Hallstatt in der Bronzezeit

Archäologische Zeugnisse der Bronzezeit (im Salzkammergut von etwa 2100 bis 800 v. Chr.) wurden bislang in Hallstatt vor allem in Form des prähistorischen Bergbaus im Salzberg und der obertägig erfassten Reste einer umfangreichen und organisierten Fleischverarbeitung nachgewiesen. Eine Siedlung oder ein Gräberfeld aus dieser Zeit konnten noch nicht lokalisiert werden. Die Notwendigkeit der ständigen Pflege der Bergwerksanlagen erfordert eine Siedlung vor Ort auf dem Salzberg, schließt jedoch weitere Siedlungsbereiche in der Umgebung nicht aus.


Allgemeines zur Bronzezeit
Bronzezeit in Hallstatt

 

Allgemeines zur Bronzezeit

Mit der Bronzezeit beginnt vor ungefähr 4000 Jahren ein neues Zeitalter. Ein neuer Werkstoff, die Bronze, und eine neue Technologie, die Metallurgie, verändern die Gesellschaft. Arbeitsteilung, weit reichender Handel und eine deutliche soziale Differenzierung kennzeichnen diese Epoche. Fast möchte man meinen, die Industrialisierung Europas nehme hier ihren Ausgang. Nun beginnt auch die Zeit der ersten großen Bergbaue in den Alpen.

 

Bronzezeit in Hallstatt

Wo lebten die Menschen, die in der Bronzezeit im Hallstätter Bergwerk arbeiteten? Bislang haben wir keine Antworten auf diese Frage, denn wir kennen weder die Siedlungen, noch die Gräber dieser Menschen. Auch ist nichts über die soziale Organisation der bronzezeitlichen Bergbaugemeinschaft bekannt. Weder wissen wir, ob die Menschen, die in der Grube arbeiteten, Freie oder Sklaven waren, noch, wie es um Besitz- und Machtverhältnisse bestellt war. Bestimmte eine kleine Elite die Geschicke des Bergbaubetriebs und schöpfte den Gewinn, der ohne Frage enorm war, für sich ab, oder haben wir es eher mit egalitären Verhältnissen zu tun?

Normalerweise wendet sich die Archäologie zur Untersuchung derartiger Fragen den Gräbern und Siedlungen der prähistorischen Menschen zu. Sie vergleicht Menge und Qualität der Grabbeigaben, die Aufwändigkeit der Grabanlagen oder analysiert Größe und Lage der Hausgrundrisse sowie die Verteilung des Fundmaterials innerhalb einer Siedlung. All dies ist für die bronzezeitliche Bergbaugemeinschaft nicht möglich, da vom Hallstätter Salzberg weder Siedlungen noch Gräber der Bronzezeit bekannt sind. Die nächsten bekannten zeitgleichen Siedlungen und Gräberfelder liegen viele Kilometer entfernt. Lebten die bronzezeitlichen Bergleute möglicherweise nicht oben am Salzberg, sondern irgendwo unten im Tal und kamen lediglich zur Arbeit herauf in das Salzbergtal?

Die mit dem bronzezeitlichen Bergbau befassten Archäolog*innen neigen eher zu der Ansicht, dass eine „normale“ Dorfbevölkerung, also Kinder und alte Menschen, Frauen und Männer, das ganze Jahr hoch oben im Salzbergtal in der Nähe der Stollen lebte. Diese Annahme beruht auf folgenden Überlegungen: Die Dimensionen des Bergbaus und die geologischen Gegebenheiten (stark wasserführende Oberflächenschichten) machen eine Instandhaltung der Grube rund um die Uhr notwendig. Also musste zumindest eine kleine Gruppe immer vor Ort anwesend sein. Auch wurde im Zuge der obertägigen Bautätigkeiten der letzten Jahre immer wieder spätbronzezeitliche Siedlungskeramik entdeckt.

Doch am schwersten wiegt wohl, dass in den letzten Jahren der Nachweis eines weiteren Produktionszweiges hoch oben im Salzbergtal gelang. Es fanden sich mehrere Anlagen, die zum Einpökeln riesiger Mengen Fleisch dienten. Alles in allem deutet vieles darauf hin, dass in der Nähe der bronzezeitlichen Grube eine „Bergbausiedlung“ bestand. Doch wären eine eventuelle Siedlung und der dazu gehörige Friedhof nur schwer zu finden, da das Salzbergtal in prähistorischer Zeit mehrfach durch Massenbewegungen verschüttet wurde. Die ehemalige bronzezeitliche Oberfläche liegt heute unter mehreren Metern Schutt begraben.

: Der Bau einer Druckrohrleitung im Hallstätter Salzbergtal wurde archäologisch begleitet. Dabei konnten Spuren bronzezeitlicher Besiedlung entdeckt werden.(Foto: A.Kern - NHM Wien)
Der Bau einer Druckrohrleitung im Hallstätter Salzbergtal wurde archäologisch begleitet. Dabei konnten Spuren bronzezeitlicher Besiedlung entdeckt werden.(Foto: A.Kern - NHM Wien)
: 1877 dokumentierte Isidor Engl einen im Salzbergtal entdeckten Blockbau. Erst über 100 Jahre später konnte die Konstruktion als Pökelwanne einer bronzezeitlichen Fleischindustrie identifiziert werden. (Bild: Fundaktenarchiv des NHM)
1877 dokumentierte Isidor Engl einen im Salzbergtal entdeckten Blockbau. Erst über 100 Jahre später konnte die Konstruktion als Pökelwanne einer bronzezeitlichen Fleischindustrie identifiziert werden. (Bild: Fundaktenarchiv des NHM)
: Reste des bronzezeitlichen Bergbaus im Christian von Tuschwerk. Blick von unten auf einen zusammengestürzten Schachtausbau. (Foto: A. W. Rausch - NHM Wien)
Reste des bronzezeitlichen Bergbaus im Christian von Tuschwerk. Blick von unten auf einen zusammengestürzten Schachtausbau. (Foto: A. W. Rausch - NHM Wien)
  
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