14. August 2022

Das Design der Ausstellung


Wie wurde die Ausstellung BRASILIEN gestaltet? Aus welchen Elementen setzt sie sich zusammen? Und wie bringt man die Großlebensräume des Landes in zwei Ausstellungsräume?

Julia Landsiedl, Szenografin im Naturhistorischen Museum Wien, erzählt über die Gestaltung der Ausstellung, über die Farben, die Räume und "sprechende" Objekte!


14. August 2022

Weißes Wasser, schwarzes Wasser und der Flutpuls des Amazonas

Econtro das Aguas – das Treffen der Wasser bei Manaus. Das eine hell und schlammig, das andere dunkel und geheimnisvoll. Weißwasser und Schwarzwasser. In riesiger Ausdehnung das Flusswasser, so dass Einheimische auch schon mal vom Amazonasmeer (Abb. 1) sprechen. Wo der Amazonas mal bis oben an die Kaimauer von Manaus, einer großen Stadt mitten im tropischen Regenwald, schwappt, und mal die Boote im Hafen nur über den roten Strand und einen Holzsteg zu erreichen sind (Abb 2). Was ist da los?


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Abb. 1: Transport auf dem breiten Amazonasmeer. © NHM Wien, Dr. Katrin Vohland
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Abb. 2: Ein Hafen von Manaus bei Niedrigwasser. © NHM Wien, Dr. Katrin Vohland


Das helle Wasser der Weißwasserflüsse entspringt den Anden und trägt eine große Sedimentfracht mit sich. Es durchzieht das Amazonasbecken wir ein riesiges Nährstoffband. An seinen Ufern siedeln Menschen, die sich Caboclos nennen, eine Mischung aus Indigenen und vor allem Portugiesen (Abb. 3). Sie bauen auf den nährstoffreichen Böden Gemüse an.

Die Schwarzwasserflüsse entspringen kleineren Bächen, Igarapés (Abb. 4), im Amazonasbecken selber. Die alten Böden enthalten wenig Nährstoffe. Sie sind tiefgründig oxidiert und weisen entsprechend die typische rote Farbe tropischer Böden auf. Die Nährstoffe sind überwiegend in der Vegetation gespeichert. Die Böden sind entsprechend nährstoffarm, die Vegetation wird sofort zersetzt und die Nährstoffe wieder mit Hilfe von Bakterien und Pilzen von den Pflanzen aufgenommen. Entsprechend ist auch der Humusgehalt der Böden gering, so dass sie keine Nährstoffe halten können. Das macht sie auch so empfindlich gegenüber Rodungen – ohne Nährstoffe und Humus kann sich die Vegetation nicht erholen.

Der Wechsel von Regen- und Trockenzeiten führt dazu, dass der Wasserstand des Amazonas und seiner Nebenflüsse einem jahreszeitlichen Rhythmus unterliegt, dem sogenannten Flutpuls. Die Wasserstände des Amazonas und seiner Nebenflüsse schwanken im Jahresverlauf um die zwölf Meter. Flussnahe Ufer sind länger und höher überflutet als Gebiete, die etwas höher liegen. Das spiegelt sich auch in der Zonierung der Vegetation wieder: Im Fluss wachsen Gräser wie Echinochloa polystachya, die quasi mit der Geschwindigkeit des steigenden Wasserpegel mitwachsen – eine gigantische Biomasseproduktion. Je höher gelegen das Ufer, desto eher überleben auch Bäume (Abb. 5).


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Abb. 3: Die Caboclos, Bewohner der Uferstreifen, haben ihre Häuser zum Schutz vor der Überflutung auf Stelzen gebaut, oder wohnen gleich in Hausbooten. © NHM Wien, Dr. Katrin Vohland
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Abb. 4: Igarapé auf der Terra firme. Die rote Färbung entsteht durch Huminstoffe. © NHM Wien, Dr. Katrin Vohland
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Abb. 5: Die Uferbereiche des Amazonas werden im Jahresrhythmus überflutet. © NHM Wien, Dr. Katrin Vohland


Die Vegetation der Ufer von Weißwasser- und Schwarzwasserflüssen unterscheidet sich auch; oft sind die Hölzer der nährstoffreichen Várzea härter als die des nährstoffarmen Igapós im Schwarzwasser. Die imposanten Brettwurzeln finden man dagegen überall – und auch auf der Terra firme, den nicht überschwemmten Waldgebieten.

Aber nicht nur die Pflanzen, sondern auch Tiere passen sich an den Flutpuls an. Für meine Promotionsarbeit am Max-Planck-Institut für Limnologie (heute Evolutionsbiologie) in Plön habe ich die Überlebensstrategien von Tausendfüßern, Diplopoda, untersucht. Entgegen der ursprünglichen Hypothese, dass diese Tiere von der Terra firme in den Überschwemmungswald einwandern, konnte ich zeigen, dass die untersuchte Art aus den Anden kommt und über Tausende von Kilometern entlang der Weißwasserflüsse verbreitet ist. Die Tiere krabbeln die Baumstämme hoch und weichen, sofern sie alt und groß genug sind, dem Wasser so weit aus, dass möglichst keines ihrer 62 Beinchen feucht wird (Abb. 6). Eier und Larven überleben die Überflutung nicht, so dass die Tiere auch einen jahreszeitlichen Rhythmus aufweisen (Abb. 7).

Wie stabil der Flutpuls und damit das Habitat von speziell angepassten Arten erhalten bleibt, ist ungewiss. Der Klimawandel beeinflusst die globale Wasserzirkulation und hat in den letzten Jahren zu starken Überflutungen geführt. Ein anderer Effekt ist, dass durch die großflächige Zerstörung von Waldfläche der interne Wasserkreislauf, das mehrfache Verdunsten und Abregnen desselben Wassertropfens, unterbrochen ist.

Hoffnung machen einige der in der Ausstellung gezeigten wissenschaftlichen Projekte sowie Anzeichen, dass Klima- und Biodiversitätsabkommen mit entsprechenden Maßnahmen öffentlicher diskutiert werden.


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Abb. 6: Pycnotropis tida, eine Tausendfüsserart der Ordnung Polydesmida, überdauert die Überflutungen an Baumstämmen. © NHM Wien, Dr. Katrin Vohland
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Abb. 7: Diese überwiegend noch juvenilen Tiere (Pycnotropis tida) haben sich den falschen Baum ausgesucht und werden die Überflutung nicht überleben. © NHM Wien, Dr. Katrin Vohland

- Dr. Katrin Vohland
(Generaldirektorin und wiss. Geschäftsführerin der NHM Wien)



Lesetipps:

Geomax. Neugierig auf Wissen: https://lernarchiv.bildung.hessen.de/uportale/wissenschaft/mpg/geo_max/medienpaket_geomax08/geomax_8.pdf
Deutschlandfunk Kultur: https://www.deutschlandfunkkultur.de/klimawandel-am-amazonas-gefahr-fuer-die-artenvielfalt-100.html
Überlebensstrategien und Diversität von Bäumen an einem Extremstandort. Ein Beispiel aus amazonischen Überschwemmungswäldern: http://www.biodiversity-plants.de/downloads/Parolin_HabilSchrift_2002.pdf
14. August 2022

Die sieben Biome Brasiliens

Brasilien ist ein riesiges Land, das mit 8,5 Mio. km² fast die Hälfte von Südamerika einnimmt. Mit seinen Gebirgsketten, Hochebenen und weiten Flussbecken weist es zahlreiche verschiedene Klimate und Boden auf. Trotz dieser Vielfalt kann das Land grob in sechs Großlebensräume, Biome genannt, untergliedert werden: Mata Atlântica, Amazonien und die Caatinga bestehen großteils aus Waldgebieten; Cerrado und Pampa werden von Savannen-Landschaften beherrscht; das Überflutungsgebiet des Pantanal ist vom Wasser geprägt. Entlang der Küste schließt das marine Biom, das Küstenmeer, an. In der Ausstellung werden diese Biome, ihre naturräumlichen Besonderheiten, typische Pflanzen und Tiere, aber auch die Zerstörung ursprünglicher Natur und akute Bedrohungen durch den Menschen vorgestellt.
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Bioma Marinho

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Achttausend Kilometer entlang des Atlantiks – damit besitzt Brasilien eine der längsten Küstenlinien der Welt. Die Vielfalt dieses Ozeans wird nicht nur durch die verschiedenen angrenzenden Lebensräume, sondern auch durch das Klima bestimmt. Im Norden herrschen das ganze Jahr über tropische Bedingungen mit bis zu 30 °C, im Süden schwanken die Temperaturen zwischen sommerlichen 25 °C und winterlichen 11 °C. Dadurch konnten sich unterschiedlichste Lebensräume entwickeln. Genau wie der Boden an Land ist auch der Meeresboden äußerst vielfältig: Mangrovenpflanzen, Seegräser und Algen, Kalkalgen und Korallen bilden die Basis für verschiedenste Ökosysteme.



Mata Atlântica

Der Atlantische Wald erstreckt sich entlang weiter Teile der brasilianischen Küste und reicht bis zu mehrere 100 km ins Landesinnere. Auf Portugiesisch wird dieser Lebensraum, der 15-mal so groß ist wie Österreich, Mata Atlântica genannt. Die feuchten Luftmassen des Atlantiks sorgen hier für große Regenmengen. Neben tropischen Wäldern gibt es auch Lorbeer- und Araukarien-Walder. Vor der Kolonialisierung durch die Europäer bedeckten diese Wälder das Gebiet fast durchgehend. Durch die unterschiedlichen Höhenlagen, klimatischen und geologischen Verhältnisse konnte sich in der Mata Atlântica eine enorme Artenvielfalt entwickeln. Allein 17.500 verschiedene Pflanzenarten sind bekannt, 9.500 davon kommen ausschließlich im Atlantischen Wald vor.



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Amazônia

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Amazonien ist ein Naturraum, der sich über Brasilien hinaus nach Bolivien, Peru, Ecuador, Kolumbien, Venezuela und die Guyana- Staaten erstreckt. Das Einzugsgebiet des Amazonas-Entwässerungsnetzes hat ein Gesamt-Ausmaß von etwa 7,9 Mio. km².
3,6 Mio. km² befinden sich in Brasilien und sind weitgehend von immergrünem tropischem Regenwald bedeckt. Das Wasser beherrscht den Lebensraum Amazoniens. Hohe Niederschlagsmengen von über 3.000 mm, hohe Luftfeuchtigkeit sowie zahlreiche Ströme, Flüsse, Bäche und Gerinne zeichnen dieses immer noch üppige und artenreiche Biom aus. Ein Sechstel der weltweiten Süßwassermengen sind im Ökosystem Amazoniens gebunden. Der Amazonas-Regenwald zählt zu den artenreichsten Gebieten der Erde. Er beherbergt etwa 10 % aller weltweit vorkommenden Pflanzen- und Tierarten.



Caatinga

Die mit lockerer Vegetation bedeckte Landschaft der Caatinga umfasst eine Fläche, die 10-mal so groß ist wie Österreich. Zwar fallen ähnlich viele Niederschläge wie bei uns, sie konzentrieren sich aber auf eine kurze Periode und sorgen zum Teil für heftige Überschwemmungen. Den Rest des Jahres über herrscht ausgeprägte Trockenheit. Durch die starke Sonneneinstrahlung wirkt die Landschaft viele Monate hindurch dürr und bleich, unwirtlich und abweisend. Daher gaben ihr die ursprünglich hier beheimateten Tupi den Namen Caatinga, „weißer Wald“. Alle Lebewesen sind hervorragend an die ausgeprägte Hitze und Trockenheit angepasst. Nur ausdauernde Pflanzen wie laubabwerfende, wasserspeichernde Bäume und alle Arten von Kakteen können die langen Dürreperioden überstehen. Über 1.000 Pflanzenarten kommen ausschließlich in der Caatinga vor.



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Pantanal

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Mit fast 150.000 km² zählt das Pantanal zu den größten Inland-Feuchtgebieten der Erde. Rund 80 % der Gesamtfläche befinden sich auf brasilianischem Boden. Gebildet wird das Pantanal durch eine Senke zwischen den Anden im Westen und dem Hochland von Mato Grosso im Osten. Hier fließt der Rio Paraguay mit sehr schwachem Gefälle, wodurch zwei Drittel der Fläche regelmäßig überflutet werden. Ruhigere Gewässer-Abschnitte sind oft von einem dichten Pflanzenteppich aus Wasserhyazinthen, Wassersalat und Schwimmfarn bedeckt; die Fischwelt zeigt eine enorme Vielfalt. Während der Trockenzeit bleiben zahlreiche kleine Tümpel übrig, in denen sich die größte Kaiman- Population in Sudamerika konzentriert. Während der Regenzeit ragen eiszeitliche Dünen als baumbestandene Inseln aus dem Wasser. Insgesamt entsteht ein Mosaik von unterschiedlichsten Lebensräumen mit einer hohen Vielfalt an Tierarten.



Pampa

Die Pampa erstreckt sich im äußersten Süden Brasiliens und weiter nach Argentinien. Der Name, der so viel wie Ebene oder Feld bedeutet, ist sogar sprichwörtlich in den deutschen Sprachgebrauch übernommen worden. Subtropisches Grasland prägt das Landschaftsbild. Dazwischen gibt es eingestreute Felsformationen, auf denen hochspezialisierte Pflanzenarten gedeihen. Wald findet sich lediglich entlang von Flüssen, ansonsten wird Baumwuchs durch natürliche und vom Menschen verursachte Beweidung verhindert. Trotz der vergleichsweise kleinen Fläche kommen hier über 3.500 Pflanzenarten vor – 550 nur in der Pampa, 120 davon nur im brasilianischen Teil. Die Vielfalt der Tierwelt ist weit geringer; der Pampashirsch bekam seinen Namen nach diesem Lebensraum, hat aber ein weiteres Verbreitungsgebiet.



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Cerrado

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In Brasilien erstreckt sich über 1,9 Mio. km² die größte zusammenhangende Savannen-Landschaft der Welt, der Cerrado. Die Vegetation zählt zu den Feuchtsavannen, da es mit 1.000 bis 2.000 mm Niederschlag im Jahr relativ viel regnet und die Trockenzeit mit 4 bis 5 Monaten kurz ist. Die Böden sind extrem nährstoffarm und weisen hohe Mengen an freiem Aluminium auf. In Anpassung an die extremen Bedingungen ist die Vegetation überwiegend immergrün und hartlaubig. Eng ineinander verschlungen bilden die Pflanzen ein nahezu undurchdringliches Dickicht; daher auch der portugiesische Name Cerrado („verschlossen“). Regelmäßige Feuer verhindern die Entstehung von flächendeckenden Wäldern; nur entlang von Flüssen finden sich dichtere Baumbestände (Galeriewälder). Der Cerrado beherbergt fast 13.000 verschiedene Pflanzenarten. Nicht zuletzt darum gilt er als einer der Biodiversitäts- Hotspots der Welt.

Grafik: Die 7 Biome Brasiliens; © NHM Wien, Rosemarie Hochreiter
Bild 2: Bioma Marinho, Ausstellung Brasilien, Saal 18; © NHM Wien, Christina Rittmannsperger
Bild 3: Mata Atlântica, Ausstellung Brasilien, Saal 18; © NHM Wien, Christina Rittmannsperger
Bild 4: Amazônia, Ausstellung Brasilien, Saal 18; © NHM Wien, Christina Rittmannsperger
Bild 5: Caatinga, Ausstellung Brasilien, Saal 18; © NHM Wien, Christina Rittmannsperger
Bild 6: Pantanal, Ausstellung Brasilien, Saal 17; © NHM Wien, Christina Rittmannsperger
Bild 7: Pampa, Ausstellung Brasilien, Saal 17; © NHM Wien, Christina Rittmannsperger
Bild 8: Cerrado, Ausstellung Brasilien, Saal 17; © NHM Wien, Christina Rittmannsperger

30. Juni 2022

Österreich und Brasilien: Hintergründe einer dynastischen Beziehung


Bella gerant alii, tu felix Austria nube. – Kriege führen mögen andere, du, glückliches Österreich, heirate.

Dieses vielzitierte, geradezu identitätsstiftende Familienmotto der Habsburger drückt eine erfolgreiche Praxis der österreichischen Herrschaftsdynastie aus: Durch günstige Heiraten sollte der politische Machtbereich erweitert werden. Eheschließungen wurden vor diesem Hintergrund zu Akten der Staatsräson. Die jungen Erzherzoge und Erzherzoginnen der Familie Habsburg wurden daher häufig schon im Kindesalter mit Mitgliedern anderer Dynastien – oder mit eigenen Verwandten – vermählt.

Die 1797 geborene Erzherzogin Leopoldine von Österreich war die vierte Tochter des österreichischen Kaisers Franz I. und seiner zweiten Frau Maria Theresia von Neapel-Sizilien. Auch sie wurde für eine vielversprechende dynastische Verbindung vorgesehen, als nämlich der portugiesische König Johann VI. (João VI.) aus dem seit 1640 in Portugal regierenden Haus Braganza (Bragança) eine Ehefrau für seinen Sohn und Kronprinzen Dom Pedro (Peter I.) suchte.
Im Hintergrund zog der „starke Mann“ der österreichischen Politik, Außenminister Fürst Klemens Wenzel von Metternich (ab 1821 Staatskanzler), die Fäden.
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Beide Seiten, Portugal und Österreich, erhofften sich von der angebahnten Heirat große Vorteile. König Johann VI., der mit seinem Hofstaat 1807/08 vor Napoleon nach Brasilien geflüchtet war, suchte nach einer Möglichkeit, sich von der immer stärkeren Abhängigkeit seines Landes gegenüber Großbritannien zu befreien. Dies sollte durch eine neue Allianz mit einer anderen europäischen Großmacht – Österreich – geschehen. Für Metternich wiederum eröffnete eine Einheiratung in die portugiesische Königsfamilie die Gelegenheit, die österreichische Einflusssphäre nach Südamerika auszudehnen. Da alle kolonialen Bestrebungen der Habsburgermonarchie im 18. Jahrhundert scheiterten, erschien es umso verlockender, über den indirekten Weg der Heiratspolitik am amerikanischen Kontinent Fuß fassen und das damals noch weitgehend unerforschte Brasilien für eigene Interessen nutzbar machen zu können. Die große österreichische Brasilien-Expedition, die im Rahmen von Leopoldines Verheiratung 1817 auf den Weg gebracht wurde, war somit nicht nur eine wissenschaftliche, sondern auch eine wirtschaftspolitische Aufklärungsmission.

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Mit ihrer Heirat mit Dom Pedro wurde Leopoldine zur Kronprinzessin des seit 1815 bestehenden Vereinigten Königreichs von Portugal und Brasilien. Als König Johann VI. 1821 nach Portugal zurückkehrte, blieben Dom Pedro und Leopoldine in Brasilien. Der Prozess der Unabhängigkeit Brasiliens ein Jahr später, 1822, trägt im übertragenen wie wörtlichen Sinn Leopoldines Handschrift. Durch die Krönung ihres Ehemannes wurde sie zur Kaiserin von Brasilien – und bemühte sich fortan intensiv um die internationale Anerkennung der Unabhängigkeit ihrer neuen Heimat. 1825 sollte Leopoldine noch die Aufnahme voller diplomatischer Beziehungen zwischen Brasilien und Österreich erleben.

Die Nachkommen der 1826 früh verstorbenen Leopoldine stellten bis zur Abschaffung der brasilianischen Monarchie 1889 die brasilianischen Regenten. 1888 unterzeichnete beispielsweise Prinzessin Isabel, eine Enkelin Leopoldinas, während einer gesundheitsbedingten Abwesenheit ihres Vaters Peter II. das Goldene Gesetz zur Abschaffung der Sklaverei.

- DDr. Martin Krenn
(Leiter des Archivs für Wissenschaftsgeschichte am NHM Wien)



Bildcredits:
Bild 1: Erzherzogin Leopoldine von Österreich und Dom Pedro I. von Portugal. Ausstellungsansicht © NHM Wien, C. Rittmannsperger
Bild 2: Fürst Klemens Wenzel von Metternich. © NHM Wien, Archiv für Wissenschaftsgeschichte
14. Juni 2022

Erste Einblicke in die Ausstellung - Geschichte, Naturräume und Wege der Nachhaltigkeit!


Warum wird die Ausstellung "BRASILIEN. 200 Jahre Beziehungsgeschichten" aktuell gezeigt?

Dr. Katrin Vohland, Generaldirektorin des NHM Wien und Kuratorin der Ausstellung, gibt einen Einblick in die Biome und Naturräume Brasiliens, in die gemeinsame Geschichte zwischen Österreich und Brasilien und in wissenschaftliche Projekte zu Renaturierung - für einen Weg der Nachhaltigkeit!

08. Juni 2022

„BRASILIEN. 200 Jahre Beziehungsgeschichten“ – Die neue Ausstellung ist eröffnet!


Zwischen brasilianischen Klängen der Band Mandando Brasa und prächtiger Pflanzendekoration der Österreichischen Bundesgärten empfingen NHM Wien-Generaldirektorin Dr. Katrin Vohland und wirtschaftlicher Geschäftsführer Mag. Markus Roboch die Eröffnungsgäste. Als Vertreter der Republik Brasilien sprach Botschafter Nelson Antonio Tabajara de Oliveira Grußworte, ebenso wie Botschafter Dr. Marcus Bergmann (Stv. Leiter der Sektion Internationale Kulturangelegenheiten, Bundesministerium für europäische und internationale Angelegenheiten). Eröffnet wurde die Ausstellung von Mag. Jürgen Meindl (Leiter der Sektion Kunst und Kultur, Bundesministerium für Kunst, Kultur, öffentlichen Dienst und Sport). Die Eröffnung wurde eingebettet in wissenschaftliche Beiträge des Kurator*innen-Teams: Zu den verschiedenen Themen der Schau sprachen neben Generaldirektorin Dr. Katrin Vohland der Leiter der Botanischen Abteilung, Dr. Christian Bräuchler, die Kuratorin der Anthropologischen Abteilung, Prof. Dr. Sabine Eggers, und der Leiter des Archivs für Wissenschaftsgeschichte, DDr. Martin Krenn.
 
„Es ist eine besondere Freude, diese Ausstellung, die mir persönlich und wissenschaftlich sehr am Herzen liegt, nun eröffnet zu sehen! Sie zeigt die lange zurückreichenden Beziehungen zwischen Brasilien und Österreich, die historische und aktuelle Verbundenheit, aber auch die vielfältigen Naturräume Brasiliens und die wissenschaftlichen Ansätze zur Erhaltung und Schutz der Biodiversität. Ich freue mich, dass der Eröffnungsabend so gelungen und feierlich war“, betont NHM Wien-Generaldirektorin Dr. Katrin Vohland.
 
Auch die Kooperationspartner – die Österreichischen Bundesgärten und das Porzellanmuseum im Augarten – feierten die Eröffnung mit. Das Porzellanmuseum Augarten – vertreten durch die wissenschaftliche Direktorin Dr. Claudia Lehner-Jobst – stellte eine wertvolle Leihgabe für die Ausstellung bereit und die Österreichischen Bundesgärten, am Abend vertreten durch Ing. Daniel Rohrauer, Institutsleiter Botanische Sammlungen, steuerten die üppige Pflanzendekoration des Abends mit Blumenraritäten und brasilianischen Grünpflanzen bei. Auch im Rahmenprogramm zur BRASILIEN-Sonderausstellung sind sowohl die Österreichischen Bundesgärten mit Führungen durch ihre Schau „Naturwunder einer Neuen Welt: Brasilien in Schönbrunn“, wie auch das Porzellanmuseum im Augarten mit Führungen durch „LEOPOLDINA. Furchtlos nach Rio“ vertreten.

Neben Prof. Dr. Bernd Lötsch, ehemaliger Generaldirektor des NHM Wien, feierten auch die Kuratoriums-Mitglieder Monika Gabriel, MMag. Bernhard Mazegger, DI Harald Pflanzl, a.o. Univ.-Prof. Mag Dr. Katrin Schäfer sowie Dr. Andreas Hantschk den Beginn der Ausstellung. Auch weitere Gäste aus Politik und Gesellschaft genossen den Abend im Museum, wie etwa Mag. Martin Pammer, Botschafter im Bundesministerium für europäische und internationale Angelegenheiten, Univ. Prof. Dr. Walter Hödl, Architekt Rudolf Lamprecht sowie Dr. Eva Walderdorff und Mag. Andrea Fürnweger vom Cercle Diplomatique.
 
Die Ausstellung „BRASILIEN. 200 Jahre Beziehungsgeschichten“ ist bis 23. April 2023 zu sehen und wird von einem umfangreichen Rahmenprogramm mit Symposien, Workshops, Führungen und interaktivem Programm auf Deck 50 begleitet, wie auch mit einem Blog mit thematisch vertiefenden Text- und Videobeiträgen.
 
 
Bilderlink der Eröffnung am 7. Juni 2022:
https://www.apa-fotoservice.at/galerie/29430
 
„BRASILIEN“ auf der Museumswebsite, inklusive Rahmenprogramm und Blog zur Ausstellung:
https://www.nhm-wien.ac.at/brasilien


(Fotocredits: Bild 1 - (c) NHM Wien/APA-Fotoservice/Tanzer, Bild 2-8: (c) NHM Wien, C. Rittmannsperger)

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25. Mai 2022

Eine Ausstellung entsteht

Ab 8. Juni 2022 ist die neue Sonderausstellung im NHM Wien zu sehen:
BRASILIEN. 200 Jahre Beziehungsgeschichten

Die Aufbauarbeiten sind in vollem Gange: Die Teams aus Wissenschaft, Ausstellungsmanagement, Technik und Präparation arbeiten auf Hochtouren an der Fertigstellung der Ausstellung. Die Räume der vier Kabinette und Säle 17 und 18 wachsen und werden immer vielfältiger und bunter!

Worum geht's in der Ausstellung?

Im Mittelpunkt der Ausstellung steht die faszinierende Vielfalt Brasiliens aus der Perspektive der
jahrhundertelangen gemeinsamen Geschichte von Brasilien und Österreich mit ihren globalen Wechselwirkungen. Sie lässt sich in vielen Bereichen verfolgen – auf der politischen Ebene der großen Handelsabkommen genauso wie bei wissenschaftlichen und kulturellen Kooperationen. Und nicht zuletzt auf der privaten Ebene – bei unserem persönlichen Konsumverhalten.

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Die intensiven Beziehungen zwischen Österreich und Brasilien reichen in die Zeit der Habsburger-Monarchie zurück: Die Vermählung von Erzherzogin Maria Leopoldine von Österreich, der vierten Tochter von Kaiser Franz I. und seiner zweiten Frau Maria Theresia von Neapel-Sizilien, mit dem portugiesischen Thronfolger Dom Pedro im Jahr 1817 hatte nicht nur politische, sondern auch weitreichende wissenschaftliche Folgen. Die Ausstellung vermittelt einen Eindruck von der großangelegten Expedition, die anlässlich der Hochzeit unter der obersten Leitung des österreichischen Staatskanzlers Metternich initiiert wurde. Ein Stab von angesehenen Wissenschaftlern sammelte und dokumentierte vier Jahre lang unter enormen Strapazen die exotische Fauna und Flora, aber auch Mineralien und ethnologische Kostbarkeiten. Der Präparator Johann Natterer blieb sogar 18 Jahre lang in den Regenwäldern Südamerikas und sandte zigtausende Objekte und Präparate nach Wien. Eine kleine Auswahl aus seinen Sammlungen, heute im NHM Wien und im Weltmuseum aufbewahrt, wird in der Ausstellung ebenso gezeigt wie einige der unzähligen Herbarbögen, die dem Botaniker Johann Pohl zu verdanken sind.

Aber auch die problematische Seite der Brasilien-Beziehungen wird aufgezeigt – einige der vielen Facetten wie Sklavenhandel und Kolonialismus haben massive Auswirkungen bis in die Gegenwart. Dazu zählen rücksichtsloses, oft brutales Verhalten gegenüber der indigenen Bevölkerung ebenso wie die radikale Ausbeutung der begehrten Natur- und Bodenschätze, zu der unser eigenes Konsumverhalten wesentlich beiträgt. Im Kontrast dazu werden die Möglichkeiten und Grenzen der Wissenschaft, aber auch der indigenen Wissens- und Erfahrungsschätze, die sich in globalem Interesse um Lösungsansätze bemühen, beispielhaft aufgezeigt.

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Der größte Teil der Ausstellung ist den einzigartigen Naturräumen Brasiliens gewidmet – dem immergrünen Regenwald Amazoniens, dem tausende Kilometer langen küstennahen Bereich des Atlantiks, der dichten Wildnis des Atlantischen Waldes, der bleichen Vegetation des „Weißen Waldes“ in der Caatinga, den tropischen Sumpfgebieten des Pantanals, den hochspezialisierten Gräsern der Pampa und den verschlossenen Savannen des Cerrado. Die gigantische Vielfalt und zumindest Reste der ursprünglichen Lebensräume und Lebensweisen zu erhalten, ist eine ungeheure Herausforderung. Wissenschaftler*innen aus Österreich und dem NHM Wien sind gemeinsam mit Partner*innen aus Brasilien in vielfältiger Weise an Forschungs- und Renaturierungs-Projekten beteiligt. Diese Projekte auf gemeinschaftlicher internationaler Basis werden laufend intensiviert und immer stärker global ausgerichtet – ein positiver Ausblick in die Zukunft nach 200 Jahren wechselvoller gemeinsamer Geschichte!

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Fotos: © NHM Wien, Christina Rittmannsperger