FWF P25365-B25

Süßwassersysteme im Neogen und Quartär Europas: Biodiversität der Gastropoda, Provinzialismus und Faunengradienten

 

Projektleiter: Priv. Doz. Mag. Dr. Mathias Harzhauser

 

Zeitraum: 02/2013 - 01/2016

 

Projektmitarbeiter:

 

Diese Studie wird die erste detaillierte Erfassung der Zusammensetzung der europäischen Süßwasser-Gastropoden des Neogens und Quartärs auf Art-, Gattungs- und Familienniveau mit Schwerpunkt auf Seefaunen. Biodiversität und Zusammensetzung der holozänen Seefaunen scheint besonders durch die quartären Eiszeiten beeinflusst worden zu sein. Einige kurzlebige miozäne Seen sind jedoch überraschend „modern“ in Bezug auf generische Zusammensetzung und Gattungs-/Art-Verhältnisse. Dies zeugt davon, dass die modernen Vergesellschaftungen nicht zwingend junge Enzwicklungen sind, die ausschließlich auf den glazialen „Flaschenhals“ zurückzuführen sind. Im Gegensatz dazu beheimaten die heutigen langlebigen europäischen Seen Gastropoden-Vergesellschaftungen mit hohem Endemismus und überraschenden Parallelen zu präpleistozänen Seefaunen. Die Ursprünge all dieser modernen Faunen sind allerdings durchwegs enigmatisch.
In einem ersten Schritt wird die γ-Diversität von mehreren hundert modernen und fossilen europäischen Seen evaluiert. Ein internationales Expertenteam aus PaläontologInnen und Limnologen mit langer Erfahrung mit modernen und fossilen Faunen, europäischer Stratigraphie und guter Kenntnis der äußerst umfangreichen relevanten Literatur ist verfügbar, um Daten zu akquirieren, zu evaluieren und zu kontrollieren. Danach wird die enorme Datenmenge mithilfe der FreshGEN-Datenbank (Freshwater Gastropods of the European Neogene) dauerhaft öffentlich zugänglich gemacht werden. Diese Datenbank wird in Design und Funktionalität den derzeitigen Standards in Management und Speicherung von digitalen Biodiversitätsdaten entsprechen und mit vergleichbaren Projekten kompatibel sein. Die wichtigsten Fragestellungen betreffen die Suche nach Faktoren, die die γ-Diversitäten durch die Zeit erklären, und die Suche nach Gradienten in Artenreichtum und/oder Zusammensetzung. Diversitätsdaten und der Vergleich zwischen den einzelnen Seen werden es ermöglichen, Endemismusraten zu berechnen und Hotspots in modernen und fossilen Seen quantitativ zu erfassen. Zusätzlich werden die Schalengrößen der Taxa evaluiert, um auch hier Muster zu erfassen und Phasen mit ungewöhnlichem „Gigantismus“ definieren zu können.
Die gut bekannte Klimageschichte Europas der letzten 23 Millionen Jahre bietet den Rahmen, um Änderungen in den Zusammensetzungen auf Art-, Gattungs- und Familienniveaus mit Klimatrends und Events in Verbindung zu bringen. Idealerweise wird dieses Projekt dank der intensiven Kooperation zwischen PaläontologInnen und Zoologen Licht auf die Ursprünge der modernen Seefaunen werfen. Ein Hauptziel ist die Definition und grafische Darstellung einer Statistik-basierten pan-europäischen Biogeographie und Paläobiogeographie der neogenen und quartären Süßwassersysteme. Sobald die FreshGEN-Datenbank etabliert ist, könnte sie als wesentlicher Nukleus für eine geographische und/oder stratigraphische Erweiterung dienen. Schließlich sind diese Daten eine solide Basis, um (zukünftige) anthropogene Einflüsse auf holozäne Seefaunen zu evaluieren.