grub/kranawetberg

Ansprechperson: Dr. Walpurga Antl-Weiser

 

Seit 1993 erforschen Archäologen unter der Leitung von Dr. Walpurga Antl-Weiser von der Prähistorischen Abteilung des Naturhistorischen Museums einen Lagerplatz altsteinzeitlicher Jäger und Sammler am Kranawetberg in Grub. An diesem Lagerplatz wurde das größte bislang in Österreich gefundene Schmuckensemble der Altsteinzeit entdeckt. Außerdem gewähren die Untersuchungen einen Einblick in einen bedeutenden Abschnitt der kulturellen Entwicklung vor dem Kältemaximum der letzten Eiszeit und in die klimatischen Veränderungen der letzten Kaltzeit in diesem Teil von Österreich.
Die altsteinzeitlichen Funde vom Kranawetberg in Grub stammen aus der Zeit von ca. 25.000 bis mindestens 22.000 vor heute. Nach dem Rigolen (=Tiefpflügen) eines Weingartens kamen Knochen eiszeitlicher Tiere zum Vorschein. Bei einer ersten Sondage im Jahr 1993 wurde ein eiszeitlicher Fundhorizont angeschnitten. Im folgenden Jahr wurden eine Anhäufung von Mammutschädeln, Stoßzähnen und ein Mammutschädel ausgegraben. Brandflecken zeigen, dass man an dieser Stelle immer wieder ein Feuer entfacht hat, um den Knochenabfall zu verbrennen. Vergleichbare Knochenhaufen gibt es auch in Tschechien und Polen.
Etwa 20m nordöstlich davon befand sich ein Siedlungsplatz mit Spuren von zwei Zelten mit zwei Feuerstellen. Archäozoologische Untersuchungen von Marjolein Bosch ergaben, dass unter anderem vom Kiefer desselben Mammuts ein Backenzahn am Knochenhaufen abgelagert wurde und ein zweiter Backenzahn am westlichen Rand des Siedlungsplatzes. Daher kann mit Sicherheit gesagt werden, dass der Knochenhaufen und der Zeltplatz gleichzeitig bestanden haben. Aus dieser Besiedlungsphase wurden am Behausungsplatz fast 1000 Steinwerkzeuge, mehrere tausend unbearbeitete Steinklingen freigelegt, sowie 250 aus Elfenbein geschnitzte Schmuckstücke und ca. 100 Gehäuse von Schnecken und Muscheln.
Über diesem Siedlungshorizont liegen noch Fundschichten aus drei weiteren Nutzungsphasen dieses Platzes. Während die obersten Schichten aufgrund der wenigen Funde außer der Datierung keine Detailaussagen ermöglichen, ist der Horizont 3 – die über dem eben besprochenen reichen Fundhorizont liegende Schicht – aus zwei Gründen besonders interessant: erstens muss er aufgrund der Ergebnisse der Radiokarbondatierungen sehr bald nach dem Lösssturm, der die Reste der unteren Schicht mit 8-10cm Löss bedeckte, entstanden sein und zweitens weisen die Funde und Siedlungspuren der beiden Schichten große Unterschiede auf. Die Leute, die nun am Kranawetberg lagerten hatten keine Zelte mit aufwändig eingegrabenen Zeltstangen. Sie holten das Rohmaterial für ihre Geräte aus einer ganz anderen Gegend als die frühere Gruppe. Sie trugen keinen Elfenbeinschmuck und hatten zum Teil auch unterschiedliche Werkzeuge.
Zum gegenwärtigen Zeitpunkt scheinen die beiden Horizonte die Anwesenheit von zwei Gruppen widerzuspiegeln, die dieses Gebiet möglicherweise unter sich ändernden Umweltbedingen nutzten.
In den Jahren 2010 und 2011 wurde eine Reihe von Proben für IRSL- und OSL-Datierungen, Pollen- und Molluskenuntersuchungen an zwei langen Profilen im Osten der ausgegrabenen Fläche genommen. Damit sollen die klimatischen Veränderungen an diesem Platz studiert werden. Die IRSL und OSL Untersuchungen wurden von Prof. Dr. Ludwig Zoeller, Lehrstuhl für Geomorphologie der Universität  Bayreuth durchgeführt.
An der Analyse der Faunenreste sind Dr. Florian Fladerer von der Österreichischen Akademie der Wissenschaften sowie Marjolein Bosch beteiligt. Teile der Siedlungsstrukturen wurden bereits von Dr. Philip Nigst, Universität Cambridge untersucht. Erste Sedimentuntersuchungen führte Univ. Prof. Spyridon Verginisᵼ durch. Doz. Dr. Christa Frank, Universität Wien, ist an der Analyse der Mollusken beteiligt.
Die Datierungen der Schichten dieses Profils haben ergeben, dass hier Lösssedimente aus der gesamten Zeitspanne des Jungpaläolithikums in Österreich abgelagert sind. Daher gibt der Platz nicht nur Einblick in einen bedeutenden Abschnitt der kulturellen Entwicklung vor dem Kältemaximum der letzten Eiszeit, sondern auch in die klimatischen Veränderungen der letzten Kaltzeit in diesem Teil von Österreich.