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Fotografische Dokumentation unter Tage

Die Fotografie ist ein wesentlicher Bestandteil archäologischer Dokumentation, wird jedoch im Bergwerk durch die Enge sehr erschwert. Überblicksfotos, wie sie bei obertägigen archäologischen Grabungen vielfach angefertigt werden, können hier nur mithilfe des Fotomosaiks erzeugt werden. Dieses Verfahren wird seit 2000 im Hallstätter Salzberg angewendet. Es ist durch seine Genauigkeit und hohe Detailauflösung für die Forscherinnen und Forscher ein unerlässliches Hilfsmittel geworden.

Bedeutung der fotografischen Dokumentation
Bedingungen beim Fotografieren im Bergwerk
Fotomosaik
 

Bedeutung der fotografischen Dokumentation

Zeichnung und Fotografie bilden in Kombination mit der Vermessung die wichtigsten Bestandteile der Dokumentation von Befunden und Fundsituationen bei archäologischen Ausgrabungen. Sie ermöglichen es, die abgelagerten Kulturschichten, die während der Ausgrabung abgetragen werden, in ihrer Lage und Beschaffenheit zu erfassen und dienen als Grundlage für die Interpretation. Die Bedeutung der fotografischen Dokumentation liegt besonders darin, dass sie einen Gegenstand mit anderen Mitteln interpretiert, als dies die Zeichnung tut. Für die Dokumentation archäologischer Befunde stellen beide Medien einander ergänzende Möglichkeiten dar. Somit gibt eine Zeichnung all das sehr deutlich wieder, was in sie hineingelegt wird (bis hin zu schlecht oder nicht sichtbaren Informationen), wohingegen ein Foto alles Sichtbare weitgehend gleichwertig wiedergeben kann.
 

Bedingungen beim Fotografieren im Bergwerk

Die räumliche Beengtheit eines Bergwerkes bringt logistisch und methodisch geänderte Anforderungen mit sich, die im Besonderen auch die fotografische Dokumentation betreffen. In den meisten Fällen sind die prähistorischen Fundstellen durch Stollen von 80-100 cm Breite erschlossen, eine flächige Freilegung der Befunde ist nur selten möglich. Daher kommt den Profilen besondere Bedeutung zu, denn an ihnen sind die Kulturschichten erkennbar sind.
Die bislang einzige Möglichkeit einer Zusammenschau der stratigrafischen Situation waren somit die Zeichnungen, da fotografisch immer nur sehr kleine Bereiche erfasst werden konnten. Da die Erhaltung und Zugänglichkeit der Fundstellen aufgrund des steten Bergdrucks nicht dauerhaft möglich sind, entstand der Wunsch, für künftige Fragestellungen eine Diskussionsgrundlage in fotografischer Form zu schaffen.  
 

Fotomosaik

Der erste diesbezügliche Großversuch wurde im Jahr 2000 an der Fundstelle „Kernverwässerungswerk“ unternommen. Die entwickelte Methode beruht im Wesentlichen darauf, größere Bereiche mit einander überlappenden Fotos aufzunehmen. Die exakte Verknüpfung der Bilder erfolgt über vier auf jedem Bild mitfotografierte Messpunkte. Diese Messpunkte ermöglichen es, jedes Fotos zu entzerren, das heißt ein maßstabgetreues Bild mit genauen Lagekoordinaten daraus zu errechnen. Mit dieser Technik wurde zum Beispiel ein 11m langes Profil im Der Ostvortrieb im Christian von Tuschwerk: dokumentiert:
Die Stollenbreite beträgt hier nur etwa 80 Zentimeter, sodass die Kulturschichten an der Ulm (Wand) nicht im Ganzen eingesehen und fotografiert werden können. Das Fotomosaik besteht aus 113 Einzelbildern und zeigt das Profil mit allen Details in seiner Gesamtlänge. Die hohe Detailauflösung und Genauigkeit der Darstellung erlaubt zudem im Bedarfsfall eine Reproduktion.

(Rausch, A. W. – Löw, C.)