Pressemitteilungen 2018

Shaking Earth - Erdbeben goes public!


Erdbeben gehören zu den eindrucksvollsten und meist gefürchteten geogenen Naturphänomenen. Im menschlichen Bezugssystem stehen sie für verheerende Zerstörungen. Im geologischen Kontext sind Erdbeben Ausdruck eines dynamischen Planeten, dessen Plattentektonik Leben überhaupt erst ermöglichte.
 
Die neue interaktive Animation „Shaking Earth“ vermittelt ab 20. Februar 2018 im Naturhistorischen Museum Wien leicht verständlich und dabei seismologisch korrekt die weltweite, regionale und lokale Erdbebentätigkeit auf verschiedenen Zeitskalen - ein Projekt der ÖAW in Zusammenarbeit mit NHM Wien, TU Wien und ZAMG.
 
 
Zur Erdbebenvisualisierung
 
Täglich um 8 Uhr früh aktualisiert ein Python Script den lokalen Erdbebenkatalog, eine SQLite-Datenbank, mit den neuesten Daten von verschiedenen Webdiensten (EMSC, USGS, ISC).
Danach wird die Visualisierungs-Applikation gestartet. Die Darstellung der Erdkugel und der Erbeben-Punkte geschieht mithilfe der Javascript Bibliothek CesiumJS dabei wird auf den modernen WebGL / HTML5 Standard aufgebaut. Die Anwendung wird in einem, für den Kiosk-Betrieb modifizierten, Browser-Fenster ausgeführt (electronJS).
 
Die Kommunikation mit der Datenbank läuft über ein NodeJS Backend welches die Daten aufbereitet und an das JavaScript Frontend weiter reicht, wo jedes Erdbeben mithilfe eines nach der Stärke skalierten Punktes auf der Erdkugel dargestellt wird.
 
Um die Anzeigeleistung zu erhöhen, werden nur Beben ab der Stärke 3 angezeigt. Besucherinnen und Besucher können mithilfe des Sliders den Zeitpunkt der Simulation beeinflussen, zwischen zwei Geschwindigkeitsstufen wählen und die Erdkugel drehen sowie die Ansicht vergrößern oder verkleinern. Weiters gibt es zwei Informations-Seiten über die wichtigsten Erdbeben in Österreich und weltweit, die gesamte Applikation ist auf Deutsch und Englisch verfügbar.


UNIVERSUM – Beitrag (Ausgabe 12 / 2017)
 
 
Shaking Earth – Erdbeben goes Public!
 
Von Mathias Harzhauser (NHM Wien) und Wolfgang Lenhardt (ZAMG)
 
 
Eine neue interaktive Animation „Shaking Earth“ vermittelt ab 20. Februar 2018 im Naturhistorischen Museum leicht verständlich und dabei seismologisch korrekt die weltweite, regionale und lokale Erdbebentätigkeit auf verschiedenen Zeitskalen.
 
Erdbeben gehören zu den eindrucksvollsten und meist gefürchteten geogenen Naturphänomenen. Im menschlichen Bezugssystem stehen sie für verheerende Zerstörungen. Im geologischen Kontext sind Erdbeben Ausdruck eines dynamischen Planeten, dessen Plattenbewegungen Leben überhaupt erst ermöglichte. Denn nur durch das „Recyceln“ des in den Sedimenten gebundenen Kohlendioxids durch die sich bewegenden Platten wird CO2 durch Vulkane wieder in die Atmosphäre rückgeführt.
Wer die zerstörerische Kraft eines Erdbebens am eigene Leibe erfährt, wird in diesen großmaßstäbigen geologisch-biologischen Kopplungen aber wenig Trost finden. Bei Überschreiten des Reibungswiderstandes zwischen tektonischen Platten werden durch den ruckartigen Druckabbau Erdbeben unterschiedlichster Stärke ausgelöst. Die Skala reicht von Kleinstbeben, die nur durch Messinstrumente nachweisbar sind, bis zu Großbeben, wie dem Valdivia-Erdbeben vom 22. Mai 1960. Dieses Ereignis an der Küste Chiles war das schwerste jemals aufgezeichnete Beben und löste Tsunamis, Erdrutsche und sogar Vulkanausbrüche aus. In Österreich ist die Gefahr, Opfer eines Erdbebens zu werden vergleichbar gering. Trotzdem befindet sich auch Österreich in einem tektonischen Spannungsfeld zwischen Adriatischer und Eurasischer Platte. Laut Zentralanstalt für Meteorologie und Geodynamik (ZAMG) werden in Österreich wöchentlich Erdbeben von der Bevölkerung wahrgenommen. Nur etwa alle 75 Jahre kommt es zu stärkeren Beben, die zu ausgeprägten Schäden an Gebäuden führen. Zu den stärksten in Österreich dokumentierten Erdbeben gehört das „Ried am Riederberg Beben“ vom 15. September 1590. Dieses Ereignis führte zu großen Zerstörungen in Wien; der Stephansdom wurde beschädigt, der Turm der Michaelerkirche stürzte gar ein, mehrere Tote waren zu beklagen.
 
Ein „österreichisches“ Beben war auch Geburtsstunde der modernen Erdbebenforschung. Auslöser war das Beben von Ljubljana am 14. April 1895, damals als Laibach Teil der Österreichisch-Ungarischen Monarchie. Von 23.16 Uhr bis in die Morgenstunden erfolgten bis zu 40 Erschütterungen, die zu einer weitgehenden Verwüstung der Stadt führten. Unverzüglich beauftragte die k.k. Geologische Reichsanstalt den jungen Geologen Franz Eduard Suess mit der Untersuchung des Bebens. Bereits am 16. April wurde er in das Krisengebiet geschickt. Der 27-jährige Suess, Sohn des berühmten Wiener Geologen Eduard Suess, hatte Anweisung einen detaillierten Fragenkatalog abzuarbeiten, um die oft stark subjektiv gefärbten Beobachtungen der Augenzeugen bewerten zu können. Diese Form der objektiven Datenerhebung mittels Vordruckformularen war wegweisend.  In moderner Form lassen sie sich heute im Internet finden oder können als App „QuakeWatch Austria“ heruntergeladen werden. Mehr als 1.000 Fragebögen wurden nach Wien, Niederösterreich, Graz, Linz, Klagenfurt, Innsbruck und Triest geschickt. Zeitungen druckten ebenfalls den Fragenkatalog ab. So langten mehr als 1.300 Einsendungen von mehr als 900 Orten in Wien ein. Heute führt ein vergleichbares Erdbeben zu zigtausenden Meldungen aus der Bevölkerung, die sich des Internets bedient.
 
Der Bedarf nach flächendeckender Datenerhebung führte bereits zehn Tage nach der Katastrophe am 25. April 1895 zur Gründung der Erdbeben-Commission an der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften. 1904 wurden diese Agenden offiziell der ZAMG übertragen. Die globalen Messdaten und Berichte aus der Bevölkerung, die hier zusammenlaufen, sind Basis für die neue Animation am Naturhistorischen Museum. Wo Franz Eduard Suess noch viele Monate benötigte, können die BesucherInnen mittels Touchscreen nun in Echtzeit Daten abrufen.
 
Das Projekt „Shaking Earth“ wurde durch die ÖAW aus Mitteln der Dr. Emil Suess-Erbschaft gefördert und in Zusammenarbeit mit dem NHM Wien, der TU Wien und der ZAMG durchgeführt.
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Seismogramm des Sumatra Erdbebens

© NHM Wien
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Screenshot der neuen Erdbebenvisualisierung im NHM Wien

© 7reasons
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Auswirkungen eines schweren Erdbebens in Nordwestindien

© NHM Wien
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Breitbandseismometer

Ein Breitbandseismometer (grün) mit einem Bewegungssensor für starke Bodenbewegungen (schwarz)
 
© NHM Wien
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Erdbebenvisualisierung Screenshot_1

Screenshot der neuen Erdbebenvisualisierung am NHM Wien
 
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Erdbebenvisualisierung Screenshot_2

Screenshot der neuen Erdbebenvisualisierung am NHM Wien
 
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Erdbebenvisualisierung Screenshot_3

Screenshot der neuen Erdbebenvisualisierung am NHM Wien
 
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Erdbebenvisualisierung Screenshot_4

Screenshot der neuen Erdbebenvisualisierung am NHM Wien
 
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