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Schädel von Lautsch

Als einer der ältesten absolut datierten Homo-sapiens-Funde in Europa steht der Schädel von Lautsch im Brennpunkt aktueller wissenschaftlicher Dispute zur Menschheitsgeschichte.


Als Josef Szombathy im Jahr 1882 vom Intendanten des NHM mit Grabungen in einer Höhle bei Lautsch beauftragt wurde, konnte er nicht ahnen, als wie bedeutungsvoll sich seine Funde erweisen würden. Doch obwohl er nur wenige Tage Zeit hatte, dokumentierte er seine Arbeit äußerst detailliert und nahm sogar ein Profil mit der genauen Schichtfolge der Höhlensedimente auf. Als er auf „menschliche Skelettreste, die mit diluvialen Tierknochen geradezu vergesellschaftet waren“ stieß, war ihm die wissenschaftliche Bedeutung dieser Fundstelle sofort bewusst, denn über die Reste von Rentier, Höhlenbär und Höhlenwolf ließ sich das eiszeitliche Alter der menschlichen Funde unzweifelhaft bestätigen. Szombathy, der den Schädel als Homo sapiens bestimmte, wurde von einigen Fachkollegen heftig angefeindet. Erst nach 1900 setzte sich die Erkenntnis durch, dass der moderne Mensch bereits in der Eiszeit gelebt hatte.

2006 sorgte der Schädel von Lautsch noch einmal für eine echte Sensation: Anthropologinnen des NHM gelang es, das absolute Alter der Knochen zu bestimmen: 31.000 Jahre. Damit handelt es sich um einen der ältesten gesicherten Homo-sapiens-Funde in Europa.
Seitdem spielen die Knochen aus Lautsch erneut eine wichtige Rolle für die Beantwortung grundlegender Fragen zur Menschheitsgeschichte: Was passierte, als der Neandertaler durch den Homo sapiens abgelöst wurde? Warum konnte sich der moderne Mensch durchsetzen, und wie hat er sich in Europa ausgebreitet? Weil es nur wenige vergleichbare Fundkomplexe gibt, werden die Skelettreste auch in Zukunft für Anthropologen aus aller Welt als Informationsquelle von entscheidender Bedeutung sein.

Schädel von Lautsch

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