen Maßnahmen, die der Lagerung unter den kontrollierten klimatischen Bedingungen im Tiefspeicher des Naturhistorischen Museums in Wien vorausgehen.

Die Gefahr durch Salzkristalle
Das Entsalzungsverfahren
Die Trocknung
Die Lagerung
Optimierung der Konservierungskonzepte
 

Die Gefahr durch Salzkristalle

Das Salz im Bergwerk besteht zum größten Teil aus Natriumchlorid, also Kochsalz. Dieses Salz geht bei einer relativen Luftfeuchte von über 75% in Lösung. Die gelösten Salze dringen bis ins Innerste der Fasern der Funde vor. Unter den veränderten Bedingungen nach der Bergung trocknen die Funde jedoch rasch. Dabei bilden sich in ihrem Inneren scharfkantige Salzkristalle, welche das bestehende Gefüge sprengen. An die Oberfläche der Objekte gewanderte Salze bilden dort starre Krusten. Die Flexibilität organischer Materialien wird durch die harten Kristalle stark herabgesetzt. Jede Bewegung führt unweigerlich zu Abrieb und Materialverlust. Dies bedeutet, dass die Textil- und Lederfunde gleich nach ihrer Bergung entsalzt werden müssen, bevor sie austrocknen beziehungsweise bevor durch die Kristallisation der Salze erste Schäden entstehen.
 

Das Entsalzungsverfahren

Textilien und Leder werden noch im feuchten Zustand mit entmineralisiertem Wasser von lehmigen Auflagerungen befreit und entsalzt. In diesem mineralienarmen Wasser können die Salze aus den Fundobjekten leichter in Lösung gehen, und es gelangen keine Fremdstoffe in die Funde. In wechselnden Bädern  werden laufend gelöstes Auflagenmaterial und Salze kontrolliert entfernt. Die Objekte werden dabei zwischen Lagen eines grobmaschigen Stützgewebes eingenäht. Dies erleichtert die Handhabung und beugt unnötigem Faser- und Haarverlust vor. Mit verschiedenen Schwämmen und feinen Pinseln lassen sich feinteilige Auflagen lösen und entfernen. Lose Auflagematerialien werden mit einem feinen, zielgerichteten Wasserstrahl – bei Fellen in Richtung des Haarwuchses – aus den Funden gespült.
 

Die Trocknung

Nach der Nassreinigung werden die Textilien und Lederstücke aus dem Stützgewebe genommen. Die Fäden der Textilien werden auf einer glatten Oberfläche mit Pinzetten geordnet und ausgerichtet, bevor sie an der Luft trocknen. Die Lederfunde werden entweder möglichst glatt ausgelegt oder in ihre ursprüngliche dreidimensionale Form gebracht. Die Trocknung an der Luft erfolgt hier verzögert durch Puffermaterial und Aluminiumfolien. Der generell gute Zustand der Textil- und Lederfunde erlaubt es, auf alternative Festigungs-, Reinigungs- und Trocknungsmethoden zu verzichten.
 

Die Lagerung

Die Textil- und Lederfunde werden einzeln auf rutschfesten Unterlagen in Kartonschachteln unter kontrollierten klimatischen Bedingungen im Tiefspeicher des Naturhistorischen Museums Wien gelagert. Die Textilien liegen auf mit mehreren Lagen Baumwollgewebe überzogenen Tableaus, die Lederfunde mit der Haarseite nach oben auf Zellstofffilzen. Diese Materialien bieten ausreichende Haftung, sodass die Objekte bei Bewegung, wie z.B. beim Öffnen der Schubladen, nicht verrutschen. Es kommen nur appreturfreie, naturbelassene und vorgewaschene Materialien für die Aufbewahrung in Frage. Die Objekte können auf den Tableaus sowohl gelagert und transportiert als auch ausgestellt werden und stehen für wissenschaftliche Untersuchungen bereit.
 

Optimierung der Konservierungskonzepte

Zusätzlich zu den Maßnahmen an frischen Funden wurden in den vergangenen Jahren sämtliche Textil- und Lederfunde der letzten 150 Jahre auf ihren Zustand überprüft und eigene, den jeweiligen Zuständen entsprechende Konservierungskonzepte entwickelt sowie die Lagerung standardisiert und optimiert. Die Konservierungskonzepte wurden am Institut für Konservierung und Restaurierung der Universität für angewandte Kunst Wien entwickelt.

(Gengler, C. – von Miller, D. – Löw, C.)