hallstatt
 

Hallstatt – Eine archäologische Schatzkammer

Die Untersuchung des Fundortes Hallstatt und seiner Umgebung ist seit über 100 Jahren ein Forschungsschwerpunkt der Prähistorischen Abteilung des Naturhistorischen Museums in Wien. Unterstützt von der Salinen Austria AG und der Salzwelten GmbH, die die ebenfalls über 100jährige Forschungstradition der örtlichen Saline fortsetzen, werden jährliche Grabungskampagnen seit 1960 im Bergwerk und seit 1992 im Gräberfeld durchgeführt. Als weitere Schwerpunkte haben sich inzwischen die Erforschung des Wirtschaftsraums und die Erforschung der Hallstatt-Textilien etabliert.

Zahlen, Daten und Fakten, die sich aus Funden und Befunden des prähistorischen Hallstatt gewinnen lassen, führen aufgrund der Bedeutung des Fundortes und durch die besonderen Erhaltungsbedingungen im Bergwerk zu einzigartigen Erkenntnissen über das Zusammenleben der Menschen in prähistorischer Zeit, ihre Arbeitsteilung und ihren Lebensalltag.

Die Bedeutung Hallstatts für die archäologische Forschung
Die Landschaft um Hallstatt
Hallstatts Salzlager
Archäologische Zeugnisse in Hallstatt
 
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Siedlung der Latènezeit (400 v. Chr. – 30 n. Chr.)

Reste von latènezeitlichen Holzbauten aus dem 1. Jahrhundert v. Chr. haben sich im Hochmoor der Dammwiese erhalten. Die latènezeitliche Siedlung ist die älteste prähistorische Siedlung, die bislang auf dem Salzberg nachgewiesen werden konnte. Sie wurde bei Ausgrabungen im 19. und in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts freigelegt. Für die hölzernen Wohn- und Wirtschaftsgebäude der Bergbausiedlung wurden umfangreiche Entwässerungsanlagen errichtet.

Bergwerk der Latènezeit (400 v. Chr. – 30 n. Chr.)

Im Hochmoor der Dammwiese wurden in den 1930er Jahren Reste des latènezeitlichen Bergbaus festgestellt. Die Dammwiese liegt auf 1357 m Seehöhe und war damit auch schon in prähistorischer Zeit ein vor Murenabgängen geschützter Ort. Zu den beeindruckenden Zeugnissen des Bergbaus, die dort gefunden wurden, gehört ein vollständig erhaltener Stolleneingang mit Resten des Mundlochhauses aus dem 1. Jahrhundert v. Chr.

Bergbau der Bronzezeit (2100 – 800 v. Chr.)

Der erste Salzabbau im Hallstätter Salzberg lässt sich um 1500 v. Chr. nachweisen. Damit ist das Hallstätter Salzbergwerk das älteste der Welt. Spuren des bronzezeitlichen Bergbaus wurden unter anderem in den neuzeitlichen Grubenteilen Appoldwerk, Christian von Tuschwerk und Grünerwerk gefunden.

Im Inneren des Salzberges herrschen ideale Bedingungen für Funde aus organischem Material wie Textilien und Holz. Einmalige Zeugnisse der Technikgeschichte haben sich hier erhalten, wie zum Beispiel die älteste Holzstiege Europas. Durch die zahlreichen Funde lassen sich die Arbeitsabläufe vor über 3000 Jahren recht genau rekonstruieren.

Bergbau der Hallstattzeit (800 - 400 v. Chr.)

Der Bergbau der Hallstattzeit lässt sich erst rund 300 Jahre nach den letzten Spuren des bronzezeitlichen Bergbaus nachweisen. Er befindet sich an anderer Stelle im Salzberg und wendet eine neue Abbautechnik an. Das Salz, das vorher als Hauklein gebrochen wurde, wird nun in Form von Platten aus dem Gestein gelöst.

Viele Fundobjekte aus dieser Zeit zeigen Reparaturspuren. Außerdem deuten Umnutzungen von beschädigten Gegenständen auf ein gezieltes Ressourcenmanagement. Die organischen Funde aus diesem Bergwerk, wie z. B. Textilien und Holz, sind für die Forschung ausgesprochen wichtig, da sich derartiges Material aus dieser Zeit an anderen Fundorten noch seltener erhalten hat, als aus der vorangegangenen Bronzezeit.

Fleischindustrie in der Bronzezeit (2100 – 800 v. Chr.)

In der Bronzezeit produzierten die Hallstätter nicht nur Salz, sondern auch gepökeltes Fleisch. Zeugnisse darüber geben die Reste mehrerer hölzerner Blockbauten, die auf dem Salzberg entdeckt wurden. Die Pökelwannen wurden durch Radiokarbonanalysen in das 13. und 12. Jahrhundert v. Chr. datiert. Jede Wanne konnte zwischen 150 und 200 Tiere fassen. Die gefundenen Knochen zeigen, dass vor allem Schweinefleisch verarbeitet wurde, und die Tiere dafür bereits geschlachtet ins Salzbergtal geliefert worden sein dürften.

Gräberfeld der Hallstattzeit (800 – 400 v. Chr.)

Das hallstattzeitliche Gräberfeld gehört aufgrund seiner Größe und seiner außergewöhnlich reichen Beigaben zu den wichtigsten archäologischen Hinterlassenschaften der Welt. In den Gräbern aus der Zeit von 800 bis etwa 350 v. Chr. finden sich Luxusgüter aus ganz Europa, die weit reichende Kontakte der Hallstätter mit nahezu der gesamten damals bekannten Welt bezeugen. Bislang wurden etwa 1500 Gräber ausgegraben.

Die meisten davon bereits im 19. und zu Beginn des 20. Jahrhunderts. Durch die Ergebnisse der jüngeren Ausgrabungen seit den 1990er Jahren konnte nachgewiesen werden, dass die Menschen, die im Gräberfeld bestattet wurden, sehr schweren körperlichen Tätigkeiten nachgegangen sind. Die Gräber mit ihrer prunkvollen Ausstattung  dürften deshalb die letzte Ruhestätte der Bergarbeiter sein

Siedlung und Friedhof der Römerzeit (30 – 400 n. Chr.)

Um die Zeitenwende wurde am Ufer des Hallstätter Sees im heutigen Ortsteil Hallstatt Lahn eine römische Siedlung angelegt. Die gefundenen Reste von Wohngebäuden zeigen, dass die Häuser in Steinbauweise errichtet waren und über Fußbodenheizungen und Wandmalereien verfügten. Ein wenig außerhalb der Siedlung, in späterer Zeit jedoch von ihr überbaut, wurden 1983 bei einer Notgrabung mehrere römische Brandgräber entdeckt. Die Steinkistengräber beinhalteten neben den Urnen teilweise reiche Beigaben.

Forschungsbedingungen im Ortsteil Hallstatt Markt

Im Zentrum von Hallstatt am schmalen Ufer des Hallstätter Sees ist archäologische Forschung besonders anspruchsvoll. Zum einen dürfte der Ort mindestens seit dem Mittelalter, wahrscheinlich aber schon sehr viel länger, immer wieder besiedelt gewesen sein. Neu errichtete Bauten zerstörten damit wiederholt ältere Spuren im Boden. Zweitens wurde der Ortsteil Hallstatt Markt in seiner langen Geschichte immer wieder von Muren und Schuttströmen verwüstet. Diese überlagern und zerstören nicht nur die archäologischen Befunde, sondern können auch tiefe Krater hinterlassen, die ein Auffüllen mit Erde von andern Orten – und damit auch mit archäologischen Zeugnissen von anderen Orten – notwendig macht.

Außerdem ist Hallstatt noch heute so dicht bebaut, dass die archäologischen Ausgrabungen sich dort meist auf jenen winzigen Einblick beschränken müssen, die sich bei notwendigen Baumaßnahmen zwingend ergeben. Auch ist bei Baumaßnahmen im Ortskern in der Regel Eile geboten, weil fast jede Baustelle Zuwege blockiert, für die es keine Ausweichmöglichkeiten gibt. Die spärlichen und deshalb umso wichtigeren Informationen, die aus Hallstatt Markt derzeit vorliegen, ergeben bislang noch kein geschlossenes Bild.

 
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(Foto: K. Löcker - Luftbildarchiv Universität Wien)

Die Bedeutung Hallstatts für die archäologische Forschung

Der Ort Hallstatt im oberösterreichischen Salzkammergut ist in der archäologischen Forschung seit dem 18. Jahrhundert aufgrund seines außergewöhnlich reichen hallstattzeitlichen Gräberfeldes weltberühmt. Die Gräber im Hallstätter Salzbergtal beinhalteten Kostbarkeiten aus nahezu der gesamten damals bekannten Welt und inspirierten die frühen Forscher dazu, nicht nur eine in weiten Teilen Europas verbreitete Kultur, sonder sogar eine ganze Epoche der europäischen Urgeschichte nach diesem Ort zu benennen.

Der Reichtum der prähistorischen Hallstätter gründete auf dem unerschöpflich scheinenden Salzvorkommen des Hallstätter Salzberges, das vermutlich seit 7000 Jahren von Menschen genutzt wird. Während für die frühe Zeit nur wenige Zeugnisse wahrscheinlich oberflächlicher Salzgewinnung vorliegen, konnten Forscherinnen und Forscher des Naturhistorischen Museums Wien in ihren montanarchäologischen Untersuchungen des Salzberges für die Zeit um 1500 v. Chr. einen voll entwickelten Bergbau nachweisen. Damit ist das prähistorische Salzbergwerk von Hallstatt das älteste der Welt.

Dank des speziellen Klimas im Salzberg haben sich als Reste dieses Bergbaus einzigartige Objekte aus organischem Material erhalten, wie sie nur an zwei weiteren Orten in der gesamten Welt zu finden sind. Aus dem Hallstätter Bergwerk wurden Holz, Fell, Gras, Exkremente, Speisereste und vieles mehr geborgen, die über 3500 Jahre vor dem Zerfall bewahrt wurden und uns heute einen kleinen Einblick in längst vergangene Zeiten gestatten. Die Funde aus dem Hallstätter Salzberg erlauben es, Fragen zu stellen, die bezüglich einer schriftlosen Kultur andernorts kaum zu beantworten sind.
 

Die Landschaft um Hallstatt

Den Grund dafür, dass sich Menschen in dieser Gegend angesiedelt haben, finden wir in den reichen Salzlagerstätten im Salzbergtal, hoch über den Ufern des Sees. Wenn man mit der Standseilbahn in wenigen Minuten die rund 300 Höhenmeter überwindet, macht man sich kaum ein Bild davon, wie schwer dieses Hochtal einstmals zu erreichen war. Im Norden und Süden durch steile Felswände flankiert, im Westen durch den mächtigen Kalkstock des Plassen abgeschlossen und nach Osten steil zum Seeufer abfallend, konnte man nur über schwierig zu begehende Saumpfade in das Tal hinauf gelangen. Der um die Mitte des 19. Jahrhunderts angelegte breite Weg über den Hallberg benötigt immerhin zwölf Kehren und
mehrere Brücken zur Überwindung des Steilhanges.
 

Hallstatts Salzlager

Umso auffallender und bemerkenswerter ist die Konzentration archäologischer Funde in und um Hallstatt und ganz besonders im Salzbergtal. Zweifellos war es auch in prähistorischer Zeit das Salz, das der Gegend diese große Anziehungskraft verlieh. Wahrscheinlich haben schon vor Jahrtausenden salzhaltige Quellen Tiere und in der Folge auch Menschen angelockt. Man hat mehrere Steinbeile gefunden, die deutlich machen, dass das Salzbergtal seit dem Beginn der Jungsteinzeit vor etwa 7000 Jahren mehr oder weniger regelmäßig von Menschen besucht wurde. Der Fund eines Pickels aus Hirschgeweih, ein typisches Bergbaugerät dieser Zeit, legt den Schluss nahe, dass man schon damals wenigstens versuchte, das Salz durch Bergbau zu gewinnen. Mit einem systematischen Abbau der Lagerstätten ist ab einer fortgeschrittenen Phase der Bronzezeit, ab dem 16. Jh. v. Chr., zu rechnen. Seit dem späten 18. Jahrhundert wurden am Salzberg oberhalb Hallstatts im Zuge des Bergbaubetriebes immer wieder Blockbaukonstruktionen angefahren, die erst in den letzten Jahren als bronzezeitliche Bauwerke aus der Frühzeit des Bergbaus erkannt wurden.
 

Archäologische Zeugnisse in Hallstatt

In den Stollen und Laugwerken des im Jahr 1311 erstmals urkundlich erwähnten historischen Bergwerks haben sich an vielen Orten Nachweise gefunden, die zeigten, dass die Bergleute des Mittelalters nicht die ersten waren, die hier, tief unter der Oberfläche, dieser Tätigkeit nachgingen. Insgesamt sind am Salzberg drei prähistorische Salzgruben nachgewiesen: aus der Bronzezeit, aus der Älteren und aus der Jüngeren Eisenzeit.
Weiters findet sich im Hochtal eines der größten und wichtigsten prähistorischen Gräberfelder Europas, das die frühe Forschung dazu veranlasste, mit dem Namen Hallstatts eine Kultur und eine Epoche der europäischen Ur- und Frühgeschichte zu bezeichnen. Bereits im 19. Jahrhundert konnten mehr als 1000 Gräber geborgen werden, die prachtvolle Beigaben beinhalteten, welche einen regen Warenverkehr zwischen den prähistorischen Hallstättern und nahezu der gesamten damals bekannten Welt bezeugen. Mit den prähistorischen Hausbefunden auf der Dammwiese können wir wohl die Bergbausiedlung zum jüngsten Bergbau, jenem der Jüngeren Eisenzeit, fassen. Darüber hinaus finden sich im Tal am Fuße des Salzbergs die Reste der aus Stein erbauten Villen der Römer, die wahrscheinlich um die Zeitenwende die Verwaltung des keltischen Bergbaus übernommen hatten. So darf man das Gebiet um Hallstatt aufgrund der zahlreichen archäologischen Bodenfunde wohl zu den wichtigsten und aufregendsten archäologischen Fundstellen nicht nur Europas, sondern der ganzen Welt zählen.

(Barth, F.  E. – Löw, C.)