somatologische sammlung

Die von Johann Jungwirth 1966 begründete Sammlung umfaßt einen sehr heterogenen Bestand mit Nachlässen und Teilnachlässen von ehem. Kustoden der Abteilung und wissenschaftlichen Mitarbeitern anderer universitärer und außeruniversitärer Institutionen. Das Inventar umfaßt gegenwärtig 2.600 Objekte. Neben handschriftlichen Aufzeichnungen, welche bei Felduntersuchungen und Forschungsreisen angefertigt wurden, werden in dieser Sammlung Arbeitsprotokolle von Untersuchungen am Lebenden und zahlreiche, für Bevölkerungsstudien unterschiedlichster Fragestellung konzipierte, metrisch-morphologische Befundbögen, Hautleistenabdrücke und eine sogenannte „Haarsammlung" verwahrt. Die Planung und Durchführung der verschiedenen Projekte ist durch zum Teil sehr umfangreiche Tagebuchaufzeichnungen und Korrespondenzen dokumentiert.
Der Sammlung zugeordnet ist auch eine große Anzahl von erbbiologischen Vaterschafts- und sogenannten Abstammungsgutachten („Rassegutachten") aus der Zeit des Dritten Reiches; die erst vor kurzem gesichteten Archiv-Bestände belegen den Gebrauch und Mißbrauch anthropologischen Wissens und eine innige Verflechtung zwischen jenen Bestrebungen, die dem Ausbau der wissenschaftlichen Sammlungen und den musealen Popularisierungsvorhaben in der NS-Zeit dienen sollten (Ausstellungsbeispiel: „Das körperliche und seelische Erscheinungsbild der Juden"). Die kritische Analyse dieser Bestände im historischen Kontext ist Ziel eines aktuellen interdisziplinären FWF Forschungsprojektes.