naturwissenschaftliche präparate

In der Zoologie stellen die verschiedenen Gruppen der Tiere höchst unterschiedliche Anforderungen, was ihr „Haltbarmachen“ anlangt. Während etwa Muschelschalen oder Schneckenhäuser so gut wie keiner Behandlung bedürfen, um aufbewahrt werden zu können, Insekten in vielen Fällen lediglich einer Trocknung unterzogen werden müssen, sind für Wirbeltiere sehr aufwändige Verfahren nötig, um ihre Erhaltung zu ermöglichen. Insbesondere dann, wenn die entstandenen Präparate auch einen Schauwert haben sollen.

alkohol-präparat

Die einfachste Form der Konservierung besteht darin, den gesamten Körper in eine Konservierungsflüssigkeit einzulegen. In der Regel dient dazu ein Alkohol (vergälltes Ethanol, 70%). Oft geht der Konservierung des Objekts in Ethanol eine Behandlung mit Formol voraus, ein Fixierungsmittel, dass Autolyse und Fäulnis von Geweben stoppt. Für die Konservierung von Weichtieren oder sensiblen Organismen wie z.B. Quallen ist eine Fixierung mit Formol sogar unerlässlich. Formol ist allerdings auch giftig, weshalb es wenn möglich nach einigen Tagen durch Ethanol ersetzt wird.

Alkoholpräparate haben den Vorteil, dass der gesamte Organismus erhalten bleibt. Meist werden Fische, Amphibien und Reptilien so aufbewahrt, aber auch Vögel oder Säuger werden gelegentlich so konserviert (Jungtiere). Zwar führt die Konservierung in Alkohol zu einem Ausbleichen der Farben, Vertreter der genannten Gruppen verlieren ihre natürliche Färbung allerdings in jedem Fall bereits wenige Stunden nach dem Tod. Ein weiterer Vorteil von Alkoholpräparaten besteht darin, dass erhaltenes Gewebe sehr lange für genetische Untersuchungen (DNA) geeignet ist. Aus diesem Grund werden heute in vielen Fällen gesonderte Gewebeproben von neu einlangendem Material als Alkoholpräparat aufbewahrt. Hinsichtlich ihres Schauwerts gelten Alkoholpräparate als wenig attraktiv, für wissenschaftliche Sammlungen sind sie aber unersetzlich.

balg

Als Balg wird die abgezogene und gegerbte Haut eines Tieres bezeichnet. Balgpräparate werden von Säugetieren und Vögeln angefertigt. Durch die an der präparierten Haut ansitzenden Haare bzw. Federn werden wichtige Informationen erhalten.

Balgpräparate sind wichtiger Bestandteil wissenschaftlicher Vogel- und Säugetiersammlungen. Bälge dieser Gruppen behalten ihre Farben, sodass Balgpräparate auch einen nicht geringen Schauwert haben. Balgpräparate haben darüber hinaus den Vorteil, in der Unterbringung platzsparender zu sein als „Stopfpräparate“ und sie erfordern deutlich weniger Aufwand als die Herstellung einer Dermoplastik.

skelett

Ob Ganz- oder Teilskelett: für die Anfertigung eines entsprechenden Präparats ist es nötig, die Knochen vollständig von jedwedem sonstigen Gewebe zu befreien. Dies geschieht zunächst mechanisch durch den Präparator, oft nach Einlegen des Organismus in Mazerationsflüssigkeiten (Enzymlösungen). Letztlich kommen tierische Helfer für die Präparation zum Einsatz: Das vorgereinigte Skelett bzw. seine Teile werden Speckkäferlarven „zum Fraß“ vorgesetzt. Die Insekten – eigentlich gefürchtete Schädlinge musealer Sammlungen – sorgen innerhalb einiger Wochen für die Endreinigung der Knochen.

Skelettpräparate sind Träger wichtiger morphologischer Informationen. Zu wissenschaftlichen Zwecken werden die einzelnen Elemente eines Skeletts einfach in geeigneten Behältern aufbewahrt, für Schauzwecke werden montierte Skelettpräparate angefertigt, d.h. das Skelett wird mit Hilfe von Stützelementen wieder aufgebaut.

dermoplastik

Eine Dermoplastik ist die dreidimensionale Rekonstruktion eines gesamten Tieres. Ausgangspunkt ist in jedem Fall die präparierte Haut, also der Balg des Tieres, mitunter kommen noch weitere „Originalteile“ des Tiers zum Einsatz (etwa ein Geweih, Hufe, Zähne). Während bis vor einigen Jahrzehnten der Balg eines Tiers mit diversen Füllmaterialien wie Stroh, Moos, Hanf oder auch Torf „ausgestopft“ wurde (daher der Begriff „Stopfpräparat“), was mitunter zu wenig authentischen Ergebnissen führte, dienen heute in der Regel Kunststoffkörper, die exakt an die Art und Größe des Objekts angepasst werden, als Träger für die Rekonstruktion des Körpers. Zur Feinabstimmung der Körperform dient Watte und Holzwolle. Zum Schutz gegen Insektenfraß wurden Dermoplastiken früher mit Arsen behandelt. Heute wird dieses Gift durch Eulan ersetzt, einer Mischung aus zwei insektenvernichtenden Stoffen, die in der Textilindustrie zum Einsatz kommt.

Die Herstellung einer modernen Dermoplastik ist fraglos die Königsdisziplin der zoologischen Präparation. Die möglichst authentische Wiedergabe des Habitus eines Tieres erfordert nicht nur höchstes handwerkliches Geschick, sondern auch umfangreiches Wissen über das zu präparierende Tier. Entsprechend aufwändig gestalten sich oft Recherchen, die in Zusammenarbeit mit den Fachwissenschaftlern durchgeführt werden. Bild- und Filmstudien sind oft unerlässlich, um etwa Feinheiten der Bewegung erkennen und im Präparat umsetzen zu können. Entsprechende Präparate haben höchsten Schauwert und sind sehr aufwändig. Sie kommen daher in erster Linie für Ausstellungen und Präsentationen zum Einsatz.

 

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