geschichte der herpetologischen sammlung

Mit der Bestellung Carl von Schreibers zum Direktor der naturwissenschaftlichen Sammlungen im Jahre 1806 wurden die bisher bloß archivierten Naturobjekte erstmals auch wissenschaftlich betreut und auf drei neu geschaffene Sammlungen, eine Mineralogische, eine Botanische und eine Zoologische aufgeteilt (Scholler 1953). Die erste zahlenmäßige Erfassung der herpetologischen Objekte in Form eines "Acquisitionsbuches" datiert aus dem Jahre 1806. Im Jahre 1817 trat Leopold Fitzinger als "freiwilliger Praktikant", mit der Aufgabe, sich der verwaisten Reptilien- und Fischsammlung anzunehmen, in den Musealdienst ein (Steindachner 1901).

 

Von Schreibers Interesse an vergleichend anatomischen Studien verdankt das Haus zahlreiche anatomische Wirbeltierpräparate. Durch den Ankauf von Einzelstücken und Sammlungen (wie z. B. die Sammlung J. Cook), Sammelreisen der Mitarbeiter in Europa und Expeditionen (z. B. Brasilienexpedition 1817-1835, Auslandsfahrten der österreich-ungarischen Kriegsmarine, Weltreise der Fregatte Novara 1857-1859) wurden wertvollste herpetologische Objekte der Sammlung einverleibt. Im Rahmen der Brasilienexpedition des Museums sammelte Johann Natterer, der zoologische Leiter, 18 Jahre lang tausende Lurche und Kriechtiere

 

Einen Rückschlag erlitten die Sammlungen, als im Revolutionsjahr 1848 während der Kämpfe um Wien der linke Flügel der Hofbibliothek am Josefsplatz in Brand geschossen wurde und die Tierdepots am dortigen Dachboden dem Brand zur Gänze zum Opfer fielen. Die wertvolle Privatsammlung und die Tagebücher Johann Natterers aus seiner Zeit in Brasilien, dazu Vögel- und Säugetierpräparate, die aus Platznot auf dem Dachboden gelagert waren, sowie umfangreiche herpetologische Kollektionen aus der ganzen Welt verbrannten. Dieser Brand griff auch auf die Dienstwohnung Carl von Schreibers über; dabei wurden zahlreiche unveröffentlichte Manuskripte sowie die Kabinettsakten vernichtet (Scholler 1955). Nach der Pensionierung Carl von Schreibers im Jahr 1851 trennte Kaiser Franz Joseph I. die "Vereinigten Naturalien-Cabinete" nunmehr auch offiziell in ein "Zoologisches", "Botanisches" und in ein "Mineralogisches Hof-Cabinet".

leopold fitzinger

Leopold Fitzinger, der bereits 1817 als Fünfzehnjähriger am Museum ohne Entgelt arbeitete, publizierte 1832 nach zahlreichen Sammelreisen im damaligen Österreich ein "Verzeichnis der im Erzherzogthum Österreich vorkommenden Säugethiere, Reptilien und Fische". Bei den ichthyologischen Studien wurde er von Jacob Heckel unterstützt, der später einer der bedeutensten Ichthyologen Österreichs wurde. Da er aber zunächst keine Möglichkeit sah, am Museum angestellt zu werden, mußte er im Jahr 1821 das Museum verlassen und eine Stelle als Sekretär bei den Landständen von Niederösterreich annehmen. Zeit für die Betreuung der Sammlungen wurde ihm allerdings weiterhin während der Dienstzeit gegeben. Erst 1844 wurde er am Museum als Custosadjunkt angestellt und dadurch auch offiziell mit der Leitung der Reptilien- und Säugetiersammlung betraut.

 

Doch seine wissenschaftlich wichtigsten Beiträge schrieb Fitzinger mit einigen Ausnahmen in den Jahren davor, wie "Die neue Classification der Reptilien nach ihrer natürlichen Verwandtschaft" (1826), "Entwurf einer systematischen Anordnung der Schildkröten, nach den Grundsätzen der natürlichen Methode" (1835), "Systema Reptilium" (1843), "Über den Proteus anguineus Auctorum" (1850), "Die Ausbeute der österreichischen Naturforscher an Säugethieren und Reptilien während der Weltumseglung Sr. Majestät Fregatte Novara" (1861). Seine Verdienste um die Wirbeltierforschung würdigten die Akademien in Wien, Neapel sowie Philadelphia und zahlreiche Gelehrtenvereine, indem sie ihn zu ihrem Ehrenmitglied ernannten. Fitzinger starb 1884.

 

1851 bis 1876 bestand die Zoologische Sammlung als eigenes "k. k. Zoologisches Hof-Cabinet". In diesem Zeitabschnitt wurde wertvollstes Material aus allen Teilen der Welt in die Sammlung aufgenommen. Mitglieder diplomatischer Vertretungen, Schiffsärzte auf Handels- und Kriegsschiffen (Saida, Aurora, Fasana etc.) und Mitglieder des Kaiserhauses halfen, die Reichhaltigkeit der Sammlungen zu erweitern. Einige Sammler seien hier namentlich erwähnt: Alexander Freiherr von Hügel (1796-1870) sammelte 1831-1837 in Griechenland, Ägypten, Kaschmir, Indien, China, auf den Philippinen und im Kapland, der Botaniker Theodeor Kotschy (1813-1866) in Nordafrika, auf Zypern, in der Türkei und in Persien. Georg Frauenfeld (1805-1873) nahm 1857 als Zoologe an der ersten Weltumsegelung der Fregatte Novara teil. Von 1864 bis 1874 bereiste Ferdinand Stoliczka (1838-1874) Indien als Assistent von Dr. Oldham (1816-1878), Superintendent des Geological Survey of India (Ball 1886).

franz steindachner

1857 wurde Franz Steindachner (1834-1919, Abb. 3) als Student regelmäßiger Gast im "k. k. Zoologischen Hof-Naturalien-Cabinet". 1861 bekam Steindachner eine freigewordene Kanzlistenstelle, nachdem er zuvor als Hilfsarbeiter eingesetzt war. Er übernahm die Leitung der Fisch-, Lurch- und Kriechtiersammlung. 1876 wurde er zum Direktor des "Zoologischen Hofkabinettes" ernannt und 22 Jahre später, 1898, Intendant des gesamten "k. k. Naturhistorischen Hofmuseums" (Kähsbauer 1959).

 

Seine Teilnahme an der neunmonatigen Südamerika-Expedition von Professor L. Agassiz (1807-1873) 1871-1872, an mehreren Mittelmeerexkursionen 1891/92/93, an der "I." und "II. Österreichischen Expedition nach dem Rothen Meere" und an der Brasilien-Expedition des Naturhistorischen Museums 1903 erweiterte die Bestände der von ihm betreuten Sammlungen ganz beträchtlich. Von einer Reise nach Spanien, Protugal und den Kanarischen Inseln 1864-1865 brachte Steindachner etwa 10.000 Fische und Reptilien mit. Steindachner, privat ein sparsamer Mensch, stellte aus seinem geerbten Vermögen große Geldbeträge für die Finanzierung von Sammelreisen und Ankäufen zur Verfügung und war einer der ersten, der den wissenschaftlichen Wert von größeren Serien bei Aufsammlungen erkannte.

 

In die Amtszeit Steindachners fiel auch die 1886 abgeschlossene Übersiedlung der Sammlungen von den Räumen der Hofburg in das neu erbaute Gebäude am Burgring. 1919 wurde Steindachner nach 60jährigem Wirken im Dienste des Hauses im 85. Lebensjahr pensioniert. Er starb 10 Wochen danach am 10. Dezember 1919 an einer Lungenentzündung, die er sich aufgrund der schlechten Heizungsmöglichkeiten in seiner Dienstwohnung im Museum zugezogen hatte.

 

Zum Leiter der Fischsammlung wurde daraufhin Viktor Pietschmann (1881-1956) bestellt, welcher zahlreiche Sammelreisen (1910 Mesopotamien, 1914 Armenien, 1927 Pazifik, 1931 Anatolien, 1925, 1934, 1935, 1937 Donaudelta) unternahm und dabei ganz besonders auch die Herpetologische Sammlung bereicherte.

friedrich siebenrock

In der Amphibien- und Reptiliensammlung hatte Friedrich Siebenrock (1853-1925, Abb. 4) 1919 die Nachfolge Steindachners angetreten und sich zu dieser Zeit schon einen besonderen Ruf als Schildkrötenspezialist erworben (Tiedemann & Grillitsch 1989). Zusammen mit Steindachner war Siebenrock, der an den Universitäten von Innsbruck und Wien studiert hatte und Kollege von Carl Brühl (1820-1899) am Zootomischen Institut in Wien war, bereits seit 1886 an der Sammlung tätig, durchlief die Beamtenlaufbahn und wurde 1920 zum Hofrat ernannt.

 

Neben den Krokodilen galt sein wissenschaftliches Interesse vor allem den Schildkröten, eine Neigung, die in zahlreichen morphologisch-systematischen Publikationen ihren Ausdruck fand. Die Herpetologische Sammlung verdankt seinen vergleichend anatomischen Studien eine weltweit einzigartige Skelettsammlung, großteils Schildkröten. Siebenrock hatte dazu die Kollektionen von V. Pietschmann (Mesopotamien, Kurdistan), A. Voeltzkow (1860-1947, Ostafrika) und R. Grauer (1870-1927, Belgisch Kongo) bearbeitet. 1895 und 1897 begleitete er seinen damaligen Direktor Franz Steindachner bei der "I." und "II. Österreichischen Expedition nach dem Rothen Meere", und 1903 bearbeitete er das von Steindachner während seiner Brasilien-Expedition gesammelte herpetologische Belegmaterial. 1886 erschien der erste Band der bis heute bestehenden Schriftenreihe "Annalen des k. k. Naturhistorischen Hofmuseums" (ab 1919: "Annalen des Naturhistorischen Museums"), in denen zahlreiche herpetologische Artikel publiziert wurden.

 

Am 10. August 1889 eröffnete Kaiser Franz Joseph I. das heutige Naturhistorische Museum, welches von den Architekten Semper und Hasenauer geplant, nach 10jähriger Bauzeit am Burgring die drei bisher getrennten naturgeschichtlichen Hof-Kabinette aufnahm. Diese wurden unter die gemeinsame Verwaltung eines Intendanten gestellt, mit welcher Funktion Ferdinand von Hochstetter (1829-1884) bereits am 30. April 1876 betraut wurde.

 

Nach der Pensionierung Steindachners im Jahre 1919 verwaltete Friedrich Siebenrock (wehruntauglich wegen Kurzsichtigkeit) gemeinsam mit Viktor Pietschmann und Otto von Wettstein Ritter von Westersheimb (1892-1967) die Ichthyologische und Herpetologische Sammlung. 1920 wurde O. Wettstein mit der alleinigen Betreuung der Herpetologischen Sammlung betraut (Eiselt 1967).

otto wettstein-westersheimb

Otto Wettstein-Westersheimb, dessen zoologisches Interesse ursprünglich den Säugetieren und den Vögeln gegolten hatte, bewarb sich nach seiner Promotion 1915 an der Herpetologischen Sammlung um einen Posten, da nur dort Aussicht auf eine Anstellung am Museum bestand. Wettstein war Schüler der Zoologen Karl Grobben (1854-1945), Franz Werner (1867-1939) und des Paläontologen Othenio Abel (1875-1946). Wie damals üblich, bat Wettstein, in der Herpetologischen Sammlung ohne Bezahlung arbeiten zu dürfen. Als erste Aufgabe inventarisierte er die Sammlung Egid Schreibers (1836-1913). Aufgrund hochgradiger, durch beidseitige Mittelohrentzündungen in der frühen Jugend bedingter Schwerhörigkeit wurde Wettstein für wehruntauglich erklärt und beim damaligen Hilfsdienst eingesetzt. Unter anderem arbeitete er in der "Fischereikompanie" in Split (Kroatien), mit dem Auftrag, neue Fischereimethoden für die Verpflegung der Soldaten auszuarbeiten.

 

Wettstein übernahm als Nachfolger Siebenrocks die Sammlung in chaotischem Zustand (Bauer 1963), reorganisierte sie innerhalb von 5 Jahren und baute sie zu einer der größten Amphibien- und Reptiliensammlungen aus (Niethammer 1967). Zu Beginn des 2. Weltkrieges mußte die gesamte Alkoholsammlung, die damals bereits zehntausende Gläser umfaßte, in Luftschutzkellern gelagert werden; 1944 waren die Kulturgüter auch in Bergwerken untergebracht. Der Transport des Materials gestaltete sich besonders schwierig, da die meisten Männer Kriegsdienst ableisteten. Trotz der Kämpfe in Wien - auch unmittelbar um das Museum - blieb das Haus von großen Kriegsschäden verschont. Wettstein übernahm in dieser Zeit die Agenda eingerückter Kollegen, und es gelang ihm auch, die Annalenbände 51-54 (1941-1944) herauszugeben.

 

1942 nahm Wettstein an der Kreta-Expedition eines biologischen Forschungstrupps der Deutschen Wehrmacht teil. In Zusammenarbeit mit dem Botaniker K. H. Rechinger (1906-1999) und dem Zoologen Franz Werner stellte Wettstein eine Spezialsammlung südosteuropäischer Wirbeltiere zusammen und veröffentlichte grundlegende Arbeiten auf diesem Gebiet: "Die Vogelwelt der Ägäis" 1938, "Die Säugerwelt der Ägäis" 1941, "Herpetologia aegaea" 1953a. Seine "Herpetologia aegaea", das Ergebnis von Forschungsreisen in Griechenland in den Jahren 1934, 1935, 1942 und 1954, ist eine seiner wichtigsten tiergeographisch-herpetologischen Arbeiten. Wettstein publizierte insgesamt 205 wissenschaftliche Arbeiten (Schimitschek 1967), davon 60 mit herpetologischem Inhalt. Alleine seine Mitgliedschaft bei wissenschaftlichen Vereinigungen zeigt, wie ungemein vielseitig dieser Gelehrte war: Korrespondierendes Mitglied der Österreichischen Akademie der Wissenschaften, Ehrenmitglied der Academy of Zoology Agra (Indien), Ehrenmitglied der Bayerischen Ornithologischen Gesellschaft, Mitglied der Deutschen Gesellschaft für Säugetierkunde.

 

Neben seiner internationalen wissenschaftlichen Reputation war Otto Wettstein ein Mensch, der aufgrund seiner Eigenschaften allseits hoch geschätzt wurde. In Zeiten großer Geldnot im Museum (1932) scheute sich Wettstein nicht, mit Interviews in Zeitungen die Öffentlichkeit auf diesen Umstand aufmerksam zu machen. Spenden, Benefizkonzerte und Honorare für Zeitungsartikel ermöglichten wichtige Ankäufe. So wurde durch eine Sammlung in Schulen der Ankauf und die Aufstellung eines Komodowarans in der Schausammlung des Museums möglich.

 

Nach dem Krieg wurde Wettstein der Zutritt zu seinem alten Arbeitsplatz verwehrt, und die Alkoholpräparate der Herpetologischen Sammlung, damals bereits rund 100.000 Exemplare, verblieben in den auswärtigen Depots, während der Rücktransport anderer musealer Objekte bereits erfolgte und 1947 abgeschlossen war. Wettstein wurde nach dem 2. Weltkrieg pensioniert und war von 1948 bis 1958 auf dem Gebiet des Forstschutzes in der forstlichen Bundesversuchsanstalt in Mariabrunn tätig. In dieser Zeit schrieb Wettstein aber neben seiner intensiven Beschäftigung mit Forstinsekten und deren Parasiten unter anderem die "Herpetologia aegaea" (1953) und bearbeitete die Crocodylia für das Handbuch der Zoologie (1953b). Otto Wettstein, Kustos im Ruhestand und Professor an der Universität Wien starb am 10. Juli 1967.

josef eiselt

Im Jahre 1952 wurde Josef Eiselt (geboren 1912, Abb. 6) als Nachfolger Wettsteins am Museum angestellt. Eiselt, ein Schüler von Versluys (1873-1939), dissertierte über den Bau und die Funktion des Mittelohres der Frösche und Kröten (Eiselt 1941). Durch dieses Thema kam er 1936 erstmals mit Otto Wettstein in Kontakt. Erste Beziehungen zum Naturhistorischen Museum in Wien bestanden allerdings schon vorher über den Leiter der Crustaceensammlung, O. Pesta (1885-1974), der den Studenten eine Einführung in die zoologische Systematik unter dem Titel "Führung durch die zoologische Schausammlung des Naturhistorischen Museums" anbot. Pesta lenkte die Aufmerksamkeit Eiselts auf siphonostome cyclopoide Copepoden. Diesen halbparasitischen Kleinkrebsen blieb Eiselt auch während seiner späteren Arbeit an der Herpetologischen Sammlung treu und publizierte 8 diesbezügliche Arbeiten. Am 3. Mai 1939 trat Eiselt als Volontär in den Museumsdienst ein, allerdings zu einem derart niedrigen Gehalt, daß er sich gezwungen sah, bereits am 1. Dezember desselben Jahres an die Universität zu wechseln.

 

Die Einberufung zum Militätdienst 1940 unterbrach seine wissenschaftliche Karriere. Nach dem Krieg war seine Stelle anderweitig besetzt worden, sodaß Eiselt 1946-1949 die Arbeit eines Transporthilfsarbeiters bei den britischen Besatzungstruppen annehmen mußte. Aber in dieser sehr schweren Zeit half Eiselt unbezahlt beim Wiederaufbau des Zoologischen Institutes mit, gestaltete Ausstellungen und war als Fachberater der Bundesstaatlichen Lichtbildstelle und des Institutes für Naturschutz tätig.

 

Nach Beschäftigungen als Mittelschullehrer und wissenschaftliche Hilfskraft am Zoologischen Institut der Universität Wien wurde Josef Eiselt, nun vierzigjährig, am 1. September 1952 in den musealen Dienst übernommen. Ihm oblag es nun, mit völlig unzureichenden technischen und personellen Mitteln und größtem persönlichen Einsatz, das seit dem Krieg ausgelagerte herpetologische Material an das Museum zurückzuholen und systematisch neu aufzustellen. 15 Jahre waren notwendig, um die Sammlung so zu ordnen, daß sie den konservatorischen Ansprüchen genügte, und daß mit dem Sammlungsmaterial wieder systematische Forschungsarbeit geleistet werden konnte. In dieser Zeit besuchte Eiselt nur einen einzigen Zoologenkongreß (London 1958) und unternahm eine Exkursion nach Sorrent (Italien).

 

1962 begann mit der Teilnahme an der Nubien-Expedition für Eiselt (Eiselt & Beier 1962) eine Zeit höchst erfolgreicher Sammel- und Studienreisen. Seine Fahrten führten ihn über 10mal in die Türkei, 4mal in den Irak, sowie nach Afghanistan, Italien und Griechenland. Eiselts Sammel- und Forschungsschwerpunkt in Vorderasien und die damit verbundene intensive publizistische Tätigkeit ließen die Herpetologische Sammlung zu einer Spezialsammlung dieser Region werden (Bauer & Tiedemann 1978).

 

Am 1. Jänner 1972 wurde Josef Eiselt Direktor der Wirbeltierabteilung am Naturhistorischen Museum in Wien, die er 5 Jahre - bis zu seiner Pensionierung Ende 1977 - leitete. Seine Leistungen als Beamter wurden durch die Ernennung zum wirklichen Hofrat und sein wissenschaftliches Schaffen durch die Verleihung des österreichischen Ehrenkreuzes für Wissenschaft und Kunst I. Klasse gewürdigt.

 

Frei von den zahlreichen administrativen Aufgaben setzt Eiselt mit unverminderter Kraft seine Forschungstätigkeit über die Herpetofauna Vorderasiens fort. 1984, 1986, 1988 und 1990 unternahm er weitere Studienreisen in die Türkei. Bei der wissenschaftlichen Bearbeitung kooperiert Eiselt seit vielen Jahren mit J. F. Schmidtler (geboren 1942, München) und seit 1977 mit I. S. Darevsky (geboren 1925, St. Petersburg). Sowohl Schmidtler als auch Darevsky ergänzen mit wertvollen eigenen Kollektionen aus der Türkei und dem transkaukasischen Gebiet das Bearbeitungsmaterial. Die schrittweise Bearbeitung der Herpetofauna dieser Gebiete, mit Schwerpunkt Lacertenfauna, einschließlich den Problemen der unisexualen Fortpflanzung, wird von Eiselt konsequent vorangetrieben und soll zu einer Synthese der Lacertenfauna Kleinasiens und des Kaukasusgebietes führen.
Die nachfolgende Betreuung der Herpetologischen Sammlung mit einem Umfang von ca 220.000 Sammlungsobjekten lag bis Ende Jänner 2009 in den Händen von Franz Tiedemann und Heinz Grillitsch unterstützt von Antonia Cabela und Richard Gemel. Ab 2010 bis 2016 lag die Sammlungsleitung in den Händen von Heinz Grillitsch, ab 2017 übernahm Silke Schweiger die Sammlung.

 

Die Anfänge

Literatur