Hauerelefant als Skelettmodell und original Unterkiefer eines Hauerelefanten (Station 13, Saal 9)

 

Hauerelefanten (Deinotherien, wörtlich: „Schreckenstiere“) zählen mit ihren abwärts und nach hinten gebogenen Stoßzähnen im Unterkiefer zu den eigentümlichsten Vertretern fossiler Rüsseltiere. Es wird vermutet, dass Hauerelefanten mit ihren ungewöhnlichen Stoßzähnen Bäume entrindeten. Deinotherien sind keine direkten Vorfahren der heutigen Elefanten, eher entfernte Verwandte. Die ältesten Fossilfunde stammen aus Afrika und sind 25 – 23 Millionen Jahre alt. Vor rund 18 Millionen Jahren wanderten sie von Afrika nach Europa und Asien ein, wo sie vor 3 Millionen Jahren aufgrund zunehmender Klimaabkühlung ausstarben. Aus Afrika verschwanden sie etwas später, vor 1,2 Millionen Jahren.

 

Wie das Tier ausgesehen hat, lässt sich an dem Skelettmodell eines Deinotherium bavaricum erahnen. Diese Art war kleiner und erreichte „nur“ eine Schulterhöhe von ca. 2,5 Meter. Gefunden im Steinbruch in Franzensbad (Frantiskovy Lazne, Tschechische Republik) kam das Skelett 1885 ans NHM. Es ist 16 Millionen Jahre alt und eines der wenigen nahezu kompletten Skelette dieser Art. Vollständige Skelette großer Säugetiere sind extrem selten und dadurch umso wertvoller.

 

Trotz der annähernden Vollständigkeit war die zusätzliche Anbringung nachgebildeter Teile notwendig. Dazu gehörten unter anderem die Rückenwirbel. Die Stoßzähne sind aus Kunststoff modelliert. Die Beschaffenheit der Oberfläche echter Knochen im Vergleich zu Kunststoff bzw. Gips wird deutlich durch die unterschiedliche Struktur (rau bzw. glatt). Ein deutlicher Klangunterschied ermöglicht ebenso eine Unterscheidung zwischen Original und Replik. Zur Stabilität wurden Eisenrohre als Stütze eingearbeitet.

 

Die enorme Größe eines nahen Verwandten unseres Deinotherium bavaricum, des Deinotherium giganteum, wird besonders erfassbar anhand eines in NÖ gefundenen Unterkiefers. Mit einer Schulterhöhe von bis zu 5 Metern wurde dieser Hauerelefant mehr als doppelt so groß und war somit eindrucksvoller als moderne Afrikanische Elefanten. Gut zu erkennen sind die nach hinten unten gebogenen, langen Stoßzähne. Die niedrigen, breiten Mahlzähne sind typisch für Laubesser was zu der Annahme führt, dass Deinotherien Bewohner lichter Wälder und von Auwäldern waren.

 

Nächstes Objekt: Vom Hauerelefanten geht es geradeaus weiter bis in den nächsten Saal (10). Gleich rechts neben dem Eingang (Fensterseite) steht das gewaltige Skelett der Riesenschildkröte Archelon.

 

 

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