Pressemitteilungen 2014

Kuratit: Ein neues Mineral, benannt nach einem ehemaligen Wissenschafter des Naturhistorischen Museums (NHM) Wien

Im Februar 2014 wurde von der Kommission für „Neue Minerale“ der Internationalen Mineralogischen Assoziation (IMA) offiziell Kuratit als neues Mineral anerkannt. Benannt wurde die neue Mineralart zu Ehren von Gero Kurat (1938-2009), einem weltweit anerkannten Meteoritenforscher und langjährigen Direktor (von 1968 bis 2003!) der Mineralogisch-Petrographischen Abteilung des NHM Wien.

Das neue Mineral  wurde erstmals als Bestandteil des Steinmeteoriten D’Orbigny beschrieben. Dieser Meteorit  gehört zu den Angriten, einer seltenen Gruppe von Steinmeteoriten, die ähnlich den irdischen Vulkangesteinen aus einer relativ rasch abgekühlten Gesteinsschmelze entstanden sind. D’Orbigny wurde 1979 als rund 17 kg schwerer Stein beim Umpflügen eine Feldes  in der Provinz Buenos Aires, Argentinien gefunden. Der Stein wurde  allerdings nicht als Meteorit erkannt und verblieb über viele Jahre hinweg unbeachtet auf einer Farm. Erst rund zwanzig Jahre später gelangte eine Probe des Steins ans NHM Wien, wo diese dann vom Meteoritenexperten Kurat als Meteorit vom Typ Angrit erkannt wurde. In der Folge wurde D’Orbigny in Wien detailliert mineralogisch und chemisch untersucht.

In einer 2004 von Kurat und Mitarbeitern publizierten wissenschaftlichen Arbeit über D’Orbigny wurde ein Eisen-Aluminium-Titan-Silikat  als „unbekannte“ Mineralphase beschrieben, das im Meteoriten in Form kleiner Kriställchen vorkommt, deren Durchmesser rund ein Hundertstel Millimeter beträgt. Aufgrund der Kleinheit des zur Verfügung stehenden Materials war es schwierig, alle relevanten chemisch-physikalischen Eigenschaften zu bestimmen, die für die Anerkennung eines neuen Minerals notwendig sind.

Einer Forschergruppe um Shyh-Lung Hwang von der Nationalen Dong Hwa Universität in Hualien, Taiwan ist es nun in Zusammenarbeit mit Maria-Eugenia Varela vom Institut ICATE in San Juan, Argentinien (die oft als Gastforscher am NHM Wien war) gelungen, das bis dato unbekannte Mineral wissenschaftlich als die neue Mineralart Kuratit zu etablieren. Die dazu notwendigen Untersuchungen wurden größtenteils mit elektronenmikroskopischen Methoden durchgeführt und die dabei erzielten Ergebnisse werden im Rahmen der „45th Lunar und Planetary Science Conference“, die diese Woche in Houston,  Texas stattfindet, einem breiten Fachpublikum präsentiert.

Gero Kurat, der Namensgeber des neuen Minerals, wurde 1938 in Klagenfurt, Kärnten geboren. Er studierte Mineralogie und Petrographie an der Universität Wien und wurde 1989 zum außerordentlichen Universitätsprofessor ernannt. Von 1968 bis zu seiner Pensionierung im Jahr 2003 war er Direktor der Mineralogisch-Petrographischen Abteilung und Kurator der Meteoritensammlung des NHM Wien.  Als Pionier in der Meteoritenkunde war er einer der ersten Forscher, die petrographische Beobachtungen an Mineralphasen mit der damals neuen Methode  der quantitativen Analyse mittels Elektronenstrahlmikrosonde verknüpften.

In Zusammenarbeit mit zahlreichen in- und ausländischen Institutionen machte er wichtige Beiträge zur Chemie und Mineralogie von Meteoriten und ihrer Komponenten, zur Petrologie und Geochemie von Mondgesteinsproben und irdischen Mantelgesteinen, sowie zur Mineralogie von Mikrometeoriten. Aufgrund seiner wissenschaftlichen Aktivitäten wurden ihm auch zahlreiche Ehrungen zuteil. So war er Ehrenmitglied der der Mineralogischen Gesellschaften Russlands und Österreichs und wurde in die Österreichische Akademie der Wissenschaften gewählt, der er seit 1995 als ordentliches Mitglied angehörte. Im Jahr 1999 erhielt er den Gustav von Tschermak-Seysenegg-Preis der Österreichischen Akademie der Wissenschaften für seine  petrologischen Forschungen an Erdmantelgesteinen.  Von 2002- 2003 war er Präsident der „Meteoritical Society“ und 2002 ist  der Asteroid „6079“ ihm zu Ehren  „Gerokurat“ benannt worden.
 
Links:
www.hou.usra.edu/
http://www.mineralienatlas.de/
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Gero Kurat im Jahr 1987 beim Auspacken eines neu erworbenen Meteoriten.

© NHM Wien
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Gero Kurat mit dem Meteoriten D’Orbigny.

© NHM Wien
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Rasterelektronenmikroskopische Aufnahme eines Einschlusses aus dem D’Orbigny-Meteoriten , der hauptsächlich aus dem Silikatmineral Augit (dunkelgrau), Kristallen von Kuratit (hellgrau) und rundlichen Körnern des Oxidminerals Magnetit (weiß) besteht.

© NHM Wien