geschichte der vogelsammlung

1793 erwarb Kaiser FRANZ II (seit 1806 FRANZ I. von Österreich) die private Vogelsammlung seines Falkenmeisters Josef NATTERER und legte damit den Grundstock für ein eigenes zoologisches Museum innerhalb der kaiserlichen Sammlungen, die 1796 als "Physikalisches und astronomisches Kunst- und Natur-Thier-Cabinet" vereinigt wurden. Das älteste erhaltene Inventar von 1806 listet bereits 1.664 Vögel aus 804 Arten auf. Im gleichen Jahr wurden bei der Versteigerung des Museum Leverianum (London) die ältesten sicher datierbaren Stücke der Vogelsammlung erworben. Darunter befinden sich Stücke, die während der zweiten und dritten Weltumsegelung von James COOK 1772-1775 gesammelt worden waren.

 

1839 wurde die umfassende Privatsammlung von Carl v. HÜGEL angekauft, die vor allem Vögel aus dem Himalaya, Australien und Neuseeland enthielt. Einen wesentlichen Kernbereich der Sammlung bildet das wertvolle Material, das im Anschluss an die so genannte Leopoldina-Expedition 1817-1835 von Johann NATTERER in Brasilien gesammelt worden war. 1869 gelangte die Vogelausbeute der österreichischen Weltumsegelung (1857-1859) der Fregatte Novara an das k.k. Zoologische Hof-Cabinet, wie die Sammlung inzwischen benannt worden war. 1875-1887 sammelte Andreas REISCHEK in Neuseeland, seine Aufsammlungen wurden 1889 im neu erbauten k.k. Naturhistorischen Hofmuseum den begeisterten Besuchern vorgestellt. Die letzten großen Sammlungsankäufe erfolgten 1906 (Viktor Ritter v. TSCHUSI zu SCHMIDHOFFEN, Paläarktis), 1910 (Rudolf GRAUER, Ostafrika) und 1986 (Franz Graf SEILERN, weltweit). Im Rahmen des derzeit möglichen Forschungsprogramms gelangt auch heute noch wertvolles Material an die Vogelsammlung, wenngleich die Schenkungen, Sammlungsreisen und Ankäufe nur mehr einen wesentlich geringeren Umfang erreichen als während der Blütezeit des Hauses im 19.Jahrhundert.

 

Kustoden der Vogelsammlung: Josef NATTERER sen. (bis 1823), Josef NATTERER jun. (bis 1851), Johann Jakob HECKEL (bis 1857), August v. PELZELN (bis 1888), Ludwig LORENZ v. LIBURNAU (bis 1915), Moriz SASSI (bis 1940), Günther NIETHAMMER (bis 1946) Moriz SASSI (bis 1949), Gerth ROKITANSKY (bis 1972), Herbert SCHIFTER (bis 1994), Ernst BAUERNFEIND (bis 2011), Anita GAMAUF (seit 2011).

 

Die Sammlungen waren ursprünglich im Privateigentum des Kaisers und wurden 1765 von Kaiserin MARIA THERESIA dem Staate übergeben. Schon 1821 gab es Öffnungszeiten für das Publikum. Jeden Samstag war die so genannte "Brasilianische Sammlung" für die Wiener Bevölkerung zugänglich, "Fremde und Gelehrte fanden täglich Zutritt" (Josef FITZINGER, Geschichte des kais. kön. Hof-Naturalien-Cabinetes zu Wien).

Die Sammlungen befanden sich zuerst in der Hofbibliothek am Josefsplatz (Wien I), Teile später auch im Schloss Belvedere und im eigens angemieteten "Harrach'schen Haus" in der Johannesgasse (Wien I). Seit der Eröffnung des k.k. Naturhistorischen Hofmuseums am 10.August 1889 befinden sich die Bestände der Vogelsammlung im Wesentlichen in den Räumen, die sie auch heute noch einnehmen.

 

Im Gegensatz zu vielen anderen berühmten Sammlungen blieb die Vogelsammlung des Naturhistorischen Museums von Verlusten bis zum heutigen Tage großteils verschont; nur ein kleiner Teil der Archivalien, die alte Skelettsammlung und wenige Präparate wurden im Revolutionsjahr 1848 beim Brand der Hofburg ein Raub der Flammen. Mit Ausnahme einiger wertvoller Bibliotheksbestände die verloren gingen überstand die Sammlung auch die Wirren des Zweiten Weltkrieges und die Bombenangriffe auf Wien weitgehend unbeschadet. Ihr zukünftiges Schicksal wird weitgehend davon abhängen, ob eine räumlich und personell ausreichende wissenschaftliche Betreuung auch weiterhin gesichert ist.