Pressemitteilungen 2017

Junge Wissenschafterinnen und Wissenschafter des NHM Wien wurden am 30.11.2017 mit dem Carl von Schreibers-Preis ausgezeichnet

„Tierknochengeschichten“, „Ein kleiner Wurm, ganz groß“, das „Suchen und Finden der seltensten Eidechse Österreichs“ und die „filigranen Strukturen in den Köpfen von Steinläufern“ überzeugten Jury und Publikum.

Für ihre Forschung zum Thema „Reich oder Räuber? Tierknochengeschichte aus der frühmittelalterlichen Burg ‚Sand an der Thaya‘“ bekam NHM Wien-Wissenschafterin Konstantina Saliari am 30.11.2017 den Carl von Schreibers-Preis für den besten Vortrag verliehen. Die Archäozoologin überzeugte die unabhängige Jury mit ihrer Forschung zur Burganlage „Burg Sand“:
 
Die befestigte Siedlung in bewaldetem Gebiet an einer Flussschlinge der Deutschen Thaya im nördlichen Waldviertel (Niederösterreich) wurde um 930 nach Christus gegründet und bereits in der zweiten Hälfte des 10. Jahrhunderts – wahrscheinlich von den Ungarn – zerstört. Die Tatsache, dass die Fundstelle nur für einen kurzen Zeitraum genutzt und später nie wieder besiedelt wurde und dass die Tierknochen vor allem primären Abfall repräsentieren, bot die seltene Chance, ungestörtes Fundmaterial aus einem gut definierten Zeitraum zu untersuchen.
 
Insgesamt wurden 9.830 Tierknochen untersucht: Die archäozoologischen Ergebnisse zeigen viele Besonderheiten für diese Periode und diesen Raum auf. Sand hat mit fast 45% einen außergewöhnlich hohen Anteil an Wildtieren (Wisent, Hirsch, Wildschwein). Die Wildfauna war charakteristisch für Waldgebiete. Die Wildtiere fungierten nicht nur als Prestigesymbole, sondern sie spielten eine wesentliche wirtschaftliche Rolle für die Bewohner von Sand. Die Profile der Haustiere (Rind, Ziege, Schwein) zeigen, dass viele Jungtiere geschlachtet wurden. Das spricht für Fleischnutzung, noble Essgewohnheiten, aber auch für Import von außerhalb und konsequenterweise, dass auf Sand keine oder nur eingeschränkt autarke Tierhaltung betrieben wurde.
 
Die Analysen weisen für „Burg Sand“ auf eine „rücksichtslose“, nicht nachhaltige Wirtschaftsweise hin. Eine hohe Anzahl der Haustiere wurden durchwegs im besten Alter geschlachtet. Tiere wie Rinder und Ziege zeigen keine sekundäre Nutzung. Diese Art der Ökonomie, deutet darauf hin, dass die – nach dem archäologischen Befund „berittenen Krieger von Sand“ – bezüglich der Tierressourcen rücksichtslos gierten. Diese Interpretation passt auch zu historischen Berichten für diese Zeit.
 
Über weitere Auszeichnungen konnten sich folgende Wissenschafter und Wissenschafterinnen freuen:
 
  • Gewinner Publikumspreis Vortrag:
David Ebmer: „Synhimantus laticeps – Ein kleiner Wurm ganz groß!“
  • Gewinnerin Jurypreis Poster:
Karin Ernst: „Liebesg‘schichten und Habitatsachen – Vom Suchen und Finden der seltensten Eidechse Österreichs“
  • Gewinnerin Publikumspreis Poster:
Anne-Sarah Ganske: „Klein, kleiner, mikro – filigrane Strukturen in den Köpfen der Steinläufer“
 
 
Im Andenken an Carl von Schreibers vergeben die Freunde des Naturhistorischen Museums Wien gemeinsam mit dem NHM Wien die mit insgesamt € 6.000,- dotierten Preise. Carl von Schreibers leitete fast 45 Jahre lang die „Vereinigten k.k. Naturalien-Cabinete“, die Vorläuferinstitution des Naturhistorischen Museums Wien. Er war ein innovativer Forscher und ein universal gebildeter Gelehrter unter dessen Führung sich das Museum zu einer bedeutenden Forschungsinstitution entwickelte.

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Die GewinnerInnen des Carl von Schreibers-Preises

V.l.n.r.: Anne-Sarah Ganske (Jurypreis für das beste Poster), Karin Ernst (Publikumspreis / Poster), David Ebmer (Publikumspreis / Vortrag), Konstantina Saliari (Jurypreis für den besten Vortrag).

Foto: NHM Wien / Alice Schumacher