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Übersiedlung der Stiege im Salzberg

Die 2001 im Christian von Tuschwerk gefundene bronzezeitliche Stiege drohte an ihrer Fundstelle vom Bergdruck zerstört zu werden. Es war daher notwendig, sie umzusiedeln. Da das Klima im Salzberg für die künftige Erhaltung der Stiege ideal ist, war eine Neuaufstellung im Schaubergwerk der Salzwelten Hallstatt wünschenswert, wo die Stiege in die regulären Führungen integriert wurde. Die Arbeiten rund um die Bergung und Neuaufstellung der Stiege wurden durchgehend in einem Weblog von den Hallstatt-Forscherinnen und -Forschern dokumentiert.
 
Planungsphase
Bergung
Untersuchungen
Wiederaufbau
Nutzung
 

Planungsphase

Der Abbau der Stiege stellte die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler vor neue Herausforderungen: Um den Transport des 8 m langen und insgesamt 1,5 m breiten Stückes vornehmen zu können, musste die Stiege in  ihre Einzelteile zerlegt werden. Um das Zerlegen, Dokumentieren und Wiederaufbauen an der neu zu errichtenden Schaustelle optimal durchführen zu können, wurde mit RestauratorInnen, ArchäologInnen, DenkmalpflegerInnen und HolzwissenschafterInnen in einem international besetzten Workshop in Hallstatt der beste Ablauf diskutiert und erarbeitet.
 

Bergung

2013 wurde mit dem Abbau der Einzelteile der Stiege begonnen, nachdem sie genau vermessen, fotografiert und gescannt worden war. Insgesamt waren es 78 Einzelteile, davon 26 Auftritt- und 27 Distanzbretter sowie 5 Keile. Zur Demontage mussten die beiden Spannschlösser in insgesamt 6 Stücke zerteilt werden. Aufgrund der Enge des Bergwerks und der umgebenden Fundschichten mussten die Stiegenwangen in je 3 Teile zersägt werden. Da die Wangen der Stiege dem größten Druck durch den Berg ausgesetzt waren, gab es zudem vor dem Abbau unentdeckte Brüche im Holz, sodass die linke Seitenwange nun aus 5 Teilstücken besteht, die zuletzt geborgene rechte Seitenwange aus 9.

Der in der Bronzezeit auf den Stufen festgetretene Schmutz wurde weitgehend auf den Brettern belassen, denn der im Schmutz enthaltene Blütenstaub, die Kleiderfasern oder Reste von Arbeitsmitteln u. v. m. sollen für zukünftige Forschungen möglichst unverändert erhalten bleiben.

Die Einzelteile wurden nach der Bergung noch vor Ort erneut umfassend dokumentiert, wozu auch ein hochauflösender Scan der Wangenteile gehörte, der von einer Mitarbeiterin des Ludwig Boltzmann Instituts für Archäologische Prospektion und Virtuelle Archäologie (LBI) noch im Salzberg vorgenommen wurde. Dadurch kann die Stiege auch nach dem Zusammenbau noch von allen Seiten detailliert untersucht werden. 

Auch der im Heidengebirge verbliebene Abdruck der Stiege wurde gescannt. Dieser Scan erleichterte ebenso wie das von LBI angefertigte 3D-Modell den Wiederaufbau der Holztreppe in besonderem Maße.
 

Untersuchungen

Die Stiegenteile wurden zur weiteren Untersuchung ins Naturhistorische Museum Wien gebracht. Zunächst wurde ein 3D-Scan der Distanzbretter und Auftritte im Tiefspeicher des NHM gemacht. Danach wurde eine technische Aufnahme durchgeführt, mit deren Hilfe die unterschiedlichen Abnutzungsspuren auf den 53 Auftritt- und Distanzbrettern möglichst einheitlich erfasst werden sollten, um eine Vergleichbarkeit zu gewährleisten. Dazu wurden gemeinsam mit dem eigens aus England angereisten Holzexperten Richard Darrah, dem Archäotechniker Wulf Hein aus Deutschland und dem österreichischen Holzexperten Michael Grabner die Kriterien erarbeitet, die für die Beschreibung der Bretter wesentlich sind.

Die Lagerung im Depot des NHM erwies sich trotz der dortigen recht guten klimatischen Bedingungen bereits in diesem kurzen Zeitraum als schwierig. Sporen von ins Bergwerk vor einigen Jahren eingeschleppten Schimmelpilzen befinden sich auch auf den Stiegenhölzern. Um das Salz in den Hölzern nicht auskristallisieren zu lassen, sollten die Hölzer feucht gehalten werden. Da aber dieses Milieu ideale Wachstumsbedingungen für Schimmelpilze darstellen, wurden die Pilze vom Institut für Biotechnologie der BOKU Wien beprobt. Damit wurden die Pilze genau identifiziert und es war möglich, die Lagerung der Hölzer in der Folge so zu gestalten, dass die Pilze nicht weiter wachsen können.

Den optimalen Feuchtigkeitsgehalt der bronzezeitlichen Hölzer zu gewährleisten war sehr aufwendig.
Nach Abschluss dieser Arbeiten wurden die Teile ins Österreichische Gießerei-Institut nach Leoben gebracht, wo von allen Hölzern computertomografische Aufnahmen angefertigt wurden, bevor sie in den Salzberg von Hallstatt zurücktransportiert wurden. Die Auswertung der CT-Aufnahmen erfolgte im Institut für Holzforschung der BOKU Wien.
 

Wiederaufbau

Für die neue Schaustelle haben Mitarbeiter der Salinen Austria AG im Winter 2014/2015 400 Meter im Berg eine neue, rund 1.000 Kubikmeter große Kammer in den Berg gesprengt. In dieser Stiegenkammer begann Ende Januar 2015 der Wiederaufbau der Stiege im Salzberg. Dazu wurde der originale Untergrund am Fundort der Stiege mit Hilfe von feinkörnigem Salz anhand des Scans möglichst genau nachempfunden, sodass das über 3000 Jahre alte Holz einer gleichmäßigen Belastung ausgesetzt ist. Zunächst wurden die Stiegenwangen an ihre Position gelegt und ausgerichtet. In sie wurden die Auftritte und Distanzbretter eingefädelt. Der Zusammenbau ließ sich leichter bewerkstelligen, als es bei dem zum Teil verformten bronzezeitlichen Holz hatte erwartet werden können und war in weniger als 4 Wochen im Wesentlichen abgeschlossen.

Die Stiegenkammer wurde anschließend vom Besucherraum durch eine diffusionsundurchlässige Folie abgetrennt. Dadurch wird unter anderem gewährleistet, dass der Feuchtigkeitsgehalt der Luft in der Umgebung der Stiege konstant bleibt. Zusätzlich wird das Klima im Inneren der Kammer durch ein umfassendes Klima-Monitoring überwacht.
 

Nutzung

Die neue Stiegenkammer der Salzwelten Hallstatt wurde Ende Mai 2015 feierlich eröffnet. Im Schauraum, dem „Bronzezeit-Kino“, informiert ein vier minütiger Dokumentarfilm unter anderem über einige der interdisziplinären Forschungen, die im prähistorischen Bergwerk durchgeführt werden. Die Arbeitsabläufe im bronzezeitlichen Bergbau werden in Form einer Animation visualisiert. Eine bronzezeitliche Familie um die Kinder Udlo und Erie führen darin vor, wie – nach dem aktuellen Kenntnisstand der Forschung - das Salz abgebaut und über die Stiege transportiert wurde.

(C. Löw - H. Reschreiter)

 
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