Fußabdrücke von Gorilla, Vormensch und Mensch (Station 19, Saal 15)

 
Orientierung: Vom Saal 16 kommend, betritt man den Saal 15. Wenige Schritte nach dem Eingang trifft man auf eine Glaswand (Videoinstallation). Dahinter, in der Mitte des Saales, stehen zwei hüfthohe Pulte. Das rechte Pult zeigt die Fußabdrücke von Gorilla (links), Vormensch (Australopithecus, Mitte) und Mensch (rechts).
 
Biologisch zählt der Mensch (Homo sapiens) innerhalb der Klasse der Säugetiere zur Ordnung der Primaten. Mit seinen nächsten lebenden Verwandten, den Menschenaffen, verbindet ihn eine lange, gemeinsame Stammesgeschichte. Mit dem Schimpansen teilt der Mensch 99 % seiner Erbinformation und einen letzten gemeinsamen Vorfahren vor etwa 7 Millionen Jahren. Zu den charakteristischen Merkmalen der Affen gehören sehr bewegliche Daumen und Großzehen sowie ein großes Gehirn.
 
Primaten nutzen nahezu alle möglichen Fortbewegungsarten wie vierbeiniges Gehen und Laufen, Klettern und Springen oder mit kräftigen Armen Schwinghangeln. Dabei ist die abspreizbare Großzehe von großem Vorteil beim Klettern und Greifen. Der Mensch ist der einzige Primat, der gewohnheitsmäßig aufrecht auf zwei Beinen geht. Das Gehen auf zwei Beinen entstand nach der Abspaltung des menschlichen Zweigs von jenem, der zum Schimpansen führte, und kennzeichnet alle Vormenschen und Menschen.
 
Als Anpassung an den aufrechten Gang kam es im Laufe der Evolution zu Umbildungen des Skeletts und der Muskelansatzstellen an Knochen. Die Veränderungen betrafen v. a. Becken- und Oberschenkelknochen, aber auch die Wirbelsäule und lassen sich zum Teil bereits an 6 Mio. Jahre alten Vormenschenknochen feststellen. Dass sich auch das Fußskelett veränderte, zeigt der direkte Vergleich von Fußabdrücken eines Gorillas (relativ ursprünglicher, affenartiger Zustand; links außen) und eines Menschen (rechts außen). Durch den aufrechten Gang hat die menschliche Großzehe ihre Bedeutung als Greiforgan verloren. Ihre Beweglichkeit und ihr Abstand zur zweiten Zehe sind gering.
 
Fußabdrücke von Vormenschen sind äußerst selten. Der älteste, direkte Beleg für aufrechten Gang wurde im Jahr 1978 in Laetoli, Tansania, entdeckt. Hier hinterließen drei Individuen vor 3,6 Mio. Jahren ihre Fußabdrücke in regennasser Vulkanasche. Durch die ostafrikanische Sonne ausgetrocknet und von einem neuerlichen Ascheregen eines nahegelegenen Vulkans bedeckt, blieb die 27 m lange, aus 70 Abdrücken bestehende Fußspur bis heute erhalten. Sie wird den damals verbreiteten Vormenschen Australopithecus zugeordnet und zeigt, wie erstaunlich „modern“ deren Füße bereits waren: Die Großzehe war kaum noch abgespreizt und Zehenballen und Fersen waren beim Abrollen tiefer eingedrückt worden, was auf ein menschenähnliches Fußgewölbe hindeutet (mittlerer Fußabdruck).

Nächstes Objekt: Der Tasttisch mit den Schädeln von Gorilla, Vor- und Frühmensch befindet sich auf der Fensterseite am anderen Ende des Saal 15.


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