geschichte der säugetiersammlung

Die Ursprünge der Säugetiersammlung reichen bis in das 16. Jh. zurück. So stammen einige Nashorn-Hörner und vermutlich auch ein Narwalzahn aus der "Kunst- und Wunderkammer" Ferdinands II. von Tirol in Schloß Ambras in Innsbruck. Während es damals noch galt, verschiedene Kuriositäten zu sammeln, begann man zu Beginn des 19. Jh. die Vielfalt der Natur zu dokumentieren und zu erforschen. Zu dieser Zeit wuchs die Sammlung rapide an. Noch heute sind in der Schausammlung Dermoplastiken von Affen zu besichtigen, die aus der umfangreichen Sammlung Johann Natterers (1787-1843) stammen. Er bereiste von 1817 bis 1835 Brasilien mit dem Auftrag, wissenschaftliches Material für das Museum zu sammeln. Die Säugetiersammlung verwahrt auch Belege, die von Carl Freiherr von Hügel (1796-1870) zwischen 1830 und 1836 in Asien gesammelt wurden, einzelne Exemplare aus der Sammlung des Kronprinz Rudolf von Österreich (1858-1889), sowie Teile der jagdlichen Ausbeute der Weltreise von Erzherzog Franz Ferdinand von Österreich 1892/93. Weiters wurden die Bestände durch Aufsammlungen von Ida Pfeiffer (1797-1858) in Madagaskar, Emil Holub (1847-1902) und Rudolf Grauer (1871-1927) in Afrika sowie viele andere vermehrt.

 

Ab Mitte der 1920er Jahre publizierte Otto Wettstein (1892-1967) vielfach aufgrund von in Österreich gesammeltem Kleinsäugermaterial "Beiträge zur Säugetierkunde Europas", die für die damalige Zeit bahnbrechend waren. 1933 erschien "Die freilebenden Säugetiere Österreichs", ein kompilatorisches Werk von H. Rebel, das die längste Zeit die einzige zusammenfassende Säugetierfauna Österreichs darstellte. Etwa zur gleichen Zeit führten Sammelreisen von Mitarbeitern der Säugetiersammlung nach Südosteuropa und in die Türkei (O. Koller, O.Wettstein).

 

In der Zeit nach dem zweiten Weltkrieg begann eine Phase eifriger Sammeltätigkeit sowohl in Österreich, als auch am Balkan und im Nahen Osten. K. Bauer entdeckte eine neue Fledermausart (Plecotus austriacus) und fand für Österreich neue Arten, darunter den Steppeniltis und die Balkan-Kurzohrmaus. Aus großteils von biospeläologisch interessierten Amateuren in Höhlen aufgesammeltem Schädelmaterial wies er das frühere Vorkommen der Teichfledermaus in unserem Lande nach. 1960 publizierte er ein umfassende Studie über die Säugetierfauna des Neusiedlersee-Gebiets, Burgenland. Die Erforschung der Säugetierfauna Österreichs blieb auch später ein wichtiger Arbeitsschwerpunkt. Die Mitarbeiter der Säugetiersammlung, vor allem B. Herzig-Straschil, wiesen in säugetierkundlich bisher so gut wie unbekannten Teilen der Alpen die Alpenwaldmaus, die Schabrackenspitzmaus und die Bayerische Kurzohrmaus nach. F. Spitzenberger führte - meist gemeinsam mit dem früheren Sammlungsmitarbeiter Anton Mayer - in großen Teilen Österreichs flächendeckende Erhebungen der Sommerverbreitung gebäudebewohnender Fledermäuse durch.

 

Als Ergebnis dieser intensiven Sammeltätigkeit wurden 23 Monographien österreichischer Säugetiere ("Mammalia austriaca") als Bausteine für die „Säugetierfauna Österreichs“ (F. Spitzenberger, Graz, 895 pp.) publiziert. Dieses umfassende Werk erschien 2002 und enthält detaillierte Beschreibungen und Karten der holozänen geographischen Verbreitung und Höhenverbreitung der 102 in Österreich vorkommenden Säugetiere.