ausgewählte objekte aus den schausälen der vogelsammlung

der seeadler

Seit jeher standen Adler aufgrund ihrer Größe und Stärke im Interesse des Menschen. Das Spektrum reicht vom Machtsymbol als Wappentier bis hin zum sprichwörtlich gewordenen guten "Adlerauge". Zu den bekanntesten heimischen Adlerarten zählt der Seeadler. Das abgebildete Präparat (Saal 29) ist Teil einer auf einem Horst montierten Gruppe mit einem Jungvogel und 2 erwachsenen Tieren. Letztere stammen aus dem Nachlass von KRONPRINZ RUDOLF und wurden von ihm am 21. Jänner 1889 in den Donau-Auen bei Mannswörth, NÖ, erlegt, unweit des Ortes mit dem historisch betrachtet, letzten verbürgten österreichischen Brutnachweis. Dieser in der Paläarktis weit verbreitete Greifvogel mit einer Spannweite bis zu 2,5 m ist aufgrund intensiver Verfolgung, schwerwiegender Veränderungen seiner Lebensräume und des Einsatzes von Pestiziden aus weiten Teilen seines europäischen Brutareals verschwunden. Erst regionale Bestandeserholungen in den Nachbarländern in den letzten Jahren haben dazu geführt, dass wieder bis zu rund 100 Individuen an den großen Gewässern Ostösterreichs überwintern. Nach einem erfolgreichen Brutnachweis 2001 kommt es erneut alljährlich zu einigen Bruten, mit zuletzt 6-7 Paaren, die sich v.a. in geschützten Auwaldbereichen oder in großräumig wenig gestörten Gebieten ansiedeln. Dennoch führen Störungen immer wieder zur Aufgabe von Bruten.

der mauerläufer

Der ca. 16 cm große Mauerläufer (Saal 29) bewohnt die höchsten europäischen und asiatischen Gebirgszüge. Er ist auch eine charakteristische Vogelart der österreichischen Alpen. Dort ist er vorwiegend zwischen 700 und 2.000 m Seehöhe zu beobachten, im Winter gelegentlich sogar entlang der Thermenlinie (Harzberg) in Ostösterreich. Aufgrund seiner oft schwer zugänglichen Lebensräume in Schluchten, Klammen und an senkrechten, stark gegliederten Felswänden, wird er jedoch häufig übersehen. Am ehesten verraten ihn die kontrastreich gefärbten Flügel während seines schmetterlingsähnlichen Fluges. Der abgebildete Vogel stammt aus der Kollektion des Salzburger Privatgelehrten Victor R. v. TSCHUSI zu SCHMIDHOFFEN und ist mit Hallein, Salzburg, 6.2.1882, datiert. Seine 1906 bzw. 1914 erworbene umfassende Kollektion paläarktischer Vögel ist sowohl für die Schausäle, als auch für die wissenschaftliche Sammlung von wesentlicher Bedeutung.

der triel

Burhinus oedicnemus (LINNAEUS, 1758)

Der ehemals weit verbreitete, in trockenen, vegetationsarmen und offenen Lebensräumen vorkommende Triel (Saal 29), ist aufgrund tiefgreifender landschaftlicher Veränderungen aus großen Teilen Mitteleuropas verschwunden. Ursprünglich bewohnte er Sandsteppen, sandige Heidegebiete oder Kiesbänke an unverbauten Wildflüssen. Heute ist die auf ca. 15 - 20 Brutpaare zusammengeschmolzene österreichische Population -? mit dem einzigen regelmäßigen Brutvorkommen Mitteleuropas (!) ? weitgehend auf das Vorhandensein geeigneter Sekundärbiotope im pannonischen Raum angewiesen, wie Sand -und Schottergruben sowie einen Truppenübungsplatz. Landwirtschaftlich intensiv genutzte Flächen werden weitgehend gemieden. Das in Verteidigungsstellung präparierte Exemplar wurde von Julius FINGER in Österreich vor 1874 gesammelt; nähere Fundumstände sind leider unbekannt.

der rosaflamingo

Die Vogelsammlung verfügt über eine umfangreiche Kollektion afrikanischer Vogelarten. Ein historischer Beleg daraus ist der von Carl WEIDHOLZ 1914 in Tunesien gesammelte Rosaflamingo (Saal 30). Abhängig von der taxonomischen Sichtweise wird er als eigene Art oder als Unterart betrachtet. Unter Anwendung eines weit gefassten Artbegriffes ist der Rosaflamingo die am weitesten verbreitete Flamingo-Art. Er ist ein Bewohner alkalischer (basischer) Lagunen und seichter Salzseen der Alten und Neuen Welt. Mit Hilfe der Lamellen seines kompliziert gebauten Schnabels filtert er vorwiegend mikroskopisch kleine Krebse, Mollusken, sowie Algen aus dem Wasser. Die Art brütet in großen Kolonien, wobei pro Paar jeweils nur ein Ei in einem ca. 30 cm hohen kegelförmigen Nest aus Schlamm bebrütet wird. Bemerkenswert ist in diesem Zusammenhang, dass sowohl Männchen wie auch Weibchen eine Art Milch im oberen Verdauungstrakt erzeugen, um damit ihre Jungen zu füttern. Die Zusammensetzung ist der Säugetiermilch ähnlich (8-9% Protein, 15% Fett).

die eiderente

Die Eiderente ist eine der häufigsten Meerenten der arktischen Küstengewässer, die gelegentlich sogar im europäischen Binnenland, wie auch in Österreich, überwintern. Im Brutkleid sind die Altvögel deutlich verschieden gefärbt; die Männchen (Erpel) im Prachtkleid sind auffällig bunt, die Weibchen unscheinbar braun. Erpel im Schlichtkleid besitzen ein weitgehend schwarzes Gefieder. Bemerkenswert sind die weichen, wärmeisolierenden Dunen mit denen die Nestmulde ausgekleidet wird. Das unkontrollierte Sammeln dieser Federn durch den Menschen und die damit verbundene Verfolgung der Altvögel in den Brutkolonien war bis in die erste Hälfte unseres Jahrhunderts der Grund für den starken Rückgang. Durch entsprechende Schutzmaßnahmen hat sich ihr Bestand aber wieder deutlich erholt. Heute erfolgt die größte Bedrohung durch Ölkatastrophen. Die ausgestellte Gruppe wurde 1910 von Baron LÖWENSKJÖLD und Graf HOYOS gespendet. Der Erpel stammt aus Norwegen, Weibchen, Jungvogel und Gelege kommen aus Ostgrönland. Diese Exponate stehen stellvertretend für die vielen anderen wertvollen Belege, die der Vogelsammlung alljährlich von Privatpersonen als Geschenk übergeben werden.

harpia harpyja

Die 1 m große und 7-9 kg schwere Harpyie (Saal 30) der neotropischen Regenwälder zählt zu den mächtigsten Greifvögeln der Welt. Aufgrund ihrer übergeordneten Rolle als Prädator mittelgroßer bis großer Säugetiere und Vögel weist sie nur eine geringe Siedlungsdichte auf. In ihrem bis zu 100 km2 großen Streifgebiet jagt sie vorwiegend Affen und Faultiere, die mitunter schwerer sind als sie selbst. Die meisten Beutetiere werden im Bereich des Kronendaches überrascht. Große Beutetiere werden zerteilt an den Horst gebracht, aus dem maximal alle 3 Jahre ein Jungvogel ausfliegt. Dieses adulte Weibchen wurde von Johann NATTERER in Brasilien erlegt. NATTERER forschte 18 Jahre (1817-1835) in diesem Land und lieferte mit seiner mehr als 12.000 Exemplare umfassenden Aufsammlung südamerikanischer Vogelarten einen wesentlichen Beitrag für das k.k. Hof-Naturalien-Cabinet, den Vorgänger des heutigen Naturhistorischen Museums. Darunter befinden sich viele Typusexemplare, d.h. Bälge oder Stopfpräparate, nach denen eine Art oder Unterart neu beschrieben wurde.

der zwergkiwi

Die flugunfähigen Kiwis (Saal 31) sind die stammesgeschichtlich älteste heute vorkommende Vogelgruppe Neuseelands. Ausgestattet mit einem feinen Gehör - und Geruchsinn, suchen diese nachtaktiven Vögel in unterholzreichen Wäldern nach Regenwürmern, Tausendfüßlern, Spinnen und anderen Wirbellosen. Ihre ausschließlich vom Männchen bebrüteten Eier sind viermal so voluminös wie die vergleichbar großer Vögel. Die Gruppe Brauner Kiwis (Apteryx australis) und Zwergkiwis (siehe Foto) stammt aus den Neuseeländischen Alpen und ist mit Mai 1887 datiert. Die Exponate dieser gegenwärtig als gefährdet eingestuften Vogelart wurden vom Linzer Präparator Andreas REISCHEK nach Österreich gebracht, der während seines 12 Jahre dauernden Aufenthaltes diese Inseln besammelte. Der Erwerb dieses Materials verhalf dem Naturhistorischen Museum Wien nicht nur zu einem weiteren Schwerpunkt seiner wissenschaftlichen Sammlung, sondern gleichzeitig zu einer der bedeutendsten Sammlungen neuseeländischer Vögel weltweit.

der argusfasan

Der im indomalaiischen Raum vorkommende Argusfasan (Saal 31) zählt mit einer Körperlänge von bis zu 2 Metern zu den größten und auffälligsten fasanartigen Vögeln. Hinsichtlich seines Gefieders und Balzverhaltens ist er eine der spezialisiertesten Arten dieser Gruppe. Die mit großen Augenflecken bedeckten Armschwingen, die doppelt so lang sind wie die Handschwingen, spielen während der Balz eine übergeordnete Rolle. Sie vermindern allerdings das Flugvermögen deutlich und vergrößern die Gefahr, von Beutegreifern gefangen zu werden. Aufgrund seiner arabesken Gefiederzeichnung war und ist er ein beliebtes Schauobjekt in Zoologischen Gärten. Auch der in Balzstellung präparierte Hahn stammt aus der Gefangenschaft. Er ist eines der zahlreichen Geschenke aus dem TIERGARTEN SCHÖNBRUNN, von wo er 1932 an das Museum gelangte.