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Venus von Willendorf

Perfektion der Darstellung und harmonische Ausstrahlung machen die 29.500 Jahre alte Figur der Venus von Willendorf zu einem der ausdrucksstärksten Kunstwerke der Altsteinzeit.

 

„Es war an einem herrlichen Augustmorgen des Jahres 1908, als die ,Venus von Willendorf‘ nach vieltausendjährigem Schlaf die sonnenhelle Wachau wiedersah. Sie wurde in Szombathys und meiner unmittelbaren Gegenwart in einer Tiefe von etwa 25 cm unter der ungestörten Aschenschicht in der Nachbarschaft eines großen Herdes (der 9. und obersten Kulturschicht) entdeckt...“, schilderte Josef Bayer, einer der Ausgrabungsleiter, im Neuen Wiener Tagblatt die Entdeckung der wohl berühmtesten prähistorischen Frauendarstellung.


Gefunden wurde die Venus von Willendorf 1908 bei archäologischen Grabungen des NHM. Wer in welchem Maß an ihrer Auffindung beteiligt war, wurde in den folgenden Jahren heftig diskutiert. Die Statuette galt damals als das älteste vollständig erhaltene Abbild eines Menschen und ist bis heute ein oft zitiertes Beispiel für das Weibliche an sich.


Die Frauenfigur wurde mit Feuerstein-Werkzeugen aus feinem Kalkstein geschnitzt und war ursprünglich mit Rötel bedeckt. Rot galt in der Altsteinzeit als Symbol für Leben, Tod und Wiedergeburt. Trotz der Kleinheit sind manche Details ungemein realistisch dargestellt. Auf den schweren Brüsten ruhen dünne Arme, die mit gezackten Armreifen geschmückt sind. Den leicht geneigten Kopf ziert eine aufwendige Frisur oder Kappe aus Korbgeflecht.


Ihre rätselhafte Gesichtslosigkeit hebt die Venus von Willendorf über das Individuum hinaus und verleiht ihr gleichzeitig viele Gesichter. Sie ist nicht Abbild einer bestimmten Person, sondern Trägerin einer universellen Botschaft, die zu ihrer Zeit wohl in ganz Europa verstanden wurde, uns aber für immer verborgen bleiben wird.

Venus von Willendorf

JPG, 2808 x 1872 px, 3 MB